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Neue Nationalzeitung · 1910-10-14 · Heft 21 (14.10.1910) · p. Seite 5

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XII (1910)
Issue
Heft 21 (14.10.1910)
Date
1910-10-14
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 21 „Neue National-Zeittmg" Seite 5 „Brief aus Salizien". Wir erhalten nachstehende Zuschrift: An die Redaktion der „Neuen Nationalzeitung" in Wien. Wir ersuchen Sie höfl. auf Grund des § 19 des Preß- Gesetzes, nachfolgende Berichtigung in der„NeuenNationalzeitung" vom 16. September 1910, Nr. 19, Seite 5, unter dem Titel „ Brief aus Galizien" Abschnitt 3 erscln-inenden Artikels über die „Credit-Union", Lemberg und an derselben Stelle aufnehmen und veröffentlichen zu wollen: Es ist unwahr, daß hunderte von Bittstellern bei uns abgewiesen werden, nachdem sie den für Informationszwecke hergegebenen Betrag einbüßen; wahr ist, daß die Credit-Union, Lemberg, überhaupt gar keine Informationsgebühren einhebt. Es ist nicht wahr, daß die jüdische Presse in Galizien die ti aurigen Verhältnisse verschweigt deshalb, weil sie Inserate bekommt; wahr ist, daß mit Ausnahme des „Tagblattes" und des „Jüdischen Arbeiters" kein Blatt sonst ein bezahltes Inserat von der Credit-Union hat, da wir für solche über keinerlei Fonde verfügen. Es ist nicht wahr, daß der Darlehens-Nehmer bei der Credit-Union 8—10% bezahlt, wahr ist, daß die Credit-Union, Lemberg, 6—7% an Zinsen d. i. 2 3°/0 über Bankrate der Oestei r.-ung. Bank berechnet. Hochachtungsvoll Unterschriften unleserlich. Anmerkung der Redaktion. Obiger Berichtigung hat die Credit-Union noch ein Schreiben, eine Art Komentar, beigefügt. Darin erscheint uns von Wichtigkeit folgendes Zugeständnis: „Zu Ihrer weiteren Aufklärung bemerken wir, daß die Credit-Union gar nicht als die Bank des kleinen Mannes gedacht w a r und schon ihrem Anteile von K 200 nach, wie Sie ganz richtig bemerken, dazu nicht geeignet ist". Schließlich werden die von uns geschilderten Vorkommnisse, die in obiger Berichtigung in Abrede gestellt werden, insofern zugegeben, als sie sich auf die von der Credit - Union gegründete Lemberger Volks- Vorschußkasse zu beziehen scheinen. Aus diesem Grunde sind wahrscheinlich die von unserem Lemberger Korrespondenten lediglich wiedergegebenen Darstellungen des „Glos" in diesem Blatte nicht berichtigt worden. Enquete, Schänkerfrage und Massenelend in Galizien. IL "Die Enqucfe — begraben. Der Pferdefuß kommt zum Vorschein. Die Enquete wurde solange hinausgeschoben, bis sie sich zu einer „allgemeinen" herausgewachsen hat. Der bekannte klerikale Antisemit, der Rektor der Lemberger Technik, Prof. T h u 11 i e und der Universitäts-Rektor Pater Jaszowski haben es übernommen, im Landtage einen bezüglichen Antrag zu stellen. Sie verlangten, daß sich die beschlossene Enquete nicht bloß auf die jüdische, sondern auch auf die christliche Bevölkerung beziehe, an deren Notlage gar nicht gedacht wurde. Thullie verwahrte sich dagegen, daß er aus judenfeindlichen Motiven handle; er glaube bloß, daß das Massenelend keinen konfessionellen Gesichtspunkt vertrage und „daß uns die Toleranz zu weit führen könnte." Dieser Antrag wurde dem Verwaltungsausschuß zugewiesen. Von jüdischen Abgeordneten hat sieh Dr. Ignaz Landau mit dem Meritum desselben einverstanden erklärt, die anderen schwiegen. Die Enquete ist begraben; Dr. Löwenstein hat seinen Judaslohn erhalten. Der Antrag auf Einsetzung der Enquete hat ihm ein Mandat und ein Adelsprädikat getragen. Die jüdische Bevölkerung ist aber in der schändlichsten Weise durch drei Jahre betrogen worden. * 3fa$>inski für die jüdische Enquete. Merkwürdigerweise findet der Antrag Thullies in dem Organ Stapinskis eine scharfe Zurückweisung. Ob in diesem Urteil die Meinung Stapinskis oder die des Herrn Stanislaus Mendelsohn, der jetzt Chef-Redakteur der „Gazeta Powszechna" ist, zum Ausdrucke kommt, wissen wir nicht. Jedenfalls ist es nicht ohne Pikanterie, daß in dem Leibblatte Stapinskis, der die jüdischen Schänker aufs Pflaster wirft, die Notwendigkeit der jüdischen Enquete vertreten wird. „Dieser Antrag (Tullies)" — erklärte die „Gazeta Powszechna" — ist lediglich eine Manifestation. Denn die Enquete über die Notlage der Juden hat zur Aufgabe die Prüfung der Lebensbedingung einer bestimmten Bevölkerungsschichte. Man könnte ebenso eine Enquete über die Notlage der Zimmermaler oder Schuster veranstalten, wenn es sich darum handelt, die Lebensbedingungen einer Schichte festzustellen, die sich beruflich oder sittlich heraushebt. Die Prüfung der Lebensbedingungen der christlichen Bevölkerung, die eine bedeutende Majorität im Lande bildet, ist jedoch eine dauernde, alltägliche Pflicht der autonomen und staatlichen Behörden. Diese Pflicht der dauernden Ueberwachung des Wohlstandes im ganzen Lande, darf nicht einer Spezial-Enquete überantwortet werden". * "Der r\ongress der Schanker. In Anwesenheit von 1500 Schänkern sowohl polnischer als jüdischer Nationalität wurde am 5, d. M. der Schänkerkongreß in Lemberg eröffnet. Zu seiner Begrüßung erschienen zahlreiche Abgeordnete, speziell Jüdischnationale und Sozialdemokraten: außerdem mehrere Bürgermeister, darunter der Bürgermeister von Lemberg usw. Das Referat erstattete Herr J a n o w i c z, welcher die Konzessionsverteilungen sehr scharf kritisierte. Er verwies auf das rücksichtslose Vorgehen der Statthalterei, die durch den aufgestellten Verteilungsschlüssel 12.00U Familien-Existenzen vernichtete, während weitere Existenzen durch die bei der Verteilung geübte Protektionswirtschaft umgebracht wurden. Redner beantragt eine Resolution, in der die Vermehrung der Konzessionsanzahl zugunsten der brotlos gewordenen Schänker verlangt wird. Nach einer stürmischen Debatte wurde die Resolution angenommen und beschlossen, dieselbe sofort durch eine Deputation dem Statthalter mitzuteilen. Dieser Vorgang hatte einen Erfolg. Der Statthalter erklärte der Deputation, daß für die bisherigen Schänker ein besonderer Nachtragskonkurs ausgeschrieben werden wird. Herr Janowicz regte überdies an, daß den bisherigen

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