Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XII (1910)
- Issue
- Heft 22 (28.10.1910)
- Date
- 1910-10-28
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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- Liepāja 4× ep/1000744
- Odesa 1× ep/1000834
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Nr. 22 Neue National-Zeitang' Seite 7 schmälert, die Regierung hat alles, was ihrer Meinung nach „überflüssig" war, ausgeschlossen, sie hat die Sekretäre der Komitees zur Konferenz nicht zugelassen, sogar die Stenographisten durften keine Juden sein. Und doch — trotz aller beschränkenden Maßnahmen ist die „Meuterei" in die Konferenz doch eingedrungen. Fast auf allen in Libau gefaßten Resolutionen liegt der Stempel der Kongreßagitation. Besonders klar zeigt sich das in den Resolutionen, die keine unmittelbare Beziehung zur Tätigkeit des Infonnationsbureaus haben, worauf die JCA sich bisher eigentlich beschränkt hat. So wird in der Resolution über die Rückbeförderung der aus Amerika Zurückgewiesenen empfohlen, zu diesem Zwecke eine spezielle Organisation zu schaffen und sich diesbezüglich mit den Gemeinden in Einverständnis zu setzen. Die Frage der Assekuranz der Emigranten im Falle der Rückbeförderung, die im positiven Sinne gelöst wurde, hat bereits, im Zusammenhange mit der Schaffung einer jüdischen Emigrantenbank in der jüdischen Presse eine eingehende Besprechung gefunden. In engster Verbindung mit dieser Bank steht auch die Frage der sogenannten „Prepeds".*) Der Kampf gegen dieselben, den die Konferenz empfiehlt, muß als aussichtslos bezeichnet werden, da sie durch die Lebensnotwendigkeit hervorgerufen sind. Es; wäre viel konsequenter, wenn sich die Konferenz in diesen Fragen auf den Standpunkt der Notwendigkeit eines speziellen Finanzinstilutes gestellt hätte. Die Konferenz beschränkte sich nicht auf Resolutionen über die Tätigkeit der JCA in Rußland. Sie empfiehlt der JGA, mit allen im Auslande bestehenden Organisationen in Verbindung zu treten. Hinsichtlich der Emigrationsfrage in Oesterreich hat die Konferenz einen speziellen Wunsch ausgedrückt, daß die österreichischen Juden mehr als bisher aufdemGebietedesSchutzes der Emigranten, die durch Oesterreich fahren, leisten sollen .und daß in allen wichtigen Grenzstationen arbeitsfähige Komitees gegründet werden sollen." (Ein unzweideutiger Hinweis auf die sehr zweitelhafte „Arbeitsfähigkeit" der Wiener Allianz! . . .) Welches das Schicksal aller dieser Resolutionen auch sein mag, ob sie tatsächlich durchgeführt werden oder auf dem Papiere bleiben werden, jedenfalls hat die Konferenz eine gute und wichtige Arbeit geleistet. Sie lenkte die Aufmerksamkeit der jüdischen Gesellschaft auf alle von ihr aufgeworfenen Fragen. Das Wichtigste aber ist, daß es eine Konferenz der JCA ist, eine Konferenz eines Landeszweiges derjenigen Organisation, die bei der Lösung einer der wichtigsten Fragen des jüdischen Lebens die größte Rolle spielen kann. Und wenn die jüdische Gesellschaft auch in allen anderen Fragen eine ähnliche Autorität äußern wird, so werden wir dadurch der Lösung der kompliziertesten Fragen des jüdischen Lebens bedeutend näher gerückt weiden. DIEL JÜDISCHE EniQRdTION. Die Jüdische Emigrationskonferenz in Libau. Am 25. September wurde in Libau die zur Besprechung der jüdischen Emigrationsfrage in Rußland einberufene, von uns bereits angekündigte Konferenz eröffnet. Daß die russische Regierung diesem Werke jüdischer Selbsthilfe die größten Schwierigkeiten bereitete, ist ja in diesem erbärmlichen Staatswesen selbstverständlich. Es durften an der Konfeienz nur diejenigen Vertreter teilnehmen, welche bereits früher den Regierungsbehörden bekannt gegeben und von denselben genehmigt wurden. Es kamen jedoch von den behördlicherseits genehmigten 50 Personen nur 18 in Libau an, während für die restlichen, weil sie verhindert waren, andere Vereins- *) Die Schiffskarten, die auf Auszahlung aus Amerika den Angehörigen geschickt werden. funktionale erschienen. Diesen letzteren aber wurde die Teilnahme verboten. Es waren darunter Dr. Temkin als Vertreter des „Berliner Hilfsvereines"; Dr. Schimkin, der Sekretär des Bureaus von Odessa; Blum, Sekretär des Zentralbureaus der JCA in Petersburg; überhaupt wurden die Sekretäre der Emigrationsvereine seitens der Behörde nicht zugelassen und die Konferenzleitung wurde sogar gezwungen, als Stenographen nur Christen anzustellen. Zum Zwecke der Ueberwachung der Arbeiten der Konferenz erschien von Petersburg der Vertrauensmann für jüdische Angelegenheiten im Ministerium des Innern, Dr. K r e b s, dessen Aufgabe darin bestand, zu überwachen, daß auf der Konferenz nur russisch gesprochen und verhandelt wird. Da an der offiziellen Konferenz von den erschienenen 60 Delegierten nur 18 teilnehmen durften, so half man sich in der Weise, daß den offiziellen Beschlüssen der Konferenz immer Vorbesprechungen der gesamten Delegierten vorangingen. Bei beiden Konferenzen führte den Vorsitz Dr. K azenellensohn aus Libau, welcher im Präsidium durch die Herren Gure witsch und Warschawski (Kiew) sowie durch Gordon (Petersburg) unterstützt wurde. In einem besonderen Artikel dieser Nummer finden unsere Leser eine eingehende Würdigung der Konferenz, welche durch vier Tage dauerte. An dieser Stelle wollen wir nur noch die von der Konferenz beschlossenen wichtigsten Resolutionen nachtragen, da in denselben die für die zukünftige Tätigkeit der Emigrationsvereine in Rußland maßgebende Richtschnur festgelegt wurde. Die Sanitätshilfe für Emigranten. An erster Stelle der Resolutionen steht die Organisation der Sanitätshilfe für die Emigranten. Es wurde beschlossen, ein spezielles Aerztekomitee einzusetzen, dessen Mitglieder