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Neue Nationalzeitung · 1910-07-22 · Heft 15 (22.7.1910) · p. Seite 7

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XII (1910)
Issue
Heft 15 (22.7.1910)
Date
1910-07-22
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 15 „Neue National-Zeitung" Seite 7 Man braucht keine Statistik, um zu wissen, daß die Juden physisch hinter anderen Völkern zurückstehen. Gegen wen ist also das Gesetz gerichtet, das Einwanderern mit schwachen Muskeln den Einlaß verwehrt? Die Statistik zeigt, daß die jüdischen Einwanderer die einzigen sind, die wenig Geld nach Amerika mitbringen. Im Jahre 1907 brachten sie durchschnittlich 16 Dollar mit, während die anderen Emigranten durchschnittlich 26 Dollar per Person mitführten. Gegen wen ist also das Gesetz gerichtet, daß jeder Emigrant 25 Dollars vorweisen muß? Es ist kein Zweifel, daß die jüdische Emigration jetzt der einzige Knochen ist, der die Washing- Der türkische Grossvesier über die jüdische Einwanderung nach Palästina. Am 7. Juli hielt die Berliner A. J. K. 0. eine Sitzung ihres Londoner Propaganda-Komitees ab. In dieser Sitzung berichtete Mr. A. E. F r a n k 1 i n, ein Schwager des englischen Postministers Herbert Samuel, über seine Unterredung mit dem türkischen Großvesier betreffs der j üdischen Einwanderung nach Palästina. Das Kommunique der A. J. K. 0. enthält darüber nachstehende Publikation: „In der Frage der jüdischen Einwanderung nach der Türkei erhielt Mr. A. E. Franklin von dem gegenwärtigen Großvesier Erklärungen, die mit den von Hilmi Pascha abgegebenen vollständig übereinstimmen. Die Geschichte würde hinsichtlich der Behandlung, die die ottomanische Nation den Juden angedeihen läßt, sicherlich ein günstiges Verdikt fällen. Wenn die jüdische Einwanderung nach der Türkei zunehmen sollte, so könnte er dafür bürgen, daß die Juden von den Mohammedanern nie belästigt werden würden. Eine unbegrenzte Einwanderung von völlig mittellosen osteuropäischen Juden nach Jerusalem, die dorthin kommen, um von Almosen zu leben, könne nicht gestattet werden, weil das Elend dort schon zu groß sei und eine Gefahr für den Staat bilde. Insoweit aber die Einwanderung sich auf solche Juden beschränken würde, die über genügende Unterhaltungsmittel verfügen, die ein Gewerbe betreiben oder für deren Existenz eine Institution sich verbürgt, wäre er bereit, ihnen die Einwanderung zu gestatten und ihnen das ottomanische Bürgerrecht zu erteilen. Auch sei er geneigt, ^roße Gebiete von den Staatsdomänen für russische und toner Administration würgt. So lange unsere Republik existiert, brauchen wir uns vor Ausnahmsgesetzen gegen die Juden nicht zu fürchten. Aber eine judenfeindliche Administration kann uns sehr weh tun, ohne daß wir sie direkt der Feindschaft beschuldigen können. So steht es heute um die jüdische Emigration nach Amerika und ihre Zukunft hängt von den nächsten Kongreßwahlen ab. Es ist möglich, daß die Washingtoner Politiker auf die Kirchenprediger nicht hören und liberalere Reformen einführen. Nur der freien, unbeschränkten Emigration hat es Amerika zu danken, daß es heute das mächtigste und reichste Land auf der Erde ist. miQKflTION. rumänische Emigranten, welche Ackerbauer werden wollen, zu verkaufen. Die Schaffung industrieller Betriebe durch jüdische Einwanderer würde er ebenfalls als Vorteil für den Staat betrachten." * Eine neue jüdische Kolonie in Texas. Einige in Texas ansässige reiche Juden, denen sich der bekannte Multimillionär Jakob Schiff zugesellt hat, haben zwischen Galveston und Houston 50.000 Acker Land gekauft, auf dem die aus Europa, namentlich aus Rußland ausgewiesenen oder ausgewanderten Juden angesiedelt werden sollen. Nach den Plänen des Ausschusses, der sich mit der Ansiedelung befaßt, soll jede jüdische Familie etwa 20 Acker Landes, ein auf Kosten der Gesellschaft erbautes Häuschen, ein Pferd, eine Kuh und das nötige Arbeitsgerät ^erhalten. Im ersten Jahre erhalten die Ansiedler auch die nötigen Vorräte; die Abzahlung für den Wert des Gutes soll in 25 Jahresraten erfolgen. Eine Emigrationskonferenz in Libau. Der russische Minister des Innern hat die Einberufung einer jüdischen Emigrationskonferenz nach Libau genehmigt. Die Konferenz soll im Laufe dieses Monats stattfinden. Den Vorsitz wird Baron D. Gtinzburg führen. Die Konferenz soll vier Tage dauern. Nur die Vertreter des Emigrationskomitees in Petersburg und seine Vertrauensmänner in der Provinz werden an den Beratungen teilnehmen; Vertreter der Presse sind nicht zugelassen. , Alle Referate und Debatten müssen ausschließlich in russischer Sprache geführt werden. Auf der Tagesordnung steht: 1. Die Regelung der Arbeit der Rayonkomitees und Organisation der Rayons. 2. Versorgung der Emigranten mit Schiffskarten. 3. Hilfeleistung und Auskunft an Emigranten bei Besorgung von Auslandspässen. 4. Aerztliche Hilfe für die Emigranten. 5. Informationsüteratur. 5. Die Tätigkeit des Libauer Komitees und der Grenzkomitees überhaupt. 7. Verschiedene Fragen. Die Konferenz! hätte sich auch mit der Ausarbeitung von Direktiven an alle Vertrauensmänner in der Provinz befassen sollen, dieser Punkt wurde aber vom Minister des Innern gestrichen. *

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