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Neue Nationalzeitung · 1910-08-19 · Heft 17 (19.8.1910) · p. Seite 9

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XII (1910)
Issue
Heft 17 (19.8.1910)
Date
1910-08-19
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 17 „Neue National-Zeitung* Seite 9 Anerkennung zuteil und auch eine fürstliche Gönnerin von mir ließ mich zu sich rufen und überschüttete mich mit Lobeserhebungen. „Durchlaucht," erwiderte ich, „diesmal hat der Künstler weniger Anteil an dem Erfolge gehabt als vielmehr der Jude in mir, der mich für meine Aufgabe begeisterte. Es war mir geradezu Wollust, einmal von meiner Kanzel herab mein schmerzerfülltes Herz auszuschütten." Die Fürstin sah mich eine Weile überrascht an, dann drückte sie mir stumm die Hand — es war die Fürstin Pauline Metternich. Noch ganz besonderen Dank muß ich Hochwtirden aber sagen, daß Sie in so warmen, schwungvollen Worten unserer unglücklichen Kaiserin gedachten, deren Schicksat wohl zu den entsetzlichsten und zugleich erschütterndsten unseres Jahrhundertes gehört. Nochmals Dank von ganzem Herzen und empfangen Sie zugleich den Ausdruck meiner vorzüglichsten Hochachtung, mit welcher ich verbleibe Ew. Hoch würden ganz ergebener Sonnenthal. Wien, 8. November 1898." Geheimrat Professor Schmoller, der große reichsdeutsche Nationalökonom und Präsident des „Vereines für Sozialpolitik" ist, endlich dem Zuge seines Herzens folgend, unter die Antisemiten gegangen. Die „Freisinnige Zeitung" in Berlin berichtet über folgende Geschichte, die Herr v. Schmoller nicht in einem Bierschwefel, sondern in einem „gelehrten" Vortrage zum besten gegeben hat : „In der Akademie zu Posen hielt Geheimrat Professor v. Schmoller einen Vortrag über ein finanzwissenschaftliches Thema. Bei dieser Gelegenheit bemerkte er, daß es dem angesehenen Finanzminister R o t h e r seinerzeit nicht gelungen sei, für Rothschild die Verleihung einer höheren Klasse des roten Adlerordens zu erlangen. „Jetzt würde Rother sich wundern, wie viele krummnasige Gestalten in Berlin ihren Großkordon tragen." Für einen Geheimrat und Universitätsprofessor sehr geschmackvoll! Der 80. Geburtstag des Kaisers. Wir erhalten nachstehendes Kommunique: Anläßlich des 80. Geburtsfestes des Kaisers hat der Vorstand der Wiener israel. Kultusgemeinde eine Gesamtadresse der österreichischen Judenschaft an Se. Majestät gerichtet. Die Huldigungsadresse wurde vom Maler D. Markus kunstvotl ausgeführt und ruht in einer nach dem Entwürfe der Architekten Emerich Spielmann und Dr. Alfred Teller von der Wiener Juwelierfirma Julius Kohn ausgeführten prachtvollen Kasette. Ueberdies finden im Schöße des Vorstandes der Kultusgemeinde Beratungen über eine größere Wohltätigkeitsaktion statt. Rabbiner Awinowitzky im Gefängnis. Der gewesene Rabbiner Awinowitzky in Odessa ist vor mehreren Monaten zu 14 Tagen Arrest verurteilt worden, weil bei ihm eine Sammelbüchse für den zionistischen Nationalfonds gefunden wurde. Inzwischen reiste A. ins Ausland zur Kur, von wo er vor wenigen Tagen nach Warschau zurückkehrte. Dort wurde er im Auftrage des Gouverneurs von Odessa verhaftet und zur Abbüßung der Strafe an die Strafanstalt abgeführt. Personalnachrichten. Der Wiener Hausbesitzer, Herr Max Barber, feiert am 21. d. M, in Gmunden seinen 75. Geburtstag. Herr Barber ist der Gatte der bekannten Schriftstelleriu Frau Ida Barber; von seinen Söhnen ist einer, Herr Sigmund Barber, Bauunternehmer, ein anderer, Herr Arnold Barber, Baumeister. Todesnachrichten. In Wien ist Salomon M e i s e 1 s, 83 Jahre alt, in Ischl Hers ch He rdan aus Brünn, 74 Jahre alt, gestorben. Meiseis, der Sohn des berühmten Krakauer und nachmaligen Warschauer Rabbiners Berisch Meiseis, war lange Jahre als Präsident der Wiener polnischen Synagoge „Beth Israel" tätig; H e r d a n war Vorsteher des polnisch-jüdischen Bethaus-Vereines in Brünn und Förderer zahlreicher jüdischer Wohltätigkeitsvereine Sein Sohn, Herr Adolf Herdan, ist Mitglied des Kultusvorstandes in Brünn. bisfe der Ausgetretenen. Vom 3. bis 16. August 1910. (Nr. 304—327.) Bäräny Ernst, geb. 14. Juli 1891, XVTL, Pointengasse 38. Defries Adolf, Privat, geb. 27. April 1873, Jägerndorf, VII., Hermanngasse 33. Epstein Paul, Kuratoriums-Sekretär der Neuen Handelsakademie, geb. 26. Dezember 1880, Karlsbad, XVII, Kulmgasse 38. Hacker Rudolf, geb. 28. September 1869, Wien, X., Eugengasse 40. Koritschoner A'ois, geb. 23. Dezember 1873, Wien. XIX., Iglaseegasse 14. Rauch Oionis, Student, geb. 24. September 1895, Wien, IV., Schaumburggasse 32. Reichner Albin, geb. 2. Juli 1882, Lomnitz, XVI., Grundsteingasse 10. Rothziegel Leo, Buchdruckereiarbeiter, geb. 5. Dezember 1882, Wien, II., Blumauergasse 18. Schultheis Elsa, geb. 8. Jänner 1888, Wien, wohnhaft in Budapest. Wollner Egon, Ledergalanteriearbeiter, geb. 2. Februar 1886, Prag, IX., Pramergasse 9. Singer Arthur, Bahnbeamter in Aussig, geb. 11. Dezember 1882 in Mistelbach. Kohn Otto, Schüler, geb. 8. September 1895, Wien, IV., Schaumburggasse 32. König Helene, geb. 23. Dezember 1842, Budapest, VIII., Josefstädterstraße 29. Dr. Haas Julius, Lehramtskandidat, geb. 23. Juli 1883, Wien, VIII., Laudongasse 16. Henigsberg Fritz, Privat, geb. 28. April 1884, Wien, VI., Gumpendorferstraße 22. Prager Adolf, Beamter, geb. 27. November 1879, IX., Säulengasse 17. Lehner Jakob, geb. 2. Mai 1882, Wien, III, Trabelgasse 4. Klampner Rudolf, Steindrucker, geb. 16. Juni 1889, Wien, XIV., Schwendergasse 9. Ernst Paula, Schauspielerin, geb. 18. April 1883, Graz, V., Wehrgasse 23. Bock Pauline, geb. 12. Oktober 1882, Wien, V., Pilgramgasse 8. Czerwenka Melanie, Handarbeiterin, geb. 9. November in Iglau, XII, Wilhelmstraße 50. Heichler Josef, geb. 10. August 1884 in Czernowitz, IX, Hahngasse 12. Pawel Regina, Schneiderin, geb. 12. August 1881, Wien, X., Quellengasse 209. Frisch Hilda, Kanitz, geb 21. April 1889, IX. Alserkaserne. Briefkasten der Redaktion. Z. F. in B. Der Verband bezieht demnächst sein eigenes Lokal. Ihre Anfrage werden wir gerne schriftlich erledigen. Dr. B. Ihre Mühe wäre vergeblich. Dieses Amt nimmt prinzipiell keine Juden auf. Q. L Unser Referent ist momentan verreist. Wir werden den Fall eingehend recherchieren lassen. „Ortodoxer in Baden". Vom Restaurateur Josef Guth erhalten wir folgenden Brief: „Es ist vollkommen unrichtig und unwahr, daß mir die Badener Kultusgemeinde die über meinem Restaurant in Baden, Antonsgasse 13, befindliche Aufschrift Koscher nicht gestattet hat, sondern es vielmehr das Gegenteil war, daß der Präsident der israelitischen Kultusgemeinde in Baden, Herr Leopold Leitner, nicht nur nichts eingewendet, vielmehr mir die ausdrückliche Erlaubnis dazu erteilte". (A n m. d. R e d. Wie man sieht, hat Herr Guth seit dem Erscheinen unserer Notitz über einen Monat Zeit gebraucht, um von der Kultusgemeinde ein Koscher-Zertifikat zu erhalten und uns auf Grund desselben zu berichtigen. Für die mangelhafte Orthographie müssen wir jede Haftung ablehnen.)

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