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Neue Nationalzeitung · 1910-10-28 · Heft 22 (28.10.1910) · p. Seite 8

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XII (1910)
Issue
Heft 22 (28.10.1910)
Date
1910-10-28
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 „Neue Nätional-Zeitung" Nr. 22 unentgeltlich den Gesundheitszustand der Emigranten vor ihrer Abreise nach Amerika untersuchen würden. Dadurch sollte für die Zukunft verhütet werden, daß Emigranten die kostspielige und beschwerliche Reise nach Amerika unternehmen, wiewohl sie den sanitären Anforderungen nicht entsprechen. Die Konferenz appellierte weiters an die jüdische Presse Europas und Amerikas, dahin zu agitieren, daß Personen mit ausgeheiltem Trachom (Augenkrankheit) und Favus (Kopfausschlag) von amerikanischen Behörden nicht zurückgewiesen weiden. Bessere Schiffsräume für die Emigranten. Die Konferenz hat weiters beschlossen, dafür Sorge zu tragen, daß die für die Emigranten auf den Schiffen bestimmten Räume mehr den hygienischen Anforderungen entsprechen. Auch soll für die Zukunft der direkten Linie Libau- New-York mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden. Billige Auslandspässe. Es sei Sache der Emigrationsbureaus, den Emigranten bei der Beschaffung eines Auslandspasses behilflich zu sein, zu welchem Zwecke aber andererseits auch das Petersburger Zentralbureau der JCA beim Ministerium wegen Verbilligung der Auslandspässe zu intervenieren hat. Kontrolle der Grenzstationen und der Agenten. Die Grenzkontrollstationen, zu welchen die Vorsteher der Emigrationsvereine keinen Zutritt haben, sind zu boykottieren. Auch sind diejenigen Agenten, welche in unreeller Weise gegen die Emigranten vorgegangen sind, genau zu registrieren. Es wird den Vertretern der Informationsbureaus empfohlen, an der russisch-deutschen Grenze gemeinsam mit dem Berliner Hilfsverein und an der österreichisch-deutschen Grenze gemeinsam mit der Wiener Allianz vorzugehen. Mißtrauensvotum gegen die Wiener „Allianz". Allerdings wird auch gleichzeitig der Wiener „A 11 i a n z" ein Tadel ausgesprochen und der Wunsch ausgedrückt, daß die österreichischen Juden künftighin für das Los der durchwandernden Emigranten ein größeres Interesse kundgeben. Von der Pariser JCA wird verlangt, daß sie für die Zwecke der Emigrationsorganisation mehr Mittel zur Verfügung stelle und auch in ihrer Tätigkeit in Rußland mit den einzelnen Emigrationsgesellschaften in engere Verbindung trete. Zu diesem Zwecke seien mindestens einmal im Jahre die Vertreter der Emigrationskomilees in Kiew, Warschau, Minsk, Kowno und Rowno nach Petersburg einzuberufen. Die Gründung einer Eniigrantenbank. Eine Konferenz in Riga. Vor kurzem wurde von den Herren Mag. jur. Mint z, Präses des Verwaltungsrates der Nordischen Gesellschaft für gegenseitigen Kredit, und S. Ginsberg, Präses des Rigaer Komitees der JCA, eine Konferenz nach Riga einberufen zwecks Prüfung eines von Londoner Finanziers ausgearbeiteten und von Herrn Dawidowitsch überreichten Entwurfes der Organisation einer Emigrantenbank. An der stattgefundenen Besprechung haben sich nachstehend genannte Herren beteiligt: Der Direktor der Rigaschen Filiale der Nordischen Bank D. N. G u r w i l s c h, der Geschäftsführer der Nordischen Gesellschaft für gegenseitigen Kredit M. E. Antik, die Direktoren der genannten Gesellschaft Ing. S. L. Gurewitsch und E. Sch. S c h a 1 i t, der Chef des Rigaer Kontors der Russischen Transportgesellschaft J. S. Beschkin, der Präses der Direktion der I. Spär- und Vorschuß-Gesellschaft L. N. Etting« n, das Mitglied des Verwaltungsrates der Nordischen Gesellschaft für gegenseitigen Kredit" S. j. Sachs und der Präses-Stellvertreter des Rigaer jüdischen Krankenpflege Vereines Dr. med. M. S c h ö nfei dt. Die Konferenz faßte folgende Resolution: „Nach Durchsiebt des vorliegenden Projektes und Besprechung der einschlägigen Fragen gelangten wir zu folgendem Resultate : Für die Erleichterung respektive Regulierung der jüdischen Auswanderungsbewegung erscheint unter anderen Maßnahmen die Schaffung eines speziellen Finanzinstitutes erforderlich. Die Funktionen dieses Institutes müßten sich zunächst auf die Vermittlung billiger Schiffskarten, Versicherung vor zwangsweiser Rückbeförderung, Ueberweisung von Geldern, Annahme von Einlagen und dergleichen passiven Geldoperationen beschränken. Erst nach erfolgter Ansammlung größerer Betriebsmittel durch die passiven Operationen dürfte allmählich und mit größter Vorsicht zur Vornahme aktiver Kleinkredit-Operationen übergegangen werden, um den Auswanderern in ihrer neuen Heimat unter die Arme zu greifen. Ein derartiges Finanzinstitut ist als Aktiengesellschaft mit nicht allzu kleinen Anteilscheinen zu begründen. Das vorliegende Projekt bedarf in vieler Hinsicht einer gründlichen Umarbeitung respektive Abänderung." * Eine Lehrkanzel für Einwanderungswesen. An der Columbia-Universität in New-York wurde eine eigene Lehrkanzel für „Einwanderungswesen" errichtet. Zum Lektor wurde der gewesene Direktor der Educational Alliance in New-York, Dr. David B 1 a u s t e i n, ernannt. Im ersten Jahre wird Lektor Blaustein über die Geschichte der Einwanderung mit besonderer Berücksichtigung der j tidischen und slavischen Einwanderung lesen. Ueberdies wurden mehrere gut dotierte Stipendien für qualifizierte Hörer und Hörerinnen dieser Kurse errichtet. Die Bewerber für diese Stipendien müssen eine entsprechende allgemeine Vorbildung, zumindest absolvierte Mittelschule nachweisen und eine Prüfung über die Kenntnisse von zumindest zwei der nachbenannlen Sprachen bestehen: Russisch, polnisch, deutsch, tschechisch, schwedisch, holländisch, hebräisch, jüdisch und italienisch. Ueberdies müssen die Kandidaten auch die Kenntnisse der Rasseneigentümlichkeiten und Sitten der genannten Völker, sowie die soziale Tätigkeit von zumindest einer der folgenden Völkergruppen besitzen: 1. Slaven, 2. Italiener, besonders der Sizilianer, 3. Juden, Russen und Oesterreicher, besonders der Galizianer und schließlich 4. Rumänen. Eine Agitation gegen die jüdische Einwanderung in Paris. Die Pariser Zeitung „Petit-Journal" führt seit einiger Zeit eine heftige Agitation gegen die stetig zunehmende Einwanderung russischer Juden nach Paris. Den Vorwand hiezu bietet die Behauptung, daß die russischen Juden die Trachomkrankheit nach Paris verschleppt und daselbst ein epidemisches Auftreten dieser Krankheit verschuldet hätten. Die wahre Ursache dieser antisemitischen Agitation scheint jedoch darin zu liegen, daß die meisten eingewanderten Juden tüchtige Arbeiter sind und durch den Zuzug größerer Arbeitermassen die bestehenden Arbeiterbedingungen

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