Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XII (1910)
- Issue
- Heft 15 (22.7.1910)
- Date
- 1910-07-22
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 15" ,Neue National-Zeitung" Seite 5 er bewegte sich im Allgemeinen zwischen 100 und 300 Rubel. Die Darlehen werden mit größter Pünktlichkeit zurückgezahlt, und die Kassen erleiden keine Verluste. Die Betriebskosten sind so niedrig wie möglich. Alle Mitglieder haben ein Interesse an dem guten Funktionieren der Kassa, da sie mit mindestens der Hälfte des Kredits, auf welchen sie ein Anrecht haben, haftbar sind. Der Betriebsfonds wird im Allgemeinen gebildet: 1. aus den Einlagen der Mitglieder; 2. aus den in Depot gegebenen Summen, denn die Kassen arbeiten wie Sparkassen und vergüten den Deponenten jährliche Zinsen von 5 bis 7 Prozent; 3. aus den Vorschüssen unserer Gesellschaft, für welche die Kassen — und zwar sehr regelmäßig — normale Zinsen leisten. Wir haben im Jahre 1909 hiefür insgesamt ungefähr 46.509 Rubel vereinnahmt. Unsere Tätigkeit besteht darin, daß wir den Kassen, die gegründet werden (was stets durch örtliche Initiative geschieht) d) alle diejenigen Auskünfte erteilen, welche für ihre Arbeit von Nutzen sind; wir machen ihnen auf diese Weise die früher gesammelten Erfahrungen zunutze und ersparen ihnen die Irrtümer und Schwierigkeiten des Anfanges; b) Vorschüsse gewähren; im allgemeinen erst, nachdem sie eine gewisse Zeit — einige Monate oder ein Jahr — gearbeitet nnd Beweise ihrer Lebensfähigkeit gegeben haben, aber noch nicht genügende Depots besitzen, um fremde Hilfe, die sie zu ihrer Entwicklung brauchen, entbehren zu können. Die Rückerstattung dieser Vorschüsse erfolgt in Abschlagszahlungen je nach dem Zufluß der örtlichen Kapitalien. Wir glauben, daß alle diese Kassen sich im Laufe der Zeit vollkommen selbständig machen werden, außer in sehr kleinen Orten, wo sie mit eigenen Mitteln nicht bestehen können. Man darf behaupten, daß unsere Mitarbeiter, wenngleich sie nur eine vorübergehende ist, für die Kassen eine Lebensfrage ist. 3. Unsere Tätigkeit besteht auch noch darin, den Kassen fortgesetzt unsere Hilfe während der ersten Periode der Entwickelung angedeihen zu lassen, indem wir ihnen alle nützlichen Ratschläge erteilen, hauptsächlich vermittelst Broschüren, Zirkulare etc. Die Verwaltung der Kassen, welche Fonds der I. C. A. besitzen, untersteht einem Inspektionsdienst, den wir organisiert haben. Die Tatsache, daß unsere Gesellschaft den Kassen Fonds gewährt und eine Kontrolle über sie ausübt, steigert natürlich das Vertrauen, das sie der örtlichen Bevölkerung einflößen; deshalb vermehren sich im Allgemeinen die Beträge, welche bei ihnen hinterlegt werden, in beträchtlichem Maße. Dieser Erfolg ermöglicht es den Kassen, den Bedürfnissen ihrer Mitglieder zu genügen und sich von fremder Hilfe zu befreien. Im Jahre 1908 haben 187 Kassen, welche 106.311 Mitglieder umfassen, aus unserem Kredit Nutzen gezogen. Im Jahre 1909 sind in 16 Gouvernements 89 neue Kassen eröffnet worden, wodurch sich die Zahl der von den Juden begründeten Kassen auf 548 vermehrt hat. 270 Kassen, darunter 18 ländliche, haben im Jahre 1909 von dem Kredit der I. C. A. Gebrauch gemacht. Sie zählten am Ende des Jahres insgesamt 147.654 Mitglieder. Das bedeutet von einem Jahre zum anderen eine Vermehrung um 83 Kassen und um über 40.000 Mitglieder. Diese Kassen haben im Laufe des Geschäftsjahres in runder Summe 18,690.000 Rubel an Darlehen bewilligt und die Rückzahlungen der Schuldner sind auf 16,263.000 Rubel gestiegen. Der Betrag des Depots (Sparkasse) belief sich am Ende des Geschäftsjahres auf 5,098.000 Rubel, das Gesellschaftskapital (Einzahlungen der Gesellschafter) auf 18,500.000 Rubel. Die Kassen verfügten am Ende des Jahres über einen Betriebsfonds von annähernd 8 Millionen Rubel. Was ihre Entwicklung betrifft, so ist bei 180 Kassen (7 haben mittlerweile ihre Rechnung beglichen) die Zahl der Mitglieder von 96.942 am 1. Januar 1909 auf 111.132 am 1. September gestiegen, die Summe der Depots von 2,464.786 auf 3,387.759 Rubel (eine Steigerung um 17 Prozent), der Betrag der Anteilscheine von 1,204830 auf 1,343.797 Rubel. Der Durchschnitt des verfügbaren Kapitals ist während dieser acht Monate pro Mitglied von 44.80 auf 52.40 Rubel gestiegen. Die Entwicklung der 79 Kassen, welche nur im Jahre 1909 einen Vorschuß von der I. C. A. erhielten, war nicht minder bemerkenswert. Am 1. September zählten sie 28.899 Mitglieder, also durchschnittlich jede Kasse mehr als 300 und zu dieser Zeit hatte die örtliche Bevölkerung bereits 1,048.852 Rubel eingelegt, davon 631.717 als Depots. Dabei hat die Mehrzahl dieser Kassen damals nur ein Jahr bestanden. Von den 273 Kassen, denen wir seit ihrer Begründung bis Ende 1909 Kapital zur Verfügung stellten (die landwirtschaftlichen nicht einbegriffen) haben 35 ihre Schulden vollständig beglichen, fast alle anderen mit der Rückzahlung begonnen. Die Summen der entgiltigen Rückzahlungen ist im Jahre 1909 bei 160 Kassen auf 168.000 Rubel gestiegen. Im Allgemeinen beginnen die Kassen nach einigen Monaten mit der Rückzahlung, doch bleibt das Geld eine gewisse Zeit zu ihrer Verfügung und sie können, falls sie seiner bedürfen, wieder davon Gebrauch machen. Außer der Summe von 1,450.000 Rubel, welche der Verwaltungsrat bisher dem Werke der Darlehenskassen in Rußland zuwendete, hat er dem Zentralkomitee in St. Petersburg noch einen Kredit von 50.000 Rubel eröffnet, damit es den Kassen kurzfristige Vorschüsse gewähren kann. Es ist zu beachten, daß bei den Darlehenskassen in Rußland unsere Kapitalien, die nur zeitweilig engagiert sind, weniger als ein Siebentel des gesamten Betriebsfonds ausmachen, während sie in Galizien fast ausschließlich mit unseren Mitteln errichtet worden sind. Eine besondere Erwähnung verdienen die in den landwirtschaftlichen Kolonien geschaffenen Derlehenskassen. Im Jahre 1909 haben 18 Kassen dieser Art von unserem Kredit Gebrauch gemacht. Sie arbeiten ganz ausgezeichnet. Neben ihrer eigentlichen Aufgabe, der Gewährung von kurzfristigen Darlehen an die Bauern, widmen sie sich jetzt auch der Verteilung und der Betreibung der langfristigen Darlehen, welche unser Ameliorationsdienst der bäuerlichen Bevölkerung zum Ankauf von Vieh und Maschinen zur Anlegung von Obstgärten, Weinbergen usw. gewährt. Hierdurch ermöglichen sie es unseren Agronomen, den größeren Teil ihrer Tätigkeit der landwirtschaftlichen Ausbildung zu widmen. Diese langfristigen Vorschüsse erreichten im Jahre 1909 die Höhe von 112.902 Rubel und die Kolonisten haben während des Geschäftsjahres von der Gesamtsumme der empfangenen Vorschüsse 57.454 Rubel zurückgezahlt. Die Darlehens-Kasseu in Galizien. Was die Darlehens-Kasse in Galizien betrifft, so ist die Zahl der Mitglieder von zwanzig Kassen i. J. 1909 von 14.334 auf 16.520 gestiegen; 3084 Personen haben Anteilscheine genommen, 898 sind im Laufe des Jahres ausgeschieden. Die Zahl der Anteilscheine betrug 31.683 mit einem eingezahlten Kapital von 316.830 Kronen. Wahrend des abgelaufenen Jahres sind 15.798 Darlehen im Gesamtbetrage von 2,613.060.86 Kronen bewilligt worden (gegen 11.724 mit 2,356.188 i. J. 1908). Die Rückzahlungen beliefen sich auf 2,462.997.25 Kronen (im Vorjahre auf 2.089.482.48 Kronen). Die Darlehen bewegten sich zwischen 50 und 600 Kronen und betrugen im Allgemeinen weniger als 200 Kronen. Der Durchschnitt war 204.18 Kronen. Der Reserve-Fonds hat sich um insgesamt 32.064.52 Kronen (gegen 26.271.17 Kronen i. J. 1908) vermehrt. Die nachstehenden Zahlen zeigen die Gesamtleistungen seit der Begründung bis 31. Dezember v. J.: Bewilligt wurden 62.448 Darlehen im Betrage von