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Neue Nationalzeitung · 1910-09-16 · Heft 19 (16.9.1910) · p. Seite 9

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XII (1910)
Issue
Heft 19 (16.9.1910)
Date
1910-09-16
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 19 „Neue National-Zeitung? Seite 9 IV. Tag Informationsliteratur (Emigranten-Zeitungen und -Broschüren). Die Wanderungen der Emigranten durch Europa. Die Beförderung des Gepäcks und der Unterricht der Emigranten in fremden Sprachen. Mittel und Wege, um die Emigranten von den Emigrationszentren abzulenken. Nachstehende Städte werden am Kongresse durch Delegierte vertreten sein: Kowno, Wilna, Minsk, Hornel, Mohilew. Kalisz, Bobrojsk, Lodz, Odessa, Zylomir, Berdytschew, Dwinsk usw. Als Delegierte fungieren lediglich die Obmänner respektive Vorstandsmitglieder der Rayons- und Grenzkomitees. Ueber die Beratungen und Beschlüsse dieses Kongresses werden wir ausführlich berichten. * Die Jndeneiawanderung nach Palästina. Vor kurzem hat das Informationsbureau des Odessaer Komitees für „J i s chu b E r e z Israel" im „Ha-Olom" eine interessante Statistik veröffentlicht über die Auswanderung russischer Juden nach Palästina in den Jahren 1905—1910. Diese Statistik gibt uns einen richtigen Begriff über die betreffende Auswanderung, weil alle Emigranten durch Odessa fahren und sich an das genannte Komitee behufs Erlangung von Schiffskarten zu einem billigen Preise wenden. Die Zahl der Auswanderer während der fünf Jahr ist eine sehr geringe, sie beträgt 10.986. Amerika nimmt in einem einzigen Monate soviel Juden auf. Interessant ist aber der Charakter dieser Emigration und mag sie auch quantitativ gering sein, so hat sie doch die Tendenz, sich mit jedem Jahre zu vermehren; so sind im Jahre 1901 1320 Individuen ausgewandert, im Jahre 1906, dem Pogromjahr, 3450, im Jahre 1907 — 1750, im Jahre 1908 — 2007, im Jahre 1909 — 2459. Wer sind nun diese Auswanderer? Die Tabelle sagt uns, daß viel mehr jüngere Leute nach Palästina fahren als ältere. Von 50 Jahren und höher sind in diesen fünf Jahren ausgewandert : 1773 Personen. Die übrigen Emigranten wären : Kinder bis zu 15 Jahren — 2778, von 16 bis 30 — 2773,, von 31 bis 50 — 2662. Interessant sind auch die Berufe der Emigranten. Es stellt sich heraus, daß neuerdings mehr produktive Elemente nach Palästina auswandern, im Gegensatz zu früher, wo es meistens sogenannte Chalukahjuden waren. Es emigrierten 2128 Handwerker und Ackerbauer, 1616 Kaufleufe und Fabrikanten, 573 Personen mit freien Berufsarten, Aerzte, Ingenieure, Lehrer n. dgl., darunter vermutlich auch Schnorrer. Was das Vermögen anlangt, so befanden sich unter den Emigranten 1194 Personen mit 100 bis 1000 Rubel, 394 mit einem Kapital von 1000 bis 3000 Rubel, 282 mit 3000 bis 10.000 Rubel, 173 mit 10.000 Rubel und höher. Demnach waTen 2043 Personen ausgewandert, die Vermögen besaßen. Von den übrigen 8943 darf man etwa 2778 Kinder bis zu 15 Jahren und 4598 Frauen abziehen. Also blieben 1567 Personen ohne Mittel. Selbstverständlich gehören dazu auch jene Palästinafahrer, die im heiligen Lande „sterben" wollen, aber einstweilen auf Rechnung der Gbalukah leben. Das Ziel der weitaus überwiegenden Zahl der Emigranten sind die Städte. Nach Jerusalem und Hebron begaben sich 5272 Menschen, nach Jaffa 3958, nach Haifa 174, nach Beirut 184, nach Safed und Tiberiäs 248. Nach den jüdischen Kolonien und nach Galiläa fuhren 1150 Emigranten. Doch läßt sich - mit- Bezug auf das Ziel der Auswanderer nichts absolut Sicheres berichten. Wenn man den einen oder anderen fragt, wohin er wolle, so weiß der Betreffende in der Regel nichts zu antworten. Dann nennt er schnell und ohne Bedenken Städte wie Jerusalem, Haifa, Städte, von denen er am meisten hat reden hören. Interessant ist auch die Frage nach der Herkunft der Emigranten. Südrußland stellt die größte Zahl, nämlich 4366. Das erklär) sich daraus, daß jene Juden mehr Pogrome zu erdulden hatten, als diejenigen anderer Teile Rußlands. Südrußland war auch von jeher das Zentrum der Sehnsucht nach Palästina. Im Pogromjahr 1906 sind von dort nicht weniger als 1801 Personen ausgewandert, die größte Zahl im Vergleich mit anderen Jahren und anderen Gegenden. Vielleicht ist die Emigration aus Südrußland auch deshalb größer, weil es dort mehr Juden gibt, die sich mit Landwirtschaft und hauptsächlich mit Weinbau beschäftigen, die ja in der Paläünakolonisation eine Hauptrolle spielen. Auch die Nähe von Südrußland nach Palästina ist in Betracht zu ziehen. Nach Südrußland kommt Lithauen, das Nest der Armut, mit 2892 Personen, dann Polen mit 1851. Buchara mit 502, Kaukasus mit 494, die übrigen Gegenden mit 440. Ferner bemerkt man bei der Auswanderung nach Palästina dieselbe Erscheinung wie bei der Auswanderung nach Amerika. 734 Emigranten waren schon in Palästina gewesen und 2994 sind nuf Einladung ihrer Verwandten hingefahren. Unter der Rubrik „Zweck der Auswanderung" finden wir folgende Angaben: 7826 sind ausgewandert, um sich in Palästina niederzulassen, 1891, um dort zu sterben, 950 für eine kurze Zeit, 251 um zu studieren, 68, zu Heilzwecken. Ob alle 7826 Personen wirklich in Palästina verblieben sind, weiß man nicht. Jedenfalls unterliegt es keinem Zweifel, daß viele das Land wieder verlassen. Die einen kehren nach Rußland zurück, andere gehen nach Amerika, Egypten, nach Frankreich, bzw. nach anderen Ländern. Wenn wir dies alles in Betracht ziehen, so kann von einer eigentlichen Judenwanderung von Rußland nach Palästina überhaupt noch nicht die Rede sein. IHDREteSPONDCNZCN Oesterreich-Ungarn. Ü^^^E^^^^^E^^^^^bJ Wien. Dr. David, der dem greisen Rabbiner Dr. S c h m i e d 1 als Aushilfsrabbiner zur Seite stand, ist am 1. d. M. plötzlich verschieden. Wie behauptet wird, sollen mannigfaltige. Kränkungen und Zurücksetzungen dem erst 53 Jahre alten Mann das Leben verbittert haben. Er konnte sich eben im Wiener Milieu, wohin er aus Düsseldorf nur dank der Protektion des Theodor von T a u s s i g gelangt ist, nicht zurecht finden. Ohne jede rhetorische Begabung war er bei Behandlung aktueller Fragen sehr ungeschickt. Man erinnert sich noch, wie Dr. David anläßlich des Prozesses Schapira die galizischen Juden angriff und hiedurch scharfe Proteste heraufbeschwor. Das Leichenbegängnis fand am 5. d. M. statt. Der Sarg wurde im Leopoldstädter Tempel aufgebahrt und am Zentralfriedhof in einem Ehrengrabe bestattet. Der Kultusvorstand ist mit der Vergebung dieser nur für hochbedeutende Juden, die sich im Judentum hervorragende Verdienste erworben haben, bestimmten Ehren sehr freigebig, weil er die Bedeutung dieser Ehrung gar nicht zu würdigen vermag. Der Tod des Dr. David ist vom menschlichen Standpunkte sehr zu beklagen. Nun aber wäre zu wünschen, daß bei der Entscheidung über die Person

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