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Neue Nationalzeitung · 1910-07-22 · Heft 15 (22.7.1910) · p. Seite 10

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XII (1910)
Issue
Heft 15 (22.7.1910)
Date
1910-07-22
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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Seite 10 »Neue National-Zeitung" Nr. 15 nicht blos ein russisch-jüdisches, sondern vielmehr ein allgemein jüdisches Werk mache. Dnmapräsident Gutschkow über den An- SiedlungS-Rayon. Der Präsident der Reichsduma, Gutschkow, der auf der Durchreise nach Sofia zum Panslavistenkongreß Odessa passierte, empfing den Vertreter der „Odesskija Nowosty" und hatte mit ihm ein längeres Gespräch über die Juden frage. Gutschkow sprach die Vermutung aus, daß die Gesetzesvorlage wegen Aufhebung des Ansiedlungsrayons von der Duma mit der Einschränkung angenommen werden wird, daß den Juden das Wohnrecht in den Städten, keineswegs aber in den Dörfern eingeräumt wird. Ein Monsterprozeß gegen 307 jüdische» Zahnärzte. Das Moskauer Kreisgericht wird im Herbst einen eigenartigen Monsterprozeß gegen 307 Juden zu führen haben, die beschuldigt werden, sich gefälschter Diplome bedient zu haben, um das Wohnrecht außerhalb des jüdischen Ansiedlungsrayons zu genießen. Es gibt nämlich ein Gesetz, wonach diejenigen Juden, die im Besitze eines zahnärztlichen Diploms sind, überall unbehelligt wohnen dürfen. Um ein solches Diplom zu erlangen, muß man drei Jahre als Gehilfe eines Zahnarztes fungieren. Nun gab es in Smolensk zwei christliche Zahnärzte, die dieses Gesetz zu ihrem Vorteil auszunutzen verstanden, indem sie vielen Juden Zeugnisse ausstellten, daß sie drei Jahre bei ihnen praktiziert hatten, während viele von ihnen nicht einmal in Smolensk waren. Auch einige Staatsbeamte der Medizinalverwaltung (natürlich Nichtjuden) sind an der Affäre beteiligt und kommen ebenfalls wegen Amtsvergehens auf die Anklagebank. Unter den angeklagten 3u7 Juden sind die verschiedensten Berufe vertreten: Bankiers, Kauflente, Aerzte, Ingenieure, Studentinnen, Handelsreisende, Schauspieler, Fabrikanten, Schriftsteller. Die Angeklagten nennen diese Gerichtssache einen Prozeß um ihr Daseinsrecht. Sehen wir doch unter ihnen sogar Aerzte und Ingenieure, die nur deswegen das Wohnrecht nicht besitzen, weil sie ihre Diplome nicht in Kußland, sondern im Auslande erworben haben. Es sind meist solche, die nach Absolvierung einer höhern Schule mit Rücksicht auf die Prozentnorm von den russischen Hochschulen zurückgewiesen wurden. Manche von diesen Geplagten haben dann nachträglich vom Unterrichtsminister die Erlaubnis zum Staatsexamen in Rußland erlangt, andere aber sind willkürlich selbst dazu nicht zugelassen worden. Da haben auch einzelne aus der letztgenannten Kategorie zum Verzweiflungsmittel gegriffen und sich das Diplom eines Zahntechnikers verschafft, um wenigstens an ihren Plätzen ungestört wohnen zu dürfen. biste der Ausgetretenen. Vom 6. bis 20. Juli 1910. (Nr. 266—286.) Berdach Karl, Bankbeamter, geb. 27. Dezember 1892, Wien, DL Bote Löwengasse 19. Chieger Josef, geb. 8. September 1895, III. Hetzgasse 3. Elster Simon, Lehrer, geb. 23. Juli 1846, Krakowiec, I. Graben 29. Hand Martin, Ingenieur, geb. 17. Juni 1882, Wien, IX. Hahng. 12. Orienter Otto, Schauspieler, geb. 11. Juli 1885, Wien, IX. Hebragasse 9. Reif Karl, Schauspieler, geb. 10. August 1890, Franzensbad, II. Stadtgutgasse 3. Sobotka Georg, Kunsthistoriker, geb. 17. Jänner 1886, Wien, IV. Grosse Neugasse 2. Vogel Klara, Private, geb. 9. Dezember 1876, Lippa, IX. Pramergasse 12. Weltmann Oskar, Dr., Prof. Adjunkt, geb. 21. Juni 1885, Wien, X. Kundratstraße 3. Wolff Henriette, Private, geb. 30. März 189«, Wien, I. Börsegasse 12. Singer Stefanie, Private, geb. 16. Jänner 1888, Wien, in. Marxergasse 35. Spritzer Karl, Ingenieur, geb. 16. Jänner 1877, Wien, V. Franzensgasse 13. Buchsbaum Julius, Privatbeamter, geb. 27. November 1871 in Leitomischl, V. Wiedner Hauptstraße 125. Schnabel Carmen, geb. 31. Jänner 1890, Wien, XIX. Friedigasse 53. Ledner Louise, geb. Kuzicka, Goldarbeitersgattin, geb. 1. Dezember 1880 in Budapest, VI. Wäschergasse 4. Raudnitz Ludwig, Kaufmann, geb. 21. Juli 1873, Wien, XIX. Budolfinergasse 8. Bergmann Felix, Kanzlist, geb. 23. August 1885 in Hof (Mähren), VII. Hofstallstraße 7. Silbiger Felicia, Private, geb. 3. Oktober 1883 in Döbling, VII. Lerchenfelderstraße 65. Pollitzer lean (Johann) Dr., Hof- und Gerichtsadvokat, geb. 21. Juli 1875 in Nikolsburg, XVII. Ponitengasse 5. Pollitzer Olga, geb. Borony, Hof- und Gerichtsadvokatensgattin, geb. 21. August 1885 in Wien, XVII. Ponitengasse 5. I^otizen. Als Nachklang zum Saazer Schützen—Jubiläumsfeste wird uns mitgeteilt, daß sich Sr. kais. Hoheit Herr Erzherzog Karl Franz Josef bei Vorstellung des Herrn Schützenhauptmannes von Klösterle nach dem „Klösterle Sauerbrunn" erkundigte und auch dieser anerkannt vorzügliche natürliche Klösterle Sauerbrunn beim Dejeuner zur Verwendung gekommen ist. Wieder ein Beweis, welcher Wertschätzung sich dieser Sauerbrunn unter der bewährten Quellenpachtung des Handelskammerrates Herrn Josef W eher bis in den allerhöchsten Kreisen erfreut. * Als Frucht jahrzentelanger Forschung und als gemeinsames Monument, das die deutsche Wissenschaft, die deutsche Kunsttechnik und der deutsche Verlagsbuchhandel dem Erfinder des Buchdruckes errichten, wird eben ein Neudruck der 42 zeiligen Gutenbergbibel angekündigt. Dieses Werk ist zugleich eine der noch heute vorbildlichen Großtaten des Buchgewerbes und der Abschluß des ersten Entwicklungsstadiums der Gutenbergischen Kunst, worüber der Leiter des Unternehmens, Geheimrat Doktor Schwenke, erster Direktor der Köuigl. Bibliothek in Berlin, in einem Supplementbande mit Reproduktionen der erhaltenen Probeblätter ausführlich und abschließend berichten Avird. Die 42 zeilige Gutenbergbibel umfaßt fast 1300 Seiten, wovon etwa 100 mit Miniaturen in Farbe und Gold geschmückt sind. Das Unternehmen richtet sich in erster Linie an unsere ersten Kunstsammlungen und Bibliotheken. Der wagemutige Insel-Verlag in Leipzig läßt durch die Firma Albert Frisch in Berlin, die eben in der Wiedergabe des Breviarum Grimani eine ähnliche Aufgabe mustergiltig gelöst hat, 300 Exemplare auf Papier zum Preise von 700 Mark, gebunden 900 Mark, und außerdem bis zu 20 Exemplaren auf Pergament zum Preise von 3000 Mark herstellen. Aufruf! An die jüdischen Kultuswähler von Wien! Der Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde Wien hat nachstehendes Zirkular an die Kultussteuerzahler versendet: Euer Wohlgeboren! Im Hinblicke auf die in diesem Jahre stattfindenden Wahlen in den Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde werden die p. t. Steuerträger höflichst aufmerksam gemacht, daß gemäß der §§ 1 und 2 der Wahlordnung nur diejenigen Angehörigen der Kultusgemeinde wahlberechtigt sind, welche bis zum Ablaufe des Reklamationstermins, d. i. bis spätestens 26. September 1910 die Kultussteuer der vorangegangenen zwei Jahre (1908 und 1909) und die Kultussteuer des laufenden Jahres (1910) voll entrichtet haben. Wir fordern daher alle Kultuswähler auf, rechtzeitig ihre Steuer zu zahlen, da ihnen sonst anläßlich der im November d. J. stattfindenden Kultuswahlen ebenso wie im Jahre 1908 ihr Wahlrecht entzogen werden wird. Der Vorstand des „Verband der östlichen Juden" in Wien.

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