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Neue Nationalzeitung · 1910-08-19 · Heft 17 (19.8.1910) · p. Seite 8

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XII (1910)
Issue
Heft 17 (19.8.1910)
Date
1910-08-19
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 „Neue Nätional-Zeitung" Nr. 17 wegen eines Territoriums von über eine Million Acres. Die Lokalität des Territoriums ist einstweilen noch unbekannt, es soll aber groß und gut genug sein, um eine Million russischer Juden aufnehmen zu können. Sir H. Newton Moore, der Premier der australischen Regierung, soll dem Plane sehr geneigt sein, den er als einen ernsten Geschäftsvorsehlag betrachte. Die Angelegenheit soll demnächst im westaustralischen Parlament behandelt werden. Die Pläne des Herrn Zangwill sind wohl nach den bisherigen Erfahrungen nicht ganz ernst zu nehmen. * Jüdische Kolonien in Aegypten. Dem „Pester Lloyd" wird aus Warschau folgende Nachricht telegrafiert: „ Die Palästina-Gesellschaft von Lodz hat soeben von der englischen Regierung die Zustimmung zur Gründung großer jüdischer Kolonien in Aegypten erhalten. Es wurden bereits weite Ländereien angekauft, auf welchen die Gesellschaft Kolonien für Baumwollkultur gründen wird. Die erste Partie der jüdischen Kolonisten soll aus 15.000 Personen bestehen." Weitere Nachrichten sind uns bisher nicht zugegangen. * Ein Trachom-Institut für Emigranten. Wir haben bereits in mehreren Aufsätzen nachgewiesen, wie die amerikanischen Einwanderungskommissäre zahlreiche jüdische Auswanderer zurückweisen, unter dem Vorwand, daß dieselben an Trachom krank sind, obwohl dies gar nicht zutrifft. Um die jüdischen Einwanderer gegen derartige Uebergriffe zu schützen und denselben, soferne sie augenleidend sind, bei ihrem Eintreffen in Amerika die Möglichkeit einer gründlichen Heilung zu verschaffen, hat sich in Philadelphia unter dem Vorsitz von Josef Sulzberger ein Komitee gebildet, welches ein Trachom-Institut für jüdische Einwanderer ins Leben gerufen hat Dasselbe wurde bereits am 18. Juli eröffnet und fungiert als ärztlicher Leiter desselben Dr. Aron Brav. In [Erkenntnis der großen Bedeutung dieses Hospitales hat sich bereits das Petersburger Bureau der ICA mit demselben in Verbindung gesetzt. fKPftft£SPON&£NZ£N Oesterreich^Ungarn. Kaiserliche Auszeichnungen. Wien, 18. August. Anläßlich des 80. Geburtstages des Kaisers wurden an 400 auf dem Gebiete der Wohltätigkeit verdiente Personen Auszeichnungen verliehen. Darunter befinden sich auch jüdische Persönlichkeiten beiderlei Geschlechtes. Es erhielten u. a.: Bergrat Max Ritter von Guttraann in Wien den Stern zum Komturkreuz des Franz Josefs-Ordens; Generalkonsul Alexander Singer in Wien das Offizierskreuz desselben Ordens; Kaiserlicher Rat Dr. Krüger in Wien sowie Bürgermeister Dr. David in Podwoloczyska das Ritterkreuz dieses Ordens. Der gewesene Kultusvorsteher Dr. Hermann L ö w i sowie Gemeinderat Edmund Meie her in Wien erhielten das goldene Verdienstkreuz mit der Krone. Von dem nur für Frauen bestimmten Elisabethorden erhielten Frau Johanna Fröhlich in Wien und Frau Fanni Reiß in Czernowitz den Orden II.. Klasse. Sehr auftällig ist es, daß während die meisten Auszeichnungen an Pfarrer und sonstige katholische Geistliche verliehen wurden, kein einziger Rabbiner diesmal eine Auszeichnung erhalten hat. Sollten sich unsere Rabbiner auf dem Gebiete der Philantropie so wenig betätigen? Oder liegen die Gründe wo anders? GEMEiNL>e=UNi VGRCiNiNÄUVR iCWGW- Wien. (Verein jüdischer Portiere und Hausbesorger.) Vorigen Mittwoch hielten mehrere jüdische Portiere und Hausbesorger unter Vorsitz des Portiers der israelitischen Kultusgemeinde, Herrn Karl Zerkowitz, eine Beratung ab, in welcher die Gründung eines Vereines jüdischer Portiere und Hausbesorger für Wien und Umgebung beschlossen wurde. Sämtliche Redner Aviesen auf die traurige Tatsache hin, daß die jüdischen Hausbesitzer in Wien und Umgebung noch immer in dem Vorurteile befangen sind, daß Juden sich für die Arbeiten eines Portiers oder Hausbesorgers nicht eignen und daher prinzipiell keine Juden als Hausbesorger anstellen. Demgegenüber wurde festgestellt, daß diejenigen Hausbesitzer, welche sich von diesem Vorurteile befreit und Juden angestellt haben, mit diesen die besten Erfahrungen gemacht haben. Die jüdischen Hausbesorger und Portiere, die ein Handwerk verstehen, zeichnen sich durch ihre Nüchternheit, Verträglichkeit und Ehrlichkeit aus. Die Versammlung beschloß, bei allen jüdischen öffentlichen Anstalten sowie bei jüdischen Hausbesitzern im Wege der Presse und durch Aufklärungsschriften für die Unterbringung jüdischer Hausbesorger und Portiere eifrige Propaganda zu machen. Diesem Zwecke wird auch der vom Vereine einzuführende Stellungsnachweis dienen. Nach Verlesung und Annahme der Statuten wurden die Herren Karl ZerkoAvitz, Samuel Zwillänger und Simon Kasper ins Vorbereitungs- und Proponentenkomitee gewählt und die Versammlung geschlossen. Zuschriften sind bis auf weiteres an Herrn Karl Zerkowitz, Portier, L, Seitenstettengasse 4, zu richten. Wien. Der „Israelitische Bethaus-Verein", III., Erdbergerstraße 15, schreibt uns: Herr Jakob Mittler, Mitglied des Bethausvereines Landstraße, und dessen Frau Elisabeth, feiern Samstag den 20. August 1. J. die sechzigste Wiederkehr ihres Hochzeitstages. Die Feier findet an dem genannten Tage im Bethause, III., Erdbergerstraße 15, um 9 Uhr vormittags, statt. Beide stehen im Alter von je 86 Jahren und erfreuen sich der vollsten Rüstigkeit. %is äum-we iraiteN Adolf von Sonnenthal als Jude. Der Biograph Adolf Kohnt veröffentlicht einen Brief Sonnenthals an den Hamburger Prediger Dr. Leimdörfer als einen neuen Beweis der großen Anhänglichkeit dieses bedeutenden Künstlers an das Judentum. Der Brief lautet: „Euer Hochwürden! haben mir durch Uebersendung Ihrer höchst geist- und inhaltreichen Predigt eine anregende, ja andachtsvolle Stunde bereitet! Ihr Thema, der einalleinige Gottesgedanke, ist es ja, was uns zu Juden macht, und er allein ist der fette Kitt, nicht, wie Sie ganz zutreffend den Dichter verbessern, des „morschen", sondern des vielmehr unauflöslichen Bundes, der uns zusammenhält und der uns die Kraft verleiht, dieser verpesteten Seuche der sogenannten „neuen Zeit", dem Antisemitismus, die Stirne zu bieten. Ich selbst, wenn auch nach unseren heiligen Dogmen nicht religiös, doch bis in die innersten Fasern meines Herzens Jude, ich begrüße eine solche erhebende und neubelebende Stimme wie die Ihrige jederzeit mit dankbarem Enthusiasmus, und wo ich selbst im stillen oder ganz laut mein Scherflein beitragen kann, tue ich es immer. Als ich vor einigen Jahren zum erstenmal Lessings „Nathan1* spielte, wurde mir von verschiedenen Seiten große

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