Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XII (1910)
- Issue
- Heft 18 (2.9.1910)
- Date
- 1910-09-02
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 18 „Neue National-Zeitung" Seite 7 RptaespoNMNzeN Oesterreich-Ungarn. Der Jahresbericht der Isr.-theolog. Lehranstalt. Wien. Dem letzten Berichte der Isr.- theologischen Lehranstalt entnehmen wir vorerst, daß 3 Absolventen als Religionslehrer an galizische Gymnasien, einer als Prediger nach Belgrad und einer als Rabbiner nach Ung.-Ostra berufen wurden. Aus dem Nachruf für den verstorbenen Vizepräsidenten des Kuratoriums, Theodor Ritter v. Tauss i g, erfahren wir, daß derselbe der Lehranstalt ein Legat von 20.000 K für den Baufonds eines eigenen Hauses hinterlassen hat. Es wäre zu wünschen, daß unsere Barone, die sonst Millionen für ihren Rennstall und ihren fürstlichen Maitressen ausgeben, diesem Beispiele folgen. Auch das Bettelgeld von 10.000 K, mit dem die Regierung dieses Institut subventioniert, könnte nach 17 Jahren seines Bestandes auch schon erhöht werden. Die Abgeordneten K u r a n d a und 0 f n e r sollten, wenn sie schon im Judentum nichts anderes als eine Religionsgenossenschaft sehen wollen, nach dieser Richtung ihren Einfluß geltend machen. Die Lehrkanzeln für polnische und tschechische Sprache sind derzeit unbesetzt. Es fehlt daher den Schülern aus Galizien und Böhmen die Möglichkeit, sich in der Sprache, in der sie später predigen resp. lehren sollen, fortzubilden; ein Zustand, der für das Fortkommen der Absolventen gewiß nicht zuträglich ist. Russland. Die Juden und die Autonomie von Kongress- Polen. Warschau, Ende August. (Orig. Korresp.) Der Entwurf einer städtischen Autonomie für Kongreß-Polen, den Stolypin im Herbste der Duma zur Annahme vorlegen wird, räumt den Jaden kaum ein Mindestmaß von Rechten ein. War schon der ursprüngliche Regierungsentwurf bemüht, den Einfluß der Juden auf die Kommunalverwaltung möglichst zu reduzieren, so hat das von der Regierung eingesetzte „Komitee für Angelegenheit der lokalen Verwaltung" anläßlich der Beratung dieses Entwurfes die Rechte der Juden noch weiter beschränkt. Das Resultat ist ein recht klägliches. Sowohl was das Wahlrecht selbst, als auch was die Zahl der jüdischen Gemeinderatsmitglieder und die Erlangung kommunaler Aemter betrifft, sind für die Juden Ausnahmsbestimmungen geschaffen worden. Die große Zahl der jüdischen Einwohner, die in den meisten Städten die Majorität besitzen, ließ befürchten, daß die Stadtverwaltung in jüdische Hände übergehen würde. Dem wollte Stolypin vorbeugen, indem er eine jüdische Kurie schuf und derselbi n 10—20 Prozent aller Mandate überließ. Jedoch dürfe ein Jude weder Bürgermeister noch Bürgermeistor-Stellvertreter werden. Dieser Entwurf mußte dann das obgenannte Komitee passieren, wo er noch mehr verschärft wurde. Das Allerintoressanteste in diesem Entwürfe ist jedoch die Entscheidung darüber, wer Jude ist und daher in die jüdische Walilkurie gehört. Nach langen Beratungen beschloß das Komitee, daß als Jude jeder anzusehen sei, wer von jüdischen Eltern stammt, mag er sich auch später getauft haben. Dazu meinte das Komitee in einer Resolution: „Dadurch werden die Juden verhindert werden, aus eigennützigen Gründen die Taufe anzunehmen." DasKomitee faßte noch weitere Beschlüsse, und zwar daß Juden nicht Sekretäre der Gemeinden werden können und überhaupt in der engeren Magistratur nur ein Jude sitzen dürfe. Die Duma wird an diesem Entwürfe kaum zu Gunsten der Juden etwas ändern. Nordamerika. Ein jüdischer Arbeit erstreik. New-York. Einer der größten und hartnäckigsten Streiks, den New-York jemals gesehen hat, spielt sich jetzt ab. Die Konfektionsarbeiter, ausschließlich Juden, haben den Unternehmern, ebenfalls Juden, bezüglich des Lohnes und des Rechtes auf Organisation Badingungen gestellt und sind, als diese abgelehnt wurden, in den Ausstand getreten. Die kontinentale Presse, die sozialistische inbegriffen, verschweigt diesen Streik, denn es handelt sich nur um Juden. Die schreckliche Lage der j tidischen Kon fektionsarbeiter, der sogenannten „Sweaters", bietet ein Bild des grauenvollsten sozialen Elends. Die niedrigen Löhne, schlechten hygienischen Verhältnisse und die maßlos lange Arbeitszeit in diesem Gewerbe finden kaum ihresgleichen. Kein Wunder, daß diese Aermsten nun nach langen, langen Leiden den Versuch machen, eine Besserung ihrer so traurigen Situation herbeizuführen und einen Streik proklamiert haben. Beim Ausbruch des Streiks vor einem Monat waren die Aussichten desselben nicht besonders günstig. Der Verband der Mäntel-Arbeiter zählte damals nur etwa 18.000 Mitglieder und umfaßte nur Y3 der in diesem Fache beschäftigten Arbeiter. Die Verbandskasse war fast ganz leer, so daß die Vereinsleitung sich nur schwer zur Proklamierung eines Streiks entschließen konnte. Die Arbeitgeber kannten die finanzielle und organisatorische Schwäche der Arbeiter und lehnten jede Konzession ab. Durch die Streikagitation wurde jedoch die Lge des Arbeiterverbandes wesentlich gebessert, dem sich viele Tausende neuer Mitglieder anschlössen. Bei der Proklamierung des Streikes legten etwa 50.000 Arbeiter die Arbeit nieder und gegenwärtig beträgt die Zahl der Streikenden ungefähr 90.000. Die Streikenden führen den Kampf mit einheitlicher Entschiedenheit und Opferwüligkeit, aber auch mit Ruhe und Besonnenheit. Die Sympathien weiter Kreise, insbesondere der jüdischen Presse, ohne Unterschied der Parteistellung, sind auf ihrer Seite und ihre Aussichten für eine erfolgreiche Durchführung des Kampfes sind durchaus günstig. Manche Arbeitgeber haben sich bereit erklärt, mit ihren Arbeitern in Verhandlungen einzutreten und ihnen Zugeständnisse zu machen. Die Streikleitung fordert jedoch eine generelle Aufbesserung der Arbeitsbedingungen in der gesamten Branche. Allem Ansehein nach wird auch eine solche erreicht werden. GEMSiN&B=^t> VSR&NSNMftRiCBSW Wien. Bei der am 25. d. M. statfgefundenen Versammlung des vom verstorbenen hervorragenden Salomon Meiseis in den letzten Jahren gegründeten Vereines „Esrath Israel* sind folgende Herren in den Vorstand gewählt worden: A. Schwamm, M. Hammer, S. Komet, Isak Schapha, Chaim Kranzler, Adolf Kranzler, Berisch Falk, Pinkas Gniwisch, Abraham Hofstätter, Otto Kranzler, Isak Schwarz, Josef Kanikel und Herrmann Wertheimer,