Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XII (1910)
- Issue
- Heft 22 (28.10.1910)
- Date
- 1910-10-28
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 22 „Neue National-Zeitung* Seite 9 verschlechtern. Dies erklärt es auch, weshalb diese Angriffe gegen die rassischen Juden gerade von dem radikal-sozialistischen Blatte „Petit-Journal", an dessen Spitze ein Führer der französischen Sozialisten, Gerauld-Richard, steht, ausgehen. Die Folge dieser Hetze ist zunächst, daß der Polizeiprüfekt seinen Organen den Auftrag erteilt hat, das jüdische Viertel besonders scharf im Auge zu behalten. Ueberdies haben einige Mitglieder des Pariser Gemeinderates bereits eine Interpellation über die jüdischen Einwanderer angekündigt. Juden — Asiaten? Der Prohibitionsgeist, welcher sowohl in den Vereinigten Staaten als auch in Kanada in den leitenden Kreisen herrscht, führt zu den unglaublichsten Uebertreibungen und Schikanen seitens der untergeordneten Organe. In 01 a v a (Kanada) ereignete sich nun jüngst folgender Vorfall : Der rumänische Jude Schülern Schuhmann wollte mit seiner Frau und vier Kindern einwandern. Er entsprach allen Bedingungen, auch bezüglich des von den Emigranten verlangten Betrages von 25 Dollar per Kopf. Der übereifrige Einwanderungsinspektor stellte sich jedoch auf den Standpunkt, daß der Jude als „Asiat" den für die Asiaten (mongolische Rasse) aufgestellten Bedingungen entsprechen und daher 200 Dollar per Kopf vorweisen müsse . . . Es ist klar, daß diese unglaubliche Interpretation» wonach alle Juden ohne Unterschied, ob sie aus Europa .oder anderen Weltteilen einwandern, je 200 Dollar per Kopf vorweisen müssen, die jüdische Einwanderung nach Kanada ein für allemal unmöglich raachen würde. Die jüdische Presse Kanadas erhob gegen dieses Vorgehen entschieden Protest, welcher auch vom Erfolge begleitet war. Der Superintendent der Einwanderung in Montreal hat eine Kundmachung erlassen, wonach die Juden ohne Unterschied, ob sie aus Asien oder anderen Weltteilen einwandern, ebenso behandelt werden müßten wie alle anderen Einwanderer. Damit ist also die Interpretation des Einwanderungsinspektors in Otava vorläufig für hinfällig erklärt. JBöR£eSP©ND6NTCN Oesterreich-Ungarn. Die Wahlen in den Kultusvorstand. Wien, den 27. Oktober. Unter Vorsitz des Hof- und Gerichtsadvokaten Dr. S. R. Landau und im Beisein der Obmänner mehrerer befreundeter Vereine hat sich gestern der Vorstand des „Verbandes der östlichen Juden" mit der Frage der Stellungnahme zu den bevorstehenden Kultuswahlen beschäftigt. Nach eingehender Diskussion wurde beschlossen, daß sich der Vorstand als unabhängiges Wahlkomitee konstituiere und sofort eine Wahlaktion einleite. Das Wahlkomitee hält Montag, den 31. d., unter Zuziehung der Delegierten zahlreicher Vereine seine nächste Sitzung ab, in welcher das Wahlprogramm festgestellt wird. Prof. Hermann Vämbery als Jubilar. Budapest. In diesem Monate werden es fünfzig Jahre, datf die Ungarische Akademie der Wissenschaften den hervorragenden Gelehrten und Forschungsreisenden Hermann Vämbery zu ihrem Mitgliede gewählt hatte. Aus diesem Anlaß erschien gemäß einem Plenarbeschlüsse unter der Leitung des Präsidenten Gehehnrat Albert Berzeviczy, eine Deputation der Akademie bei Vämbery, am den berühmten Gelehrten die Jnbiläumsadressc zu überreichen. Präsident Albert Berzeviczy begrüßte den Jubilar mit einer tiefempfundenen Ansprache und überreichte das Ehrendiplom der Akademie. Das Diplom ist ein Quart-Doppelkarton, der unter der Aufschrift „Magyar Tudomänyos Akademia" (Ungarische Akademie der Wissenschaften) in kalligraphierten, mit roter, Gold- und schwarzer Tinte geschriebenen gothisehen Lettern, den folgenden Text enthält: „Am heutigen Tage geht ein halbes Jahrhundert zu Ende,, seitdem die Ungarische Akademie der Wissenschaften Euer Hochgeboren unter ihren Mitgliedern begrüßen kann. Diese fünf Jahrzehnte wurden durch ihre Erfolge auf dem Gebiete der Wissenschaft, durch Thr in der ganzen Welt bekanntes Wirken und die wirtschaftlichen Ergebnisse desselben denkwürdig. Euer Hochgeboren, der Sie in Ihrer Jugend durch Ihre großes Aufsehen erregende mittelasiatische Reise in der Erkenntnis der sprachwissenschaftlichen, geographischen und ethnographischen Verhältnisse des weitverzweigten Türkentums für all diejenigen, die in die Spuren Ihrer Direktive traten, einen unbetretenen Pfad geöffnet haben, haben in der jüngsten Zeit durch eine glänzende Reihe wissenschaftlicher Werke den Schleier gehoben von den bis dahin nur dunkel bekannten Gebieten der orientalischen Weit. Zu all dem, womit Sie dnrch Ihre Unermüdlichkeit ein Arorbild zur Bereicherung der wissenschaftlichen Literatur bieten, tritt die großangelegte Tätigkeit, die Euer Hochgeboren auf dem Gebiete des sozialen, ethischen und materiellen Lebens der orientalischen Welt entwickelt haben und die den Namen Euer Hochgeboren in einem weit über die Grenzen unseres Vaterlandes reichenden Kreise in die Reihe der hervorragenden verdienterweise gefeierten Männer der wissenschaftlichen Welt erhoben hat. Daraus erwuchs Ruhm auch für unsere vaterländische Wissenschaft, deren treuer Arbeiter Euer Hochgeboren stets auch dadurch geblieben sind, daß Sie Ihre Forschungen im Schöße unserer Akademie auch auf unsere Sprache und auf unsere Vorzeit ausdehnten. Als hochangesehener Professor unserer Hochschule haben Sie durch ihren Unterricht, durch ihre Lehren den bis zur Zeit Ihres Auftretens brach gelegenen orientalischen Wissenschaften eifrige Pfleger erzogen, die auch mit Erfolg sich diesen für uns so wichtigen Studien in unserem Vaterlande widmeten und die ohne Ausnahme Zöglinge Ihrer Schule sind, ihren wissenschaftlichen Wert, dem Unterricht Euer Hochgeboren verdanken. Für all das schuldet Euer Hochgeboren unvergänglichen Dank in erster Linie jene vaterländische Körperschaft, die es als ihre Aufgabe betrachtet, das nationale wissenschaftliche und literarische Leben zu führen, zu leiten und zu entwickeln und die das seltene Talent Euer Hochgeboren schon zu Beginn Ihrer Laufbahn wohlwollender Unterstützung teilhaftig werden ließ. Mit diesem Gefühl begrüßen wir Sie, hochgeehrter Herr Kollege, an der heutigen Jahreswende im Namen der Ungarischen Akademie der Wissenschaften mit dem innigen Wunsche, wir mögen uns noch lange kraft Ihrer nicht erlahmenden Tätigkeit. Ihrer sich erneuernden Erfolge erfreuen können. Mit außerordentlicher Achtung und Anhänglichkeit Budapest, Oktober 1910. Gustav Heinrich Albert Berzeviczy." Generalsekretär. Professor Vämbery dankte für die ihm zuteil gewordene seltene Ehrung. „Ich begann meine Laufbahn" - sagte er — „unter der Aegide der Ungarischen Akademie, ohne deren Unterstützung ich die Hauptresultate meines Lebens vielleicht nie erreicht hätte, deshalb gereicht es mir zu besonderer Ehre, daß dieses Institut, mit dem mein Lebenslauf so innig verknüpft ist, sich meines Jubiläums in so ehrender Weise erinnert." Der gelehrte Jubilar empfing auch sonst zahlreiche Gratulationsbesuche, schriftliche und telegraphische Glückwünsche. In nächster Zeit wird eine große Vämbery-Feier aus Anlaß seines 80. Geburtstages durch ein bereits gebildetes Festkomitee abgehalten werden. *