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Neue Nationalzeitung · 1910-09-02 · Heft 18 (2.9.1910) · p. Seite 9

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XII (1910)
Issue
Heft 18 (2.9.1910)
Date
1910-09-02
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 1.8 „Neue National-Zeitung* Seite 9 fünf andere Personen, die der Aufreizung der Menge beschuldigt werden, verhaftet. Der Präsident der persischen Handelskammer ein Jude. Vor kurzem fand in T ä b r i s die feierliche Eröffnung der ersten persischen Handelskammer statt. Zum Präsidenten der Kammer wurde Herr Ludwig Grünberg, ein Jude aus Ungarn, der auch der Begründer der Kammer ist, gewählt. Herr Grünberg, der seit Jahren in Persien lebt, hat sich um die Förderung der Handelsbeziehungen zwischen Persien und den europäischen Handelsstaaten große Verdienste erworben. Ein Haym Salomon-Denknial in Washington. In San Franzisko bildete sich im Juli d. J. ein Komitee zum Zwecke der Erriehlung eines Denkmals für den Finanzier Haym Salomon, der zur Zeit der amerikanischen Revolution dem Kolonialschalze 600.000 Dollars als Geschenk zur Verfügung gestellt hat. Das Denkmal soll in W a s h i n gt o n zur Aufstellung gelangen. Dem Denkmalkomitee gehören die bedeutendsten Persönlichkeiten der amerikanischen Republik an. Haym Salomon stammte aus Posen und wurde einer der angesehensten amerikanischen Finanzmänner seiner Zeit. Nach Ausbruch der Revolution sprang er den Kolonien hilfreich bei, indem er Jahre hindurch den Beamten der Revolution aus eigenen Mitteln die Gehälter auszahlte, ohne jemals die vorgestreckten Gelder von der Regierung zurückzufordern. Dann kam die große Krisis, das ganze republikanische Unternehmen stand auf dem Spiele, die Kassen waren leer. In diesem kritischen Momente stellte Salomon dem republikanischen Kolonialschatze abermals 600.000 Dollars zur Verfügung, eine Summe, die, wie die amerikanischen Blätter erklären, damals so viel bedeutete, wie heute 30 Millionen Dollars. Weder Haym Salomon, noch seine Erben erhielten jemals diese gewaltigen Summen zurück. Die Ausweisung galizischer Rabbiner aus Ungarn. Es ist bekannt, daß unsere lieben ungarischen Nachbarn die jüdischen Ankömmlinge aus Galizien mit Gendarmeriebajonetten empfangen. Jüngst hat die ungarische Grenzpolizei selbst Rabbiner, die zu Kurzwecken über die Karpathen gereist sind, zurückgejagt. Die „Allg. Jüd. Ztg." meldet darüber : Der Rabbiner von D o 1 i n a weilte in dem Badeorte Wiskös zur Kur. Vorige Woche wurde er von der Grenzpolizei aufgefordert, Ungarn in 24 Stunden zu verlassen und nur mit Mühe erreichte er einen achttägigen Aufschub. Aehnlich ging es dem Rabbiner von S k o 1 e, der in Keletschen zur Kur weilte. Ein neunzehnjähriger Konsul. Präsident Taft hat den kaum neunzehnjährigen Ethan Allen Weinberg zum nordamerikanischen Konsul in Marokko ernannt. Diese seltene Auszeichnung hat in allen Kreisen der nordamerikanischen Bevölkerung die größte Sensation verursacht. Das jüdische Gymnasium in Budapest nähert sich der Verwirklichung. Das Komitee, an dessen Spitze Oberrabbiner Dr. Samuel Kohn steht, und dessen Mitglieder die Universitätsprufessoren Dr, Moriz Kärmän, Dr. fgnaz Goldziher, der Direktor der israelitischen Lehrerpriiparandie Dr. Josef Bänöczi, der Präsident der israelitischen Kultusgemeinde Hofrat Philipp Weinmann, der Präsident des Heiligen Vereines Julius Wittenberg, Advokat Dr. Moriz Stiller, Baron Josef Hatvany-Deutsch und Gustav G. Ehrlich sind, hielt dieser Tage eine Sitzung, in welcher beschlossen wurde, daß das Gymnasium spätestens im Schuljahre 1912/13 seine Tätigkeit beginnen soll. Bezüglich der Besetzung des Direktorpostens sind bisher drei Angebote eingelaufen; der diesbezügliche Termin läuft im Oktober ab. Dann wird das Komitee auch bezüglich der Besetzung der Professorenstellen entscheiden. Die Begnadigung der Esther Frisch. Die Greislerin Esther Frisch in Grzegorzki bei Krakau, die im vorigen Jahre vom Landesgericht Krakau zu sieben Tagen Arrests verurteilt worden, weil sie von einem unbekannten Burschen eine Anzahl Umschlagblätter des „Herz Jesu-Boten", einer polnischen Jesuitenzeitung, gekauft und zum Verpacken von Zucker und Kaffee verwendet hatte, ist nun begnadigt worden. Die Bestätigung dieses merkwürdigen Urteils durch den Kassationshof hat seinerzeit peinliches Aufsehen erregt. LITERATUR UNb KUNST. Die Juden in München. Dr. Jakob Segall: Die Entwicklung der jüdischen Bevölkerung in München 1875 bis 1 905. (Veröffentlichungen des Bureaus für Statistik der Juden. Heft 7.) Berlin 1910. Verlag des Bureaus für Statistik der Juden. 108 Seiten. Während das Bureau für Statistik der Juden in seinen Veröffentlichungen bisher einzelne Länder zum Gegenstand der Untersuchung gemacht hat (Rußland, Oesterreich, Rumänien, Hessen), geht es jetzt daran, die Entwicklung der jüdischen Bevölkerung in den Großstädten, wie Berlin, Frankfurt, Breslau, Hamburg, einer eingehenden Betrachtung zu unterziehen. Als erste Arbeit auf diesem Gebiete liegt ein Werk Dr. Jakob Segalls, eines Schülers des kaiserlichen Unterstaatssekrelärs z. D. Prof. Dr. v. M a y r, „Die Entwicklung der jüdischen Bevölkerung in München 1875 bis 1905" vor. Diese Arbeit verdankt ihr Entstehen einer Anregung des Vereines für Statistik der Juden in München, welcher sie auch herausgegeben hat. Aus zweierlei Gründen ist die jüdische Bevölkerung Münchens zum Ausgangspunkt für die Serie von Arbeiten gemacht worden, welche die Entwicklung der jüdischen Großgemeinden zum Gegenstande haben. Einmal sind in München mehr als in anderen komunalistischen Aemtern die statistisch erfaßbaren Verhältnisse der einzelnen Konfessionsgruppen behandelt worden. Schon aus diesem Grunde ließ sich hier eine ziemlich erschöpfende Bearbeitung geben. Dann aber sind gerade die Münchner Verhältnisse in vieler Beziehung typisch für die großstädtischen Juden in Deutsehland. Die Münchner jüdische Bevölkerung verdankt nämlich ihr starkes Wachstum in den letzten 20 Jahren zwei Erscheinungen, die wir als charakterische Merkmale der Gegenwart bezeichnen können, dem Zuge vom Lande in die Siadt und der Einwanderung vom Auslande. In der Zusammensetzung der jüdischen Bevölkerung selbst hat sich während dieser Zeit eine Veränderung von tiefgreifender Bedeutung vollzogen. Während in den Jahren 1875 bis 1880 und 1880 bis 1885 die ortsgebürtigen und die aus dem sonstigen Bayern gebürtigen Juden den Kern der Gemeinde bildeten, begann Ende der 80er Jahre mit dem wirtschaftlichen Aufschwünge Münchens der Zuzug der sonst im Deutschen Reiche gebürtigen Juden, namentlich aus Württemberg und Preußen, stärker zu werden und es erfolgte eine erhebliche Ein Wanderung von Ausländern. Die Folge dieser Umgestaltung der inneren Gliederung der jüdischen Masse ist einerseits starker Männerüberschuß, Abnahme der Kinderzahl und Zunahme der höheren Altersklassen, Zunahme der Ledigen über 15 Jahre und Abnahme der Verheirateten, anderseits ein starkes Nachlassen in dem natürlichen Wachstum der jüdischen Bevölkerung infolge Sinkens der Geburten- und Fruchtbarkeitsziffer. Die Sterblichkeit, vor

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