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Neue Nationalzeitung · 1910-08-19 · Heft 17 (19.8.1910) · p. Seite 6

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XII (1910)
Issue
Heft 17 (19.8.1910)
Date
1910-08-19
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 „Neue National-Zeitung" Nr. 17 Lösung nicht finden. So erkennen Sie, hochgeschätzter Herr Redakteur, wie Müßiggang und Regennot den geduldigsten und bescheidensten Kurgast dahin bringen können, selbst israelitische Zeitungen aus Regensburg zu lesen. Glücklicherweise überbringt mir der Postbote soeben Dir geschätztes Blatt und der Artikel von der „Karlsbader Kur in Wien" hat mich wirklich aufgefrischt. Wie viel Wahrheit wird doch hier in wenigen Worten gesagt! Wenn uns nur nicht diese „Karlsbader Kur" zu Grunde richtet! Es ist weit mit uns gekommen . . . Doch ich will jetzt nicht raisonnieren. Vielleicht ein anderesmal mehr über dieses aktuelle Thema. Soeben schleicht sich ein Sonnenstrahl durchs Gewölbe. Die „Katrin" — das ist nämlich der Berg und keine Schöne, die mir durchs Fenster guckt — heitert sich aus. Sie hat ihre, Schlafhaube abgelegt. Vielleicht bekommen wir nun wirklich die Tischabbe-Ab-Hitze. Und wenn nicht, so wollen wir im Regenwetter trauern. Dann aber mögen uns die Trosteswochen entschädigen. Auf den Sabbath des strafenden Propheten folgt ja nach schöner, sinniger Einrichtung der des Tröstenden. Möge er uns und allen Volksgenossen Trost und Erhebung bringen. Es wäre schon an der Zeit. Einen glücklichen „Schabbos Nachmu" wünscht Ihnen und allen Kämpfenden in Juda Ihr wohlaffektionierter, in Bad Ischl derzeit ausruhender Korrespondent Dr. Max Grünfeld. Bad Ischl, am Tage nach dem Neumonde Menachem-Ab 5670 Zur Enquete des galizischen bandesausschusses. Die Enquete — verschoben! Wie uns von informierter Stelle mitgeteilt wird, ist die Enquete auf den 19. September verschoben worden. Als Grund werden die technischen Schwierigkeiten bei Herstellung der Dracksorten für die Enquete angegeben. DIE JÜDISCHE Die jüdische Emigration nach Galveston — verboten! Der jüdischen Emigration droht wieder ein schwerer Schlag. Das nordamerikanische Handelsamt hat in der durch die russischen Ito-Vereine nach Texas über den Wenn nur nicht schließlich die Enquete wieder mit der Tagung des Landtages zusammenfällt, wie es im vorigen Jahre war und als ein Hindernis für die Abhaltung der Enquete hingestellt wurde! * Zeitungsstimmen über die Enquete. Die jüdische Presse hat über die Enquete und ihre grundlegenden Prinzipien noch wenig zu sagen. Die Krakauer Zeitungen „Tygodnik" und „Hamizpe" bemängeln daher hauptsächlich die Zusammensetzung der Enquete, die sie ja noch gar nicht kennen. Das erstere Organ verlangt die Zuziehung der Kleinstadt- und Landjuden als die Männer der Praxis; das letztere bedauert, daß die Rabbiner und Gemeindevorsteher ganz ignoriert werden und meint, daß nur polnische Kulturträger für die Zwecke der Expertise ausersehen sind. * / Die Statistik der jüdischen Schanker in Galizien. 85.000 Juden brotlos! Zu diesem Thema erhalten wir von einem sehr hervorragenden christlichen Politiker in Galizien nachstehende Zuschrift: Geehrte Redaktion! Ich möchte mir erlauben, Sie darauf aufmerksam zu machen, daß bisher in Galizien auf dem Gebiete der Schänkerfrage mit ganz mangelhaften Ziffern operiert wurde. Auf Grund meiner Berechnungen gibt es in Galizien nicht 15.000 oder 18.000 sondern 82.000 Schänker. Davon sind zirka 27.000 Juden und zirka 5000 Christen. Nach den von der Statthalterei aufgestellten Normen werden in Galizien höchstens 14.000 Konzessionen, davon im besten Falle 10.000 an Juden verteilt werden. Man muß also unbedingt damit rechnen, daß 17.000jüdische Schänkerfamilien mit 85.000 Seelen brotlos werden. Ich zeichne usw. EttlQRflTION. Hafen in Galveston gelenkten Auswanderung plötzlich eine Bedrohung ihres Gesetzes gegen die Gontract laborers gefunden und sie hat, wie ein Telegramm aus Washington vom 15. Juli berichtet, erklärt, diese Einwanderung künftighin nicht mehr zu dulden. Es liegt hier zweifellos ein Mißgriff des Handelsamtes vor, denn wir wollen nicht glauben, daß bloß nach einem Vorwande gesucht wird, um die jüdische Einwanderung nach den Südstaaten zu verhindern. Die jüdische Einwanderung nach Galveston datiert seit drei Jahren. Damals hat sich über Anregung und unter dorn Vorsitze Jakob Schiffs in New-York ein Komitee gebildet, mit der Aufgabe, das Gros der jüdischen Einwanderer, besonders aus Rußland, von New- York abzulenken und denselben mittels errichteter Informationsbureaus geeignete Orte in den Südstaaten anzuweisen, wo sie einen Erwerb und eine ausreichende Existenz finden könnten. Zu diesem Zwecke wurde in New-York die „Industrial-Removal-Office" und in Galveston das „Jewish Immigrant's Information Bureau" errichtet. Das letztere hat in allen größeren Städten der Südstaaten seine Repräsentanten, welche dem Bureau über die Arbeitsverhältnisse ihrer Wohnorte, respektive über die Nachfrage nach bestimmten Hand-

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