Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XII (1910)
- Issue
- Heft 16 (5.8.1910)
- Date
- 1910-08-05
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10 „Neue National-Zeitung" Nr. 16 Heute bilden die Juden einen der am meisten respektierten, ja wir können sagen, einen der nützlichsten Bestandteile der nordamerikanischen Macht. Es bat sich im Laufe der Jahre gezeigt, daß selbst die Unglücklichsten unter ihnen sehr bald aut dem freien Boden Amerikas zu ebenso tätigen wie nützlichen Gliedern der Gesellschaft werden. Zu keiner Zeit, bei keinem anderen Volke der Welt bat man jemals einen solchen Plan sozialer Solidarität sich verwirklichen sehen, niemals eine solch systematische Durchfühiung des Ideals erblickt. Die Resultate der israelitischen Gemeinden haben sich vor allem im Staate New-York zäh behauptet. Gegenwärtig braucht sich dieser Staat nicht im allergeringsten um die Bedürfnisse der sehr zahlreichen jüdischen Kompagnie zu bekümmern, die eine der lebendigen Kräfte der Nation bildet, denn sie übt in gewissem Sinne Selbstverwaltung, was soziale Unterstützung und Erziehung anbelangt. Es ist nicht unsere Aufgabe, an dieser Stelle die Männer persönlich zu nennen und zu verherrlichen, die an der Spitze dieses sozialen Meisterwerkes stehen, das allen in die Vereinigten Staaten eingewanderten Juden die nötige moralische und materielle Stütze bietet. Sie sind zahlreich und schließen in sich die Elite der Intelligenz, der Industrie und des Handels. Ein bewunderungswürdiger Opfergeist beherrscht ihre Tätigkeit. Wenn es anderseits Finanz- und Industriemagnaten gibt, die beträchtliche Summen für wissenschaftliche Zwecke und Institute stiften, die allen Amerikanern ohne Unterschied des Standes und der Religion zugute kommen sollen, so lassen sich diese gar leicht zählen. Unzählig aber sind jene edlen Israeliten, die stillschweigend und ferne von aller persönlichen Voreingenommenheit wirkliche und verdienstvolle Opfer bringen, um die Lebensbahn ihrer Rassenbrüder aufwärts zu fuhren, sie zu brauchbaren und nützlichen Gliedern der menschlichen Gesellschaft zu machen, und dies, ohne irgend eine Einmischung in die öffentlichen Gewalten, ohne die geringste oifizielle Subvention anzustreb-.n und zu genießen — und doch von faktischen, dauernden Erfolgen gekrönt. Es gibt keine größere Stadt der Union, wo die Juden nicht in bedeutender Anzahl ihre Waisenhäuser, ihre Bibliotheken, ihre Hospitäler, ihre Armenapotheken, ihre Erziehungsheime, ihre Volkshochschulen, ja sogar ihre Theater besitzen. Dieses soziale Werk der Juden unterscheidet sich von anderen ähnlichen Werken allgemeiner Natur dadurch, daß kein Parteistandpunkt darin zum Ausdruck kommt, nicht der leiseste Wunsch nach Proselytentum es diktiert, sondern völlig reine Menschenliebe. Dank ihrer vielseitigen Bildung, die die jüdische Bevölkerung auf ihren Erwachsenenschulen, Abend- und Fachschulen empfängt, die in unvergleichlich zeitgemäßer Weise geleitet werden, nehmen die Israeliten in der amerikanischen Gesellschaft einen beachtenswerten Rang ein. Räudige Schafe, Deklassierte gibt es überall. Es gibt deren auch unter den Juden in den Vereinigten Staaten. Aber sie sind in sehr schwacher Minderheit, und das läßt sich leicht begreifen. Denn bei all den sozialen und philanthropischen Werken, die ihnen zu Gebote stehen, um sie auf den Weg des Fortschritts zu leiten, bei d^r Fülle von Hilfsquellen, über die sie verfügen, müssen die nach den Vereinigten Staaten eingewanderten Juden gedeihen, sich in jeder kulturellen und sozialen Hinsicht entwickeln. Man hat kürzlich die Hilfsmittel, worüber die sozialen und philanthropischen Unterstützungswerke der Juden in der Union gebieten, abgeschätzt und man ist, einschließlich der Immobilien und Mobilien, su der Summe von 3 Milliarden 368 Millionen gekommen, eine Zahl, die für sich selbst spricht. Es ist dies sicherlich eine interessante Feststellung, die ein einzigartiges Beispiel sozialer Solidarität offenbart. biste der Ausgetretenen. Vom 21. Juli bis 2. August 1910. (Nr. 287—303.) Bilek Flora, Kleidermacherin. geb. 3. April 1882, Wien, I. Fischhof 5. Edler v. Bronnek-Goldreich Arthur, Jurist, geb. 14. März 1885, Polna, IL, Floßgasse 4. Buxbaum Isak, geb. 2. Juli 1886, Preßburg, XVI., Wurlitzergasse 11. Eisner Franziska, Hilfsarbeiterin, geb. 4. April 1883, Wien, XVII., Gschwandnergasse 11. Engel Karoline, Dienstmädchen, geb. 24. September 1886, Szap, IL, Obere Donaustraße 12. Fried Amalia, Private, geb. 15. Dezember 1886, Wien, VI., Mariahilferstraße 106. Goldenberg Gisela, Private, geb. 6. Oktober 1890, Bukarest, IL, Große Sperlgasse IG. Heilig Stefanie, Private, geb. 1. Juli 1887, Wien, XVII., Kalvarienberggasse 65. Klinger Eva, geb. 3. September 1874, Krakau, V., Margarethen- . Straße 123. Mautner Alfred, Rechtspraktikant, geb. 29. Juni 1887, Reichenberg, I , Marc Aurelstraße 5 Minkus Josef, recse Pollatschek, Kommis, geb. 2. Jänner 1885, Wien, VI., Brauergasse 4. Oplatka Emil, Privatbeamter, geb 17. Februar 1885, Smichow, IX., Liechtensteinstraße 98. Rosenfeld Berta, Private, geb. 2. Jänner 1882, Somo.-y, XIII., ßaumgartenstraße 28. Stein Paula, Private, geb. 2. Jänner 1884, Wien, XXI, Schöpfleu thnergasse 14. Steinschneider Heinrich, Privatbeamter, geb. 7. August 1885, Proßnitz, II., Gredlerstraße 2. Teperberg Max, Handelsangestellter, geb. 5. Mai 1884, Wien, II., Große Mohrengasse 44. Briefkasten der Redaktion. Auf mehrere Anfragen. So gerne wir sonst Ihren Ratschlägen Gehör schenken, so müssen wir uns diesmal versagen, den Herrn K u n s c h a k, den christlichsozialen Paradearbeiterführer und Abgeordnet*n, eingehender zu behandeln. Wir l aben unseren Raum für wichtigere Fragen als zur Widerlegung b ewußter Lügen und infamer Verleumdungen nötig, die schon hundertmal widerlegt wurden und gewiß nicht mehr wert sind, weil sie ein Kunschak aufwärmt, um die öffentliche Aufmerksamkeit von seiner schäbig gewordenen Partei abzulenken. Wenn Kunschak nicht ein gewissenloser Huligan wäre, müßte er ja zugeben, daß sich der Ratenagent, Hausierer und selbst der letzte Jude ehrlicher sein Brot verdient. Denn er arbeitet, während Kunschak mühelos 20 Kronen täglich aus Steuergeldern einsteckt, um dann nach dem Nachtmahl die Bevölkerung gegen die Juden aufzuhetzen. Aber die Mühe des Kunschak dürfte vergebens sein; der Boden, auf dem er steht, ist nichts als ein Sumpf, und er wird darin auch untergehen. Aufruf! An die Jüdischen Kultuswähler von Wien! Der Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde Wien hat nachstehendes Zirkular an die Kultussteuerzahler versendet: Euer Wohlgeboren! Im Hinblicke auf die in diesem Jahre stattfindenden Wahlen in den Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde werden die p. t. Steuerträger höflichst aufmerksam gemacht, daß gemäß der §§ 1 und 2 der Wahlordnung nur diejenigen Angehörigen der Kultusgemeinde wahlberechtigt sind, welche bis zum Ablaufe des Reklamationstermins, d. i. bis spätestens 26. September 1910 die Kultussteuer der vorangegangenen zwei Jahre (1908 und 1909) und die Kultussteuer des lautenden Jahres (1910) voll entrichtet haben. Wir bitten daher alle Kultuswähler, rechtzeitig ihre Steuer zu zahlen, da ihnen sonst anläßlich der im November d. J. stattfindenden Kultuswahlen ebenso wie im Jahre 1908 ihr Wahlrecht entzogen werden wird. Der Vorstand des „Verband der östlichen Juden" in Wien.