Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XII (1910)
- Issue
- Heft 21 (14.10.1910)
- Date
- 1910-10-14
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 21 „Neue National-Zcitung" Seite 7 akte, die diesen Sieg der finsteren Reaktion in der Hochburg des Freisinns ermöglichten, übertreffen die kühnste Phantasie. So zum Beispiel wurden die jüdischen Hausbesitzer von Polizeibeamlen besucht und aufgefordert, in ihrer Gegenwart das Wahlbulletin mit dem Namen Renos auszufüllen, widrigenfalls würden sie zu höheren Geld- und Freiheitsstrafen wegen „Verstößen gegen die Sanitätsvorschriflen" belegt werden. Bei den weitgehenden Machtbefugnissen Tolmatschews in dem von Cholera und Pest heimgesuchten Odessa muß eine derartige Drohung natürlich von großer Wirkung gewesen sein. So gelangte das Mandat Pergaments und Brodskys in antisemitische Hände. GEMEINö5=unö VGRekNSNÄlftRitrcW Wien. (J ü d i s c h c r S c h u 1 v e r c i n für den IX. Bezirk, IX/i, Seegasse 16.) Der Unterricht begann Sonntag, 9. Oktober 1910. Die Einschreibungen finden an Wochentagen von %5—7 Uhr, an Sonntagen von 10—12 Uhr statt. Wien. (Jüdischer Verein „E i n h e i t", Wien, ] I., Malzgasse 12.) Der Verein, der dem Bedürfnis entsprang, der ä r m e r e n jüdischen Bevölkerung mittags und abends ein gutes, billiges, streng koscheres Essen zu ermöglichen, hat sich aus ganz kleinen Anfängen zu einer großen jüdischen Volksspeisehalle entwickelt. 1000—1200 Personen — Männer, Frauen und Kinder — speisen täglich in den schönen, lichten Sälen, die allen hygienischen Anforderungen entsprechen. Vergangenen Winter wurde eine eigene jüdische Mensa a c a d e m i c a eröffnet, die unsere Studenten vor der Gefahr schützt, aus der allgemeinen Mensa herausgeekelt zu werden. 200 Studenten speisen täglich für 40 Heller zu Mittag und 30 Heller zu Abend. Die Frequenz der beiden Speisesäle steigert sich von Tag zu Tag und erst jüngst mußte ein neues L o ik a 1 eröffnet werden, um niemanden infolge Raummangels abweisen zu müssen. Die Wohltat des guten Essens, des angenehmen Aufenthaltes, die Behaglichkeit von Licht und Wärme wird allgemein gelobt und anerkannt und der Vorstand ist unermüdlich tätig, seinen Gästen nach Möglichkeit das Beste zu bieten. Trotz der täglich mehr überhandnehmenden Teuerung und der großen Auslagen für Neuadaptierungen wurden die Preise seit Begründung des Vereines (1906) nicht erhöht! Soll aber der Verein seiner eminent werktätigen Aufgabe voll und ganz nachkommen können, bedarf er der wohltätigen Unterstützung aller.. Die Anforderungen, die an den Verein gestellt werden, sind wahrlich keine geringen; der Vorstand und die Vorstandsdamen widmen sich mit Aufopferung der Sorge, alle Gäste zufriedenstellen zu können. Jedermann wird sich um die gute Sache verdient machen, wenn er den Verein „Einheit" durch gütige Spenden in,seiner edlen Aufgabe unterstützt. Jede Spende wird dankend quittiert und in den jüdischen Blättern ausgewiesen weiden. Zusendungen erbeten an die Adresse des Vereines oder an den Obmann Herrn Bernhard Hofbauer, Wien, I., Tuchlauben 20. Wien. Um allen jüdischen Hoch- und Mittelschülern das Erlernen der hebräischen Sprache zu ermöglichen, beschloß die akad. Vereinigung für hebräische Sprache und Kultur, „H a t'c h i j a h", hebräische Sprachkurse zu gründen und ersucht hiemit die Herren Kollegen, die an dem Unterrichte teilnehmen wollen, sich anzumelden. Es werden auch diejenigen Hochschüler, die des Hebräischen bereits mächtig sind, höflichst ersucht, der Vereinigung als Mitglieder beitreten zu wollen. Ferner wird mitgeteilt, daß die Vereinigung Informationen betreffs hebräischer Lektionen erteilt. Nähere Auskünfte erteilen: Zwi Freyfelder, stud. phil., IX., Hahngasse 12, Hochparterre, T. 9, und Naftali Siegmann, stud. med., IX., Brünnlgasse 7, II. St., T. 14. Wien. „Die Lese- und Rede halle jüdischer Hochschüler in Wien" erläßt nachstehenden A u fruf: Jüdische Komilitonen! Ihr alle, die ihr ins Hochschulleben tretet, habet eine folgenschwere Entscheidung zu fällen. Denn die Zeit, die Eurer harrt, erfordert erbitterten Kampf und zähe Ausdauer. Jüdische Studenten! Ihr vertretet die Intelligenz Eures vielgeschmähten Volkes, auf Euch lastet eine schwere Verantwortung. Diese große Pflicht erfassend, ist die organisierte jüdisch-nationale Studentenschaft bemüht, den jüdischen Abiturienten nach Möglichkeit die Wege zu ebnen, ihn vor allem vor den fremdnationalcn, unser Volksleben vergiftenden Einflüssen zu bewahren, ihm nochmals einzuprägen: „Gedenke, daß Du ein Jude bis t!" So fordert denn die organisierte jüdische Studentenschaft Wiens Euch, jüdische Abiturienten, auf, bestimmt zu dem am Dienstag, den 18. O k t o b e r, um 8 Uhr. im „Hotel Post", Fleischmarkt, stattfindenden Abiturienten- Abend zu erscheinen. % Es ist Ehrenpflicht jedes jüdischen Studenten, diesem Kufe Folge zu leisten! Wien. Die diesjährige ordentliche Generalversammlung des „Kaiser Franz Josef -Ferienhei m" findet Donnerstag den 20. Oktober d. J. um 6 Uhr abends im Vereinsbureau, IX., Türkenstraße 17, mit folgender Tagesordnung statt: 1. Tätigkeits- und Kassabericht für die Vereinsjahre 1908 und 1909. 2. Revisionsbericht. 3. Xeu-, bezw. Ersatzwahlen. Hiervon werden die Mitglieder und Gönner des Vereines mit dem Bemerken in Kenntnis gesetzt, daß eine gesonderte Einladung 11 i c h t erfolgt. Czernowitz. (J ü d i s c h - a k a d e in i s c Ii e r „K u 1t u r v c r c i n".) Unter diesem Namen ist hier ein neuer Studentenverein gegründet worden, dessen Bestrebungen — wie schon sein Name besagt — rein kulturelle sind. Der Verein sieht im Ostjudentum den lebendigen Vertreter des jüdischen Volkstums und in der jüdischen Sprache ein Mittel zur Auflebung des jüdischen Volkes und zur Autrüttlung aus seiner kulturell indifferenten Lage. Seine besondere Aufmerksamkeit wird der Verein den wirtschaftlichen Verhältnissen der Ostjuden im allgemeinen und den Bukowinaer Juden im besonderen zuwenden. Er wird trachten, die Ursachen des Elends dieses Teiles der Juden zu ergründen und positive Vorschläge zu dessen Behebung zu machen. Der Verein als solcher schließt sich keiner Parteirichtung an und stellt jedem seiner Mitglieder frei, ebenso wie auch in jeder anderen Beziehung die persönliche Freiheit der Mitglieder vollständig gewahrt bleibt. Der Verein erwartet von all jenen Unterstützung seiner Bestrebungen, welche mit seiner Tendenz einverstanden sind. Die Chargenwahl für das diesjährige Wintersemester ergab folgendes Resultat: Obmann: Abraham E. Reiner, stud. phil.; Obmann-Stellvertreter: Edmund Melzer, stud. jur.; Schriftführer: Pinkas Schor, stud. jur. Zuschriften sind zu richten an: E. Melzer, Czernowitz, Franzensgasse 30, 1. Stock. ALLEN UEIREiLEN Marya Konopnicka — gestorben. Kurz nach Elise Orzeszko ist nun auch die Konopnic.ka gestorben. Die Juden werden auch ihr ein gutes, dankbares Andenken hewahren. Sie war eine gute, reine Seele, eine gottbegnadete Volksdichterin, die für Freiheit und wahre Menschenliebe sang und stritt. Sie war den Juden wohlgesinnt und hat ihr Volksleben in der Novelle „Mendel Danzinger" freundlich geschildert. Das muß hervorgehoben werden, zu einer Zeit, wo selbst die fortschrittlichen Elemente in Polen eine Politik die „Entjudung" inaugurieren und an Stelle der Gleichheit die — „Toleranz" setzen. Aufhebung der Pilgerpässe für jüdische Palästinafahrer. Die gesetzliche Bestimmung in Rußland, wonach Paläslinapilgern an Stelle der gewöhnlichen, sehr teueren Auslandspässe spezielle Pilgerpässe gegen eine extra billige Gebühr ausgestellt werden, wurde bisher auch auf die Juden ausgedehnt. Nun kam die allgemeine Judenpolitik, wie sie in letzter Zeit auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens verfolgt wird, auch in dieser Beziehung zur Geltung. Das Polizeidepartement verfügte nämlich dieser Tage, daß die