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Neue Nationalzeitung · 1910-07-22 · Heft 15 (22.7.1910) · p. Seite 4

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XII (1910)
Issue
Heft 15 (22.7.1910)
Date
1910-07-22
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 „Neue National-Zeitung" Nr. 15 unter außerordentlich günstigen Bedingungen, wie sie sie sonst nicht finden könnten, Kredit. Für unser Hauptwerk, die Landwirtschaft, bewilligen wir zum Ankauf des Bodens, der Ackergeräte, des Viehs, der Aussaat etc. verhältnismäßig hohe, langfristige Darlehen, die der Bauer in Jahresraten allmählig, je nachdem die Zufälligkeiten, denen er ausgesetzt ist, es gestatten, zurückzahlt. In den Ländern, wo die Masse der jüdischen Bevölkerung, arbeitsam und sehr arm, nur unter überaus drückenden, ja ruinierenden Bedingungen Kredit erhalten kann, in Rußland und Galizien, haben wir eine kurzfristige kleine Kreditgewährung in der Form von Darlehenskassen eingerichtet, welche im geeigneten Moment den Kleinkaufleuten, Handwerkern und Bauern zu niedrigem Zinsfuß Vorschüsse gewährt. Die Darstellung, wie wir für langfristigen Kredit sorgen, und die Erfolge, welche wir dabei erzielt haben, hieße die Geschichte unseres ganzen Kolonisationswerkes in Südamerika wiederholen. Wir werden uns deshalb auf einige Angaben, welche eine näherliegende Zeit betreffen, beschränken müssen. Die Kolonien in Argentinien. In"Argentinien haben wir während des Jahres 1909 in Fortsetzung unserer Unternehmungen 297 neue Kolonisten installiert. Jedem von ihnen gaben wir eine Bodenparzelle und den meisten ein Darlehen von 3000 Dollars zum Bau ihrer Häuser und Nebengebäude, zur Aufführung von Mauern und zum Ankauf von totem und lebendem Inventar. Auf diese Weise haben wir im Jahre 1909 für Installationen die Summe von 665.875 Dollars aufgewendet, den Wert des Bodens nicht inbegriffen. Diese Darlehen werden uns, ebenso wie der Kaufpreis der Ländereien in zwanzig Jahresraten zurückerstattet. Die älteren Kolonisten zahlen ihre früheren Schulden an uns ziemlich regelmäßig zurück. Von den im Geschäftsjahre 1909 insgesamt eingegangenen 815.360 Dollars haben die Kolonisten 499.348 als Rückzahlung geleistet. Außer diesen langfristigen Darlehen stellen wir unseren Kolonisten oder vielmehr ihren Kooperativ-Genossenschaften einen Fonds zur Verfügung, der zur Gewährung von^ kurzfristigen Vorschüssen bestimmt ist. Dank dieser Darlehen können sich die Kolonisten zu geeigneter Zeit und unter günstigen Bedingungen mit Sämereien und mit dem Ackergerät, deren sie bedürfen, versorgen. Im Jahre 1900 betrug dieser Fonds 400.000 Dollars; wir haben ihn soeben auf 450.000 Dollars erhöht. Während seines zehnjährigen Bestehens haben wir keinen Verlust zu verzeichnen; Kapital und Zinsen sind pünktlich zurückgezahlt worden. Die Kolonien in Brasilien. Was die Kolonisten in Brasilien betrifft, so sind sie erst zu kurze Zeit in der Kolonie ansäßig, um mit der Zurückzahlung der Kosten ihrer Installation beginnen zu können. Auch dort haben wir einen Fonds für kurzfristige Darlehen geschaffen, indem wir der Administration eine Summe von 12000 Frcs. zur Verfügung stellten. Eine Kooperativ-Genossenschaft, welche das Mittelglied zwischen den Kolonisten und uns bildet, ist in's Leben gerufen worden. Förderung der Landwirtschaft in Nordamerika. In den Vereinigten Staaten arbeitet unser Kredit-Institut durch Vermittlung der Jewish Agricultural and Industrial Aid Society in New-York, welche ihre Entstehung dem i. J. 1899 abgelaufenen, am 30. September 1900 endgiltig genehmigten Uebereinkommen zwischen unserer Gesellschaft und dem „ Baron Hirsch-Fond" dankt. In seiner Sitzung vom 21. Mai 1899 hat der Verwaltungsrat für zehn Jahre einen jährlichen Kredit von 80.000 Dollars bewilligt, der dazu verwendet werden soll, „uin Israeliten, welche durch politische oder soziale Verhältnisse zur Auswanderung gezwungen sind, auf dem Lande anzusiedeln." Die amerikanische Gesellschaft muß jährlich sechzigtausend Dollar dem gleichen Zweck zuwenden. Das wird erreicht durch Vorschüsse, welche die Gesellschaft jüdischen Bauern auf ihren Landbesitz unter Bedingungen, die sie anderwärts nicht erhalten könnten, bewilligt. Von Anbeginn haben wir der amerikanischen Gesellschaft die Schuldbeträge überlassen, welche früher von uns einer gewissen Zahl von Einzelfarmern und kleinen Kolonien gewährt wurden. Diese Schuldforderungen betrugen im März 1903 zur Zeit der Uebertragung, 181,017.88 Dollars. Während der ersten zehn Jahre ihres Bestehens, von 1900—1909, hat die amerikanische Gesellschaft ihrerseits an Landwirte 1377 Darlehen im Betrage von 763,217.86 Dollars, an Handwerker 170 Darlehen in Höhe von 101,703.98. zusammen also 864,921*84 Dollars, bewilligt. Am letzten 31. Dezember verblieb auf alle Schuldforderungen der Gesellschaft eine Gesamtsumme von 566,334.10 Dollars, und zwar 566,918.10 Dollar Kapital und 9,416.09 Dollars aufgelaufene Zinsen. Am 5. Juni 1909 hat unser Verwaltungsrat das Uebereinkommen auf fünf Jahre erneuert und auf Grund desselben sich verpflichtet, jährlich 80.000 Dollar an die Gesellschaft zu zahlen; diese Summe muß zu Darlehen verwendet werden. Auf Vorschlag derselben Gesellschaft haben wir der Errichtung eines Spezialfonds von 250.000 Dollars zugestimmt, der dazu dienen soll, Terrain-Blocks zu erwerben, welche jüdischen Einwanderern zur Ansiedelung in Gruppen überlassen werden sollen. Wir haben in dieser Hinsicht den Kreis unserer Tätigkeit erweitert. Bisher waren die von der Gesellschaft unterstützten Kolonisten zur Erwerbung der Terrains, die sie ausgewählt hatten, auf die Vorschüsse der Aid Society angewiesen. Ganz in Uebereinstimmung mit dieser unser Wirksamkett beabsichtigen wir, in Argentinien ebenso vorzugehen, und kaufen Ländereien in Blocks, um sie gegen jährliehe Rückzahlungen in kleinen Teilen den Kolonisten zu überlassen. Versuche in Kanada. In Kanada machen wir gründliche Studien, um zu einer dem Lande angepaßten Organisation zu gelangen, und wir sind bemüht, unseren glaubensgenössischen Bauern, die sich dort niederzulassen wünschen, zu helfen. Die bisher in diesem Lande angewandten Methoden unterschieden sich nicht von den anderwärts zur Ausführung gebrachten. Unsere Mitarbeit war hier bisher eine verhältnismäßig begrenzte. Darlehenskassen in Russland. In Rußland, wo das Feld unserer Tätigkeit am ausgedehntesten und von großer Verschiedenartigkeit ist, lassen wir fortgesetzt unsere moralische und materielle Unterstützung der Errichtung und Erhaltung von Darlehenskassen, die auf gesunder Basis organisiert sind, angedeihen, wobei uns zuverlässige Personen in den Orten, in denen die Kassen arbeiten sollen, helfend zur Seite stehen. Es handelt sich um genossenschaftliche Institutionen. Um ein Darlehen erhalten zu können, muß man Mitglied der Kasse sein. Man wird dies durch Zahlung einer Einschreibegebühr, welche im Allgemeinen in den verschiedenen Kassen zwischen 10 und 25 Rubel schwankt; manchmal, aber selten beträgt sie mehr. Die Einschreibegebühr ist also wenig beträchtlich, und bei der Zahlung (in Monatsraten) werden große Erleichterungen gewährt, um die Kassen der großen Masse der vermögenslosen Arbeiter zugänglich zu machen. Die Klientel der Kassen setzt sich, neben den Ehrenmitgliedern, aus Kleinkaufleuten und Handwerkern zusammen. Letztere bilden durchschnittlich ein Drittel der Gasamtzahl der Mitglieder. Der Höchstbetrag der zu gewährenden Darlehen ist für jede Kasse fest bestimmt;

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