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Neue Nationalzeitung · 1910-09-16 · Heft 19 (16.9.1910) · p. Seite 10

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XII (1910)
Issue
Heft 19 (16.9.1910)
Date
1910-09-16
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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Seite 10 Neue Natiorial-Zeitung" Nr. 19 seines Nachfolgers nicht die bisher übliche Protektion, sondern die Fähigkeiten, das Wissen, die Rednergabe und das Taktgefühl des Kandidaten Berücksichtigung finden. Deutsches Reich. M. A. Klausner. Berlin, 11. Sept. (Orig.-Korr.) Durch einen tragischen Zufall ist der langjährige Geschäftsführer der hiesigen Filiale der Pariser „Alliance" M. A. K1 a u sn e r ums Leben gekommen. Er wurde am letzten Donnerstag von einer Automobil-Droschke überfahren und sofort getötet. Er war 62 Jahre alt. Der Verstorbene, der vor einigen Monaten in der „Alliance" seine Demission geben mußte, da er mit seinem Plane, die hiesige Filiale von der Pariser Zentrale loszulösen, nicht durchdringen konnte, war eine markante Erscheinung in der hiesigen jüdischen Gesellschaft. Zu Beginn seiner schriftstellerischen Tätigkeit stellte er seine Feder in den Dienst der Allgemeinheit; seit Mitte der neunziger Jahre widmete er sich lediglich jüdischen Interessen. Er versuchte sich zuerst als Herausgeber der „Israelitischen Wochenschrift", doch konnte er sie nicht halten, dann ging er an die Gründung einer Filiale der „Alliance", die sich sehr erfolgreich gestaltete. Er war auch der eigentliche Redakteur von „Ost und West", deren ganzer Inhalt seine Zensur passieren mußte. Zweifellos war er der beste jüdische Journalist in Deutschland. Seine letzte Arbeit war eine scharfe Zurückweisung des Freidenkertums anläßlich des Erscheinens des „Orpheus" von S. Reinach, in deutscher Uebersetzung von Dr. Artur Mahler. England. Zangwills australische Pläne. London, 13. September. (Orig.-Korr.) Die neuesten Reklamenotizen von Zangwill, daß er mit dem Premierminister von Australien wegen Ansiedlung einer Million russischer Juden unterhandelt, sind, wie es sich zeigt, wieder nichts anderes als ein Bluff. Der Premier wurde nämlich von einem Rabbiner in Australien interviewt, dem er folgendes mitteilte: „Warnend meines Aufenthaltes in London erhielt ich von Herrn Zangwill ein Schreiben mit dem Vorschlage, mich für sein Projekt zu interessieren. Herr Zangwill schrieb mir, daß Australien über große, brachliegende Ländereien verfüge und es wäre daher möglich, einem fleißigen, verfolgten Volke eine der 32 Provinzen zur Verfügung zu stellen. Er besuchte mich dann auch persönlich und trug mir seinen Plan vor. Ich erklärte darauf, daß ich dieser Idee näher treten würde, sobald es mir meine Zeit gestattet. Ich tonnte jedoch nicht verhehlen, daß die Schaffung eines Staates im Staate mit sehr großen Schwierigkeiten verbunden wäre. Uebrigens müßte ich mich erst mit der Gesamtregierung der australischen Föderation ins Einvernehmen setzen." Es zeigt daher von einer sehr reichen Phantasie des Herrn Zangwill, wenn er auf Grund einer derart unverbindlichen Unterhaltung die jüdische Oeffentlichkeit glauben machen will, daß seine australischen Pläne auch nur im mindesten der Verwirklichung näher gebracht wurden. _ GEMEMUB=w& vCRSiNSNÄlftRicraw Wien. Die konstituierende Versammlung des „Jüdischen Turnvereines Favoriten" fand am 30. August 1910 statt. Herr Rudolf Fried begrüßte die sehr zahlreich Erschienenen und eröffnete die Versammlung mit einer kurzen Programmentwicklung. Hierauf hielt Herr techn. Max Bernat den Rechenschaftsbericht. Zum Schlüsse berichtete er noch, daß dem Vereine bis nun 70 ausübende und 60 unterstützende Mitglieder angehören, daß das Turnen am 3. September bereits beginne und wie folgt festgesetzt wurde : Damenturnen : Sonntag von 1I211 -Uhr mittags. Herrenturnen : Dienstag und Samstag von 8—VjlO Uhr abends. Zöglings: turnen: Dienstag und Samstag von 6— 1/2S Uhr abends. Dann meldete sich Herr J. S t r a ß b e r g, als Vertreter der israelit. Kultusgemeinde und israelit. Tempelvereines X., zum Worte, begrüßte die Gründung des Vereines und sagte tatkräftige Unterstützung zu. Darauf folgte die Wahl des Turnrates. Wien. (Jüdischer Schulverein im IX. Bezirk, Seegasse 16). Mit Beginn des Schuljahres tritt der Verein in das zehnte Jahr seines gemeinnützigen Wirkens. Um den Bestand desselben zu sichern und den stets zunehmenden Ansprüchen Rechnung tragen zu können, ist die Vennehrung der Mitglieder und Förderer von dringender Notwendigkeit. Die Einschreibungen beginnen am 20. d M. und finden Montag und Mittwoch von halb 5 bis halb 8 Uhr abends, Sonntag von 10 bis 12 Uhr vormittags, statt. l^otizen. Schiffsnachrichten. Die Hamburg-Amerika-Linie meldet: Nordamerika: Dampfer Bosnia, nach Boston und Baltimore, 11. September, 2 Uhr 15 Min. morgens, Cuxhaven passiert. Dampfer Gincinnati, nach New-York, 10. September, 9 Uhr 30 Min. morgens, Scilly passiert. Dampfer Cleveland, 10. September, 11 Uhr morgens, von New-York über Plymouth und Cherbourg nach Hamburg. Dampfer Graf Waldersee, nach New-York, 11. September, 12 Uhr mittaps, Cuxhaven passiert. Dampfer Istria, von Pensacola kommend, 9. September von Norfolk. Dampfer Kaiserin Auguste Victoria, von New-York kommend, 11. September, 2 Uhr 30 Min. nachmittags, Dover passiert. Dampfer Moltke, von New-York nach Genua, 11. September morgens in Neapel. Dampfer Pallanza, von Philadelphia kommend, 12. September, 6 Uhr morgens, in Hamburg. Dampfer Pennsylvania, von New-York kommend, 12. September, 8 Uhr 15 Min. morgens, auf der Elbe. Dampfer Pretoria von Newpott News, Baltimore und Boston kommend, 10. September, 10 Uhr abends, in Hamburg. Kundmachung des Eultnsvorstandes. Der Kultusvorstand bringt zur Kenntnis, daß die Wählerliste für die diesjährigen Wahlen in den Kultusvorstand zur Einsicht der Gemeindeangehörigen in der Kanzlei der Kultusgemeinde, L, Seitenstettengasse 2, III. Stock, aufliegt. Reklamationen wegen Auslassung wahlberechtigter oder Aufnahme von nicht wahlberechtigten Personen sind innerhalb 14 Tagen vom heutigen Tage ab schriftlich in der Kanzlei der Kultusgemeinde einzubringen. Wien, 13. September 1910. Der Vorstand. *) Ausgeschlossen vom aktiven Wahlrechte sind gemäss § 2 der Wahlordnung u. a. „diejenigen, welche am Tage des Ablaufes des kundgemachten Wahlreklamations-Termines, diesen Tag mitgerechnet, för das laufende Jahr die Kultussteuer nicht gezahlt haben".

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