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Neue Nationalzeitung · 1910-09-30 · Heft 20 (30.9.1910) · p. Seite 3

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XII (1910)
Issue
Heft 20 (30.9.1910)
Date
1910-09-30
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 20 „Neue National-Zeitung" Seite 3 machen suchen, daß sie beide durch ihre Kandidatur gefährden. Denn wenn ia der Leopoldstadt christliche Wähler für die freisinnige Sache zu gewinnen sind, so kann dies nur durch die Kandidatur eines freisinninigen Christen und nicht zweier Juden geschehen. So denken auch alle politisch , reifen Elemente unter den Juden der Leopoldstadt. Dr. Mittler hat dieser Stimmung Rechnung getragen, indem er sich bereit erklärte, seine Kandidatur zurückzuziehen, sobald die jüdischen Kandidaturen durch eine freisinnige christliche ersetzt werden. Davon will aber der Ofner'sche Kandidat nichts hören. Er bleibt und wenn er auch durchfällt. Trotz alier volkstümlicher Phrasen geht ihm doch seine Person über die Sache. In einer sehr peinlichen Lage muß sich jetzt die „Arbeiter-Zeitung" befinden, mit der Dr. Ofner morganatisch verbunden ist. Dieses Blatt wird bekanntlich rasend, sobald eine jüdische Majorität auch einen jüdischen Kandidaten aufstellt. Die redaktionellen Konvertiten faseln dann von „Klerikalen", „Reaktionären" usw. Wenn aber eine verschwindende Minorität eine jüdische Kandidatur aufstellt — ohne jede Aussicht auf Erfolg — wie ist das vom Standpunkte der „Arbeiter-Zeitung" zu nennen? Da schweigen die Maulhelden! Die Landtagswahl in der Leopoldstadt wird hoffentlich noch sehr lehrreich werden. Sie wird eklatant die ganze Heuchelei der volksfremden, rein persönlichen Politik Doktor Ofners und seines Adjutanten entlarven. Der Pyrrhussieg ßielohlaweks. Man hat dem Bielohlawek wirklich vor Gericht nicht nachweisen können, daß er für sein antisemitisches Hetzblatt Inserate erpreßt hat, daß er sich von den Landeslieferanten Provisionen versprechen ließ und daß er sonst bestechlich war. Es wurde bloß bewiesen, daß seine intimsten Freunde Bestechungen respektive Honorare für Interventionen bei ihm nahmen, daß er zwar Geld für das Verschaffen von Stellen erhielt, aber dem Wahlfonds ausfolgte, daß bei Vergebung von Lieferungen nicht die Höhe des Offerts und die Leistungsfähigkeit des Offerenten, sondern die Parteizugehörigkeit entscheidend war, wofür sich dann die Bevorzugten durch Inserate im Blatte des Referenten dankbar erwiesen. So behielt der feiste Bielo seine Anhänger in galer Stimmung — auf Kosten des Landes. Der Beleidiger wurde daher verurteilt. Wenn aber die christlichsoziale Partei aus diesem Urteil Kapital schlagen will, so ist das nur ein kühner Versuch, der Oeffentlichkeit Sand in die Augen zu streuen. Die Freunderlwirtschaft, das Protektionswesen und die Verschwendung öffentlicher Gelder in der antisemitischen Aera wurde durch diesen Prozeß am besten illustriert. Darin besteht auch die Bedeutung des Prozesses. Abgeordneter von Loewenstein. Der typische Streber. Geboren im mährischen Städtchen Bulschowitz, erzogen im deutschnationalen Geiste als der Sohn eines verfassungstreu politisierenden Predigers, ergriff er sofort das polnischpatriotische Banner, als ihm das Polentum aussichtsreicher schien. Als Schwiegersohn des 33perzentigen Schmelke von Horowitz gelangte er in den Besitz von Mitteln zur entsprechenden Repräsentation. Der dornige Weg der Volksgunst war seinem vornehmen Gemüt zu beschwerlich; er zog es vor, sich das Landtagsmandat der Brodyer Handelskammer zu kaufen. Mit 34.000 Kronen wurde man handelseinig. Nachdem er dann durch den Servilismus gegenüber der polnischen Schlachta die für das Mandat eines Hausjuden notwendigen Gesinnungsdefekte aufwies, wurde er bei den letzten Reichsrats wählen im Städtebezirk Drohobycz der jtidisch-ruthenischen Majorität als Abgeordneter aufgezwungen. Bestechungen, Vergewaltigungen und Fälschungen verschafften ihm eine Majorität von 322 Stimmen. Nun wurde er auch geadelt. Schwiegervater und Schwiegersohn bilden also eine Adelsfamilie : zwei unverfälschte Scblachzizen. Sie gehören zusammen, denn sie sind beide Schädlinge am Organismus des jüdischen Volkes. Solche Subjekte gedeihen und werden ausgezeichnet nur in der dumpfen Atmosphäre des Ghettos, wohin weder Regierung noch Statthalter selbst den Weg zu suchen bemüht sind. Als ihre Vertrauensmänner fungieren dann die Edlen von Horowitz und von Loewenstein. Die Volkszählung und die jüdische Umgangssprache. Trotzdem das Parlament die Resolution Kramarz auf Aufnahme der Nationalitätenrubrik in die Volkszählungskarte angenommen hat, wurde dieselbe von der Regierung ignoriert. Die Volkszählung wird also auch weiterhin den national gesinnten Juden die Möglichkeit benehmen, sich zur jüdischen Nationalität zu bekennen. Sie werden nach wie vor auf Grund ihrer Umgangssprache anderen Nationalitäten zugerechnet werden, mit denen sie nichts gemeinsam haben und auch nicht haben wollen. Sind wir gegen diese Vergewaltigung wehrlos? Müssen wir uns dies gefallen lassen? Durchaus nicht. Wenn die Regierung keine neue Rubrik schaffen will, dann müssen wir eben zu den bestehenden greifen. Die Umgangssprache darf nicht gegen uns mißbraucht werden. Es muß eine Agitation eingeleitet werden, damit in diese Rubrik „jüdisch" eingesetzt wird. Baron Haerdtl, der vor dem jüdischen Bekenntnis eine so schreckliche Scheu hat, wird sich daran gewöhnen müssen, und er wird erfahren, daß hinter den paar Abgeordneten, die bei ihm antichambriert haben, um den jüdischen Kataster in der Bukowina umzubringen, nur ein kleiner Bruchteil d*r jüdischen Bevölkerung steht. Die jüdische Umgangssprache muß zum Ausdrucke des nationalen Selbstbekenntnisses werden und dadurch zum Mittel der nationalen Anerkennung. Dann wird auch die Vergewaltigung der Bukowinaer Juden vereinzelt bleiben. Reminiszenzen \om Bnkowinaer Wahlkataster. Ein Intimus des Abg. Dr. Straucher, Herr Dr. Max Diamant, erzählt in einem Artikel dieser Nummer, daß in den führenden jüdischen Kreisen die Bukowina eine Zeitlang der Gedanke erwogen wurde, die Wahlreform zu stürzen, weil der jüdische Wahlkataster den Juden verweigert wurde. Das war eine prinzipielle Politik. Schließlich siegte die Opportunität der „reiferen Politiker". Heute zeigt sich, daß die Namenlosigkeit der Juden ihren ganzen politischen Besitzstand gefährde. Wir waren also nicht ganz im Unrechte, als wir anläßlich der Unterhandlungen mit der Regierung den Juden Bokowinas den Rat erteilten, lieber die Wahlreform zu s-türzen, als auf den eigenen Kataster zu verzichten. Daraals wurde uns entgegengehalten, daß die Juden hiezu keine Macht hatten; Dr. Diamant erzählt jetzt das Gegenteil: die Juden hatten das Schicksal der Wahlreform in der Hand. Wenn das wahr ist, und wir haben keinen Grund mehr daran zu zweifeln, dann waren die „reiferen Politiker" schon überreif und sie werden noch viel zu verantworten haben. Unbedingt haben sie aber das Recht verloren, in einer jüdischnationalen Partei Führerrollen zu spielen.

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