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Neue Nationalzeitung · 1910-09-16 · Heft 19 (16.9.1910) · p. Seite 5

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XII (1910)
Issue
Heft 19 (16.9.1910)
Date
1910-09-16
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 19 »Neue National-Zeitung" Seite 5 Er schließt seinen Artikel mit der recht pessimistischen Prognose: „Die Juden werden von der Enquete so viel haben, wie vom vorjährigen Schnee." * In diesem Blatte war wiederholt von der zionistischen Bankgründung die Rede und davon, wie dieses mit zionistischen Mitteln gegründete, seit dem letzten zionistischen Kongreß auch von der Kolonialbank ausgiebig fundierte Institut die Interessen des kleinen Mannes vernachlässigt und es als ihre Hauptaufgabe ansieht, mit größeren Eskompteuren und Güterschlächtern Geschäfte zu machen. Es hat damals die Bankleitung versucht, auf die Wiener Bariken und deren hiesige Filialen die Schuld zu schieben, weil dieselben nur größeres Rimessen-Material beanspruchen. Es ist klar, daß derartige Ausreden niemanden überzeugt haben. Es kann für eine private Bankunternehmung wohl vorteilhafter sein, wenn sie große Geschäfte macht und Rimessen über hohe Beträge weitergeben kann, weil sie dabei recht viel verdient und an ihre Genossenschafter respektive Aktionäre recht hohe Dividenden ausbezahlt. Aber eine jüdische Unternehmung, welche im öffentlichen Interesse, im Interesse des kleinen jüdischen Mannes, des kleinen Kaufmannes und Gewerbetreibenden gegründet wurde, die ihr Gründungskapital unter diesem Schlagworte zusammengebracht hat, sollte sich doch nicht bloß von Profitgier leiten lassen. Es werden daher auch in der jüdischen Oeffentlichkeit zahlreiche Beschwerden gegen das Gebaren der „Kreditunion" erhoben, und zwar gerade in den Kreisen der kleinen Leute, für die diese Bank bestimmt war. Der hiesige sozialdemokratische „Glos" erzählt geradezu haarsträubende Einzelheiten, wie Hunderte von Bittstellern abgewiesen werden, nachdem sie den für Informationszwecke hergegebenen Betrag einbüßen. Die jüdische Presse in Galizien drückt diesen traurigen Verhältnissen gegenüber ein, sogar beide Augen zu, weil die meisten Blätter Inserate von der Kreditunion bekommen und es ist daher begreiflich, daß die Unzufriedenen sich mit ihren Beschwerden an die sozialdemokratische Presse wenden. Wir wären nun neugierig, ob Herr Luzian Brunner, der zu den Förderern der Kreditunion gehört, diese Verhältnisse kennt und ob er es für seine Aufgabe ansehen karnij galizischen Eskompteuren und Parzellierungsspekulanten dazu zu verhelfen, daß sie auf ihre sehr oft von Christen akzeptierten Wechsel Kredite bekommen, Der Zionismus ist sehr tief gesunken, wenn unter seiner Maske Profitgeschäfte betrieben werden. Die „Kreditunion", die mit Anteilscheinen von K 200.— arbeitet, war von allem Anfang gar nicht einmal geeignet, dem kleinen Manne zu helfen. Der kleine Mann in Galizien kann oft seine Existenz mit einem Darlehen von K 100.— bis K 200.— retten. Wenn nun dem Darlehensnehmer K 200*— auf einen Anteilschein abgezogen werden, für die er 8 bis 10 Prozent bezahlen muß, während ihm die Anteilscheine bestenfalls 4 Prozent tragen, so können sich eine solche Kreditgewährung wohl die Eskompteure, die Tausende erhalten, nicht aber der kleine Mann, der einige K 100.— benötigt, gefallen lassen. Die „Kreditunion" ist ganz dazu angetan, das moralische Prestige des Zionismus in Galizien schwer zu erschüttern. Im Vergleich zu ihrer Tätigkeit kann der wahrhaft volkstümliche Charakter der Vorschußkassen der „Ica" nicht genug gelobt werden. * Die Schwestern Kluger haben beim Obersten Gerichtshof einen Erfolg erzielt. Den vereinigten Bemühungen des Dr. Diamant, der antisemitischen und der sozialistischen Presse ist es gelungen, beim Obersten Gerichtshof einen Beschluß zu erwirken, wonach die Entscheidung des Krakauer Landesgerichtes aufgehoben und dem Bezirksgerichte in Podgorze die Bestellung eines Kurators für die beiden Mädchen so~ wie die Einleitung neuer Vorerhebungen aufgetragen wurden. Von jener Seite, die gleichzeitig mit der Ueber« reichung des Revisionsrekurses beim Obersten Gerichtshof an alle Richter und Kanzleibeamten desselben sowie an die gesamte Presse Abschriften versandte, sind auch kurze Excerpte aus der letzten Entscheidung an die Presse verschickt worden. Wir sind in der Lage, diese Notizen zu ergänzen und das Beweisthema anzuführen, mit welchem sich nach der Entscheidung des Obersten Gerichtshofes die gerichtlichen Erhebungen zu beschäftigen haben. Aus dem sehr umfangreichen Beschlüsse wollen wir lediglich die wichtigsten Momente hervorheben, in denen das Wesentliche dieses merkwiirdigen Rechtsstreites der Kinder gegen die Eltern zum Ausdrucke gelangt: 1. Es wäre wesentlich aufzuklären, ob die Bücher, die bei den Schwestern zerrissen oder verbrannt wurden, Schulbücher waren oder anderen Inhaltes, ob sich das Verbot, polnisch zu sprechen, nur auf die jüdischen Feiertage oder auch auf die Wochentage bezog, ob sie deshalb gestraft wurden, weil sie an Wochentagen polnisch sprachen. Sind die behaupteten Mißhandlungen usw. deshalb erfolgt, weil sie sich den ehelichen Verbindungen widersetzten oder weil sie (zufällig oder absichtlich) die Religionsgebräuche verletzten, oder aus anderen Gründen? Wie oft haben sich die Mißhandlungen und Schikanen wiederholt und worin haben sie bestanden? 2. Die Schwestern haben auszuführen, welchen Beruf sie erwählt haben, da ihre Angaben betreffs ihrer Ziele nicht klar sind. 3. Die Schwestern haben die Nachbarn und Bekannten namhaft zu machen, die ihre Anwürfe gegen die Eltern bestätigen könnten, ebenso die Dienstboten, die Zeugen ihrer Mißhandlung waren. 4. Die beiderseitigen Advokaten Dr. Marek und Dr. Aronsohn sind als Zeugen zu verhören, über die ihnen bekannten Umstände. Nach Durchführung aller dieser Beweise wird die erste Instanz den Beschluß fassen, gegen den wieder bis an den Obersten Gerichtshof rekurriert werden kann. Da die „Arbeiter-Zeitung" im rührenden Einvernehmen mit dem „Deutschen Volksblatt' unter der Führerschaft des Dr. Diamant diesen traurigen Vorfall dazu benutzt, um die ganze galizische Judenschaft vor der Oeffentlichkeit bloßzustellen, so werde ich nicht ermangeln, Sie über die weitere Entwicklung dieser Affäre ausführlich zu informieren. --

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