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Neue Nationalzeitung · 1910-08-19 · Heft 17 (19.8.1910) · p. Seite 7

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XII (1910)
Issue
Heft 17 (19.8.1910)
Date
1910-08-19
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 17 „Neue National-Zeitung' Seite 7 werkern Berichte erstatten. Auf Grund dieser Berichte werden dann die einlangenden Emigranten angewiesen, sich je nach ihrem Berufe oder ihrerTauglichkeit in den einen oder anderen Ort zu begeben. Diese Einrichtung hat sich bisher als sehr erfolgreich erwiesen; es wurden durch Vermittlung der Ito- Vereine in Rußland, insbesondere in Kiew, wo Professor Mandelstamm an der Spitze steht, bereits einige Tausend Personen nach Galveston dirigiert und dort untergebracht. Nun kommt plötzlich diese Nachricht, die, vielleicht ein Ausfluß der einwanderungsfeindlichen Bewegung, in den Kreisen aller jüdischen Volksfreunde in- und nußerhalb Rußlands eine große Beunruhigung hervorrufen wird. Das Verbot der jüdischen Einwanderung wird damit motiviert, daß durch dieselbe das Gesetz vom 20. Februar 1907 verletzt wird. Dieses Gesetz geht dahin, daß allen denjenigen, die auf Grund eines Arbeitsvertrages nach Nordamerika kommen (contract laborers), dort der Eintritt verboten ist; der Grund ist offenbar der, daß die amerikanischen Arbeiter gegenüber Lohndrückern geschützt werden. Was haben nun die armen russischen Juden, die über Galveston nach Amerika kommen, um dort ihr Brot zu suchen, mit diesem Gesetze zu tun? Sie hat doch niemand gedungen, sie wissen ja zur Zeit ihrer Auswanderung noch nicht einmal, wo sie sich niederlassen werden! Die Behauptung des Handelsamtes, daß jene Informationsbureaus eigentlich Arbeitsvermittlungsbureaus sind und daß sie zur Auswanderung animieren, beruht also auf einem Mißverständnis oder auf Böswilligkeit. Im Interesse der jüdischen Emigration aus Rußland, die für die russische Judenschaft eine Lebensfrage bildet, wollen wir hoffen, daß es dem Einflüsse der maßgebenden jüdischen Persönlichkeiten in Amerika gelingen wird, beim Handelsamte auf Grund entsprechender Aufklärungen die Aufhebung des Verbotes zu erwirken. Vorläufig haben jedoch die jüdischen Auswanderungsvereine in Rußland bis auf weiteres ihre Tätigkeit eingestellt. * Ein amerikanischer Pastor für die Juden- Einwanderang. Ueber die jüdischen Einwanderer in die Vereinigten Staaten sprach sich der Geistliche der Volkskirche zu Washington vor Kurzem in einer Sonntags- Kirche folgendermaßen aus: „Wie steht es mit den typisch-jüdischen Flüchtlingen, die in New-York einwandern? Sind sie wünschenswert oder nicht? In den meisten Fällen sprechen wir nur die Wahrheit aus, wenn wir von ihnen sagen, daß sie unsere Brüder sind, die den edlen, innigen Wunsch hegen, zu vollwertigen Bürgern zu werden in dem großen Freistaat, wo sie nicht besondere Vorrechte und Mildtätigkeit verlangen, sondern nur die günstige Gelegenheit sehnlichst erwünschen, in einem ehrlichen Erwerb redlich ihren Lebensunterhalt zu verdienen. In jedem völkerreichen Mittelpunkt der Regsamkeit, wo der Konkurrenzkampf so stark wütet, treten Jedermann viele Schwierigkeiten und Hindernisse entgegen. Aber durch seine weitausgedehnten Bezirke, wo sich so viel Gelegenheit zur Landwirtschaft bietet, kann Amerika ein fast grenzenloses Feld bilden für eine Generation, die zum größten Teil aus so sehr begehrenswerten, wohlgesitteten Elementen besteht. Es sei zugestanden, daß die verfolgten, ausgebeuteten, verjagten Juden aus Rußland anfangs manchmal auch recht unerwünschte Charaktere in sich fassen. Das sind aber unvermeidliche Konsequenzen der grausamen Ungerechtigkeit, der sie und ihre Vorfahren lange Zeit in dem Lande der Unterdrückung ausgesetzt waren, in dem Lande, aus welchem sie unbarmherzig vertrieben wurden oder aus dem sie wohlbedacht auswanderten, in der Suche nach jener Freiheit, die jedem sich selbst achtenden menschlichen Wesen teuer ist und ohne welche menschliche Erfolge unmöglich sind. Die Leute mögen in Bezug auf den Handelstrieb der typisch-europäischen Juden — und dieser ist unleugbar groß — sagen, was sie wollen, die Hebräer sind instinktiv zum größten Teil ein B a u e r n v o 1 k. Und diese Juden, die nicht nur Zuflucht vor der Verfolgung, sondern auch Gelegenheit suchen, ihren Unterhalt redlich zu verdienen, sie werden in Ländern, in denen immer große Nachfrage nach Ackerbauern ist, falls sie mit Gleichberechtigung behandelt werden, bald für immer eine einflußreiche Macht bilden in der aufstrebenden Nation, die ihnen keine ungerechten Einschränkungen auferlegt, sondern ihnen dazu verhilft, zu einem lebendigen, nützlichen Teile der mächtigen kosmopolitischen Menschheit zu werden, den die amerikanische Republik der Zukunft unvermeidlich bilden muß. Wo immer auch der Jude sich ansiedele, er trägt überall viel zu dem wahren Wert des Landes bei, in dem er sein Heim begründet. Auf dem ganzen Erdenrund gibt es keine treueren und besseren Patrioten, als glaubenstreue Söhne und Töchter Israels, die, mögen sie noch so eng begrenzte Gerechtigkeit genießen, sich nicht nur für die innere Gemeinschaft, sondern auch für alle wichtigen öffentlichen Interessen unermüdlich betätigen". * Die Einwanderungsstatistik nach Nordamerika. Das Handelsministerium veröffentlicht eine Statistik der Einwanderung in die Vereinigten Staaten während des Fiskaljahres 1. Juli 1908 bis 30. Juni 1909. Danach sind innerhalb dieser Zeit 57.551 Juden gelandet: 13 Prozent der Gesamtzahl. Von den Emigranten waren 15.210 weniger als 14, 38.465 zwischen 14 und 45, 3.876 über 45 Jahre alt. 3008 besaßen ein Kapital von 50 Dollars, 21.118 nicht einmal diese Summe. Dem Geburtslande nach waren 39.150 aus Rußland, 8.431 aus Oesterreich- Ungarn, 1.390 aus Rumänien, 8.580 aus anderen Ländern. Nicht weniger als 34.633, d. h. nahezu 60 Prozent ließen sich im Staate New-York nieder, 4.560 in Pennsylvania, 3.909 in Illinois, 1.290 in Ohio, 912 in Connecticut, 896 in Missouri, 779 in Maryland, der Rest in verschiedenen anderen Staaten. Unter den Ankömmlingen befanden sich 8.299 Schneider, 1.125 Schuster, 1.469 Tischler, 3.274 Fabriks-, 1.195 Landarbeiter, 481 Bäcker, 464 Fleischer, 456 Lehrer, Musiker, Schauspieler etc. Keine Emigration nach Kanada. Wie die Zeitungen in Montreal berichten, haben sich vor Kurzem verschiedene jüdische Kolonisations-Gesellschaften Europas und Amerikas an das kanadische Einwanderungsamt mit der Bitte gewendet, mehreren tausend Juden, die infolge der jüngsten Vertreibungen aus Rußland auswandern müssen, einige Konzessionen zu gewähren. Die betreffenden jüdischen Gesellschaften erklärten sich bereit, für die Uebersiedlungskosten aufzukommen und dafür zu sorgen, daß die Einwanderer nicht mittellos in Kanada ankommen. Trotzdem die Petition der gedachten Gesellschaften von einflußreicher Seite unterstützt wurde, ist sie vom Einwanderungsamt abschlägig beschieden worden. * Herr Zangwill unterhandelt... Wie die englischen Blätter berichten, unterhandelt Herr Zangwill jetzt wieder mit der australischen Regierung

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