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Neue Nationalzeitung · 1910-10-14 · Heft 21 (14.10.1910) · p. Seite 4

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XII (1910)
Issue
Heft 21 (14.10.1910)
Date
1910-10-14
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 „Neue National-Zeitung" Nr. 21 Zum Tode Dp. Pergelt's. Der Tod des Abgeordneten Dr. Pergelt bringt eine merkwürdige Episode in Erinnerung, die einem selbstbewußten Juden nie aus dem Gedächtnisse sehwinden kann. Dieser Abgeordnete, den die von Juden redigierte liberale Presse als einen der tüchtigsten deutschliberalen Politiker rühmt, hat sich vor einem Jahre in öffentlicher Parlaments-Sitzung den Ausspruch geleistet, daß er alle Juden den Czeehen schenke. Das hat damals den deutschtümlichen Israeliten sehr weh getan und Abgeordneter Hofrat Kuranda war dem Dr. Pergelt gegenüber der Dolmetsch dieser schmerzliehen Gefühle. Der selbstbewußte Teil der jüdischen Bevölkerung war dem Dr. Pergelt für diese AeuJSerung dankbar; sein kräftiger Fußtritt war geeignet, die israelitischen Nachläufer zur Besinnung zu bringen und aus ihrer unwürdigen Haltung aufzurütteln. Gesundungsprozeß innerhalb der jüdischen Bevölkerung nur förderlich sein. Sozialdemokratischer Pöbelton. Der deutschliberale Führer war ein wohlerzpgener Mann. Er hat die Juden bloß verschenkt. Die sozialdemokratischen Führer, die während der Wahlperiode um unsere Stimmen betteln und von uns Geld für ihren Wahlfonds schnorren, pflegen dafür die Juden zu beschimpfen. Es ist nicht die erste antisemitische Flegelei, wenn am letzten Dienstag der sozialdemokratische Abgeordnete Dr. Renner im niederösterreichischen Landtag von einem „jüdische Dreh" sprach. Dieser Parlamentsbibliotheks- Beamte, der sich so gern auf den Gelehrten herausspielt, glaubt sich damit wahrscheinlich die Gunst seiner Favoritener Wähler zu erringen. Er stellt aber damit nur sich und seinen Wählern das ärgste Zeugnis aus: daß sozialdemokratische Gesinnung mit antisemitischem Pöbelton vereinbar ist. Herr Renner möge in der Pflege des antisemitischen Das argentinische Fleisch und die Wiener Kultusgemeinde. Die zunehmende Fleischnot hat die Wiener Bevölkerung und deren Gemeinderat zu Abwehrmaßregeln veranlaßt, als deren wichtigste die Forderung nach Import von argentinischem Fleisch erscheint. Repräsentanten verschiedener Behörden und Korporationen haben sich zur Fleischprobe nach Triest begeben, die Regierung wurde energisch an ihre Pflichten gemahnt und sie hat bereits zum Import eines großen Quantums argentinischen Fleisches die Zustimmung erteilt. Wo war der Vorstand der Kultusgemeinde? Sitzt denn in dieser Körperschaft niemand, der soviel soziales Verständnis hätte, daß auch die ärmere jüdische Bevölkerung in Wien unter den steigenden Fleischpreisen schwer leidet und einer dringenden Abhilfe bedarf, gerade wie die christliche Bevölkerung? Allerdings nehmen es die Herren vom Präsidium mit den rituellen Vorschriften nicht so genau und sie glauben wohl, daß mit dem importierten Fleisch auch die ärmere jüdische Bevölkerung ihr Auslangen finden würde. Das ist aber ein Irrtum. Gerade in den ärmeren jüdischen Kreisen überwiegen die Familien, welche streng rituell leben. Daher wäre es Sache des Kullusvorstandes, wenn er seiner Pflichten gewachsen wäre, auch selbst einzugreifen. Die Herren sollten wissen, daß die Londoner Judengemeinde, vornehmlich unter dem Einflüsse des Chief-Rabbi Dr. Adler, jüngst den Import von koscherem Fleisch aus Argentinien organisiert hat, was für die ärmeren Massen eine große Wohltat ist. Dieses Beispiel muß die Wiener Kultusgemeinde nachahmen. Präsident Dr. Stern und Oberrabbiner Dr. Güdemann sollten, wenn sie selbst gar keine Initiative besitzen, doch wenigstens so viel Ehrgefühl Jargons fortfahren; seine Ungezwungenheit wird dem politischen haben, hinter anderen Großgemeinden nicht zurückzubleiben. Major Simon Brisker. Er war der erste Jude, der in der österreichischungarischen Armee den Majorsrang erreichte, also der erste jüdische Stabsoffizier. Ein gütiges Geschick fügte es, daß der er ste jüdische Stabsoffizier auch ein vollwertiger Jude war. Wenn auch die späteren, denen er sozusagen die Wege geebnet, nicht alle in seinen Spuren wandelten, so ist es doch erfreulich, daß die meisten der jüdischen Stabsoffiziere in der österreichisch-uü garischen Armee ihrem angestammten Judentum treu blieben. Simon Brisker erblickte im Jahre 1797 in Prag das Licht der Welt. In den Tagen, als sich bei Waterloo der letzte Akt des zwei Jahrzehnte dauernden sogenannten Napoleonischen Dramas abspielte, am 22. Juni 1815, trat der kaum Achtzehnjährige als expropriis- Gemeiner ins [Kinsky-Regiment Nr. 47 ein, wurde am 10. Oktober 1819 Gefreiter, 1. Februar 1820 Korporal und am 1. Juli 1827 Feldwebel. Nach Beendigung seiner 14jährigen Kapitulation ließ sich Brisker am 31. August 1829 auf neuerliche 14 Jahre engagieren und wurde am 16. Oktober 1830 zum Leutnant ernannt. Im Major David Brisker. Jahre 1835, am 29. August, avancierte er zum Oberleutnant, am 1. Mai 1843 zum Kapitänleutnant. Hauptmann wurde Brisker schon am 16. August 1844, in welcher Charge er infolge Hofkriegsratsreskript Nr. 3683 vom 25. Juli 1846 pensioniert wurde. Nach einem halben Jahre kaum, schon am 16. Februar 1847, ließ sich Brisker neuerlich anstellen und wurde mit Reskript Nr 363 vom 4. Februar 1847 zum Kommandanten des Transportsammeihauses in Verona ernannt. Am 1. Juni 1848 wurde er Kommandant des 1. Feldspitales in Verona. Brisker heiratete spät, erst am 11. Oktober 1849, ein Fräulein Marie Menzl. Als er ein Jahr später seinen Erstgeborenen in den Bund der Väter aufnahm, versammelte sich zu diesem Feste fast die ganze Generalität Veronas nebst vielen sonstigen höheren Offizieren in seinem Hause. Am 3. August 1850 wurde Brisker Major und Platzkommandant von Venedig, in welcher Charge er am 28. November 1854 endgültig pensioniert wurde. Brisker starb am 16. Dezember 1864 in Prag und wurde mit militärischen Ehren bestattet. Moriz Frühling.

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