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Neue Nationalzeitung · 1910-07-22 · Heft 15 (22.7.1910) · p. Seite 3

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XII (1910)
Issue
Heft 15 (22.7.1910)
Date
1910-07-22
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 15 „Neue National-Zeitung" Seite 3 Lemberg einberufen werden soll, um zur Frage der Rabbinervorbildung Stellung zu nehmen. Es ist sehr erfreulich, daß Dr. Löwenstein und seine Kollegen plötzlich so rührig geworden sind, nachdem sie durch drei Jahre nichts getan haben. So eine Nachricht über die Parlamentsauflösung kann doch wirklich Wunder wirken. POLITISCHE RUNDSCHAU. Das Hausierverbot für Wien. Zur größeren Herrlichkeit des „Gott- Nimm" und seines Anhanges hat der christlichsoziale Handelsminister Weiskirchner im Wege einer Verordnung für Wien ein Hausierverbot erlassen. Der Minister des Innern, Baron H a e r d 11, der durch seine judenfeindliche Gesinnung, und Finanzminister Dr. von B i 1 i n s k i, der als hinterlistiger Intrigant bekannt ist, haben dazu ihr „Einvernehmen" gegeben. Durch das Verbot werden hauptsächlich Juden, und zwar Östliche Juden, getroffen. Dieses Gewerbe, welches ihnen ohne Vorbildung und auf Grund eines bescheidenen Investitionskapitals ihr Leben mühselig zu fristen möglich machte, bleibt ihnen nun vollständig verschlossen. Diejenigen, die es keine vollen drei Jahre betreiben, werden ausgeschaltet. Der Wiener Antisemitismus, dem gerade die offiziellen jüdischen Kreise schon die Leichenrede halten wollten, hat es verstanden, unter der Führung eines k.^k. Ministers und mit Zustimmung zweier weiterer Minister den ärmsten jüdischen Schichten* das Brot zu entreißen. Und es rührt sich keine Partei — auch nicht die Sozialdemokraten — um den jüdischen Hausierern zu helfen. Vielleicht wird es jetzt den. Hausierern klar, wie sie von Dr. Ofner und seinen sozialdemokratischen Hintermännern bisher mißbraucht wurden 1... Die Grunwaldfeier in Krakau verdient, wiewohl sie von der zionistischen Presse ganz totgeschwiegen wurde, eine gebührende Würdigung. Nicht bloß, daß hier ein historisches Ereignis von epochaler Bedeutung für die polnische Nation gefeiert wurde, sondern die großartigen Produktionen der Sokolisten und die Opferwilligkeit eines Paderevski, der der Nation ein Denkmal für 300.000 K zur Verfügung stellte, fordern unsere Bewunderung und unseren Neid heraus. Kein national fühlender Mann konnte sich einer tiefen Rührung erwehren, als er sah, wie die unterdrückten Polen aus Preußen und Rußland herbeieilten, um wenigstens für einige Tage den Hauch der Freiheit einzuatmen und aus der Erinnerung an die Vergangenheit, aus den Umarmungen ihrer Brüder neue Hoffnung für die Zukunft zu schöpfen. Der nationale Jude mochte sich aber dabei denken: Wie lange wird es noch dauern, bis auch aus unserer Mitte ein Paderewski und Tausende von Turnern erstehen werden? Der Schekel-Krach. Die Schekelsammlung für das letzte Jahr weist einen großen Mißerfolg auf. Das zionistische Zentralblatt gibt selbst zu, daß die Institution des Schekels vollständig versagt. In Oesterreich sind bisher K 339.77 (!), in Galizien ist gar nichts eingegangen. Dagegen wurde auf der letzten Jahreskonferenz in Berlin zum ersten Mal ein Jahresbudget aufgestellt, welches nicht weniger als — K 170.300.— beträgt. Davon enfallen auf die Presse allein 61.300.—, auf die „auswärtige" Vertretung K 13.000 und auf Gehälter K 23.000.—. Damit kann man schon ein großes Kontigent von Leuten anstellen und daher durch materielle Vorteile an die Partei ketten .... Aber die Schekel versagen .... Und damit ist wohl der Wert der ganzen Wolffsohn'schen Wirtschaft am besten charakterisiert. General-Versammlung der Jewish Colonization Association. Paris, Ende Juni. Unter Vorsitz des Vizepräsidenten, Herrn Franz Philippson - Brüssel, fand am 25. d. M. die General- Versammlung der Jewish Colonization Association statt. Es erschienen die Herren Justizrat Dr. J. Blau -Frankfurt a. M., Prof. Paul Errera- Brüssel, G. Lousada -London, Dr. A. Netter -Paris, Carl L. Netter -Berlin, Fr. Philippson -Brüssel, Prof. S. Reinach -Paris und James Simon -Berlin. Ferner waren anwesend die Herren Direktoren Dr. S. Sonnenfeld und E. Meyerson, Sekretär Dr. E. Schwarzfeld, D. Cazes und A. Schmoll. Nach Genehmigung des Protokolls der General-Versammlung vom 11. Juli 1909 unterbreitete der Präsident den Bericht über die vorjährige Tätigkeit der Gesellschaft, ferner die Bilanz des Geschäftsjahres 1909 und den Rapport des vereidigten Sachverständigen, der die Buchführung geprüft hat. Der Präsident stellte fest, daß diese Dokumente von der Versammlung genehmigt seien und nahm sodann das Wort zu folgender Ansprache: Ansprache des Vizepräsidenten. Meine Herren! „Sie teilen mit mir das lebhafte Bedauern, heute nicht die Stimme eines Berufeneren, unseres teueren Präsidenten Herrn Leven, zu vernehmen, da die Sorge um seine Gesundheit ihn gegenwärtig von uns fernhält; wir freuen uns, hoffen zu dürfen, daß er, baldigst wiederhergestellt, seine Tätigkeit neu wird aufnehmen können, um, wie bisher, unsere Beratungen mit der Leuchte seiner hohen Intelligenz und seiner reichen Erfahrung zu erbellen. Entsprechend der Vielgesfaltigkeit des Problems, mit dem wir uns beschäftigen, hat unsere Arbeit sehr verschiedene Formen. In Uebereinstimmung mit den Absichten ihres Begründers ist sie vorwiegend bestrebt, die Israeliten in denjenigen Ländern, in denen sie sich der Menschen- und Bürgerrechte erfreuen, zur Bodenbearbeitung zurückzuführen. Das ist vor allem der Charakter unserer Unternehmungen in Argentinien, Brasilien, den Vereinigten Staaten, Kanada und in Palästina. Indessen, um wirksam zu sein, beschränken wir uns nicht auf diese Art der Tätigkeit; auch in den freien Ländern, in welche, wie in den Vereinigten Staaten, eine starke Einwanderung stattfindet, drängen sich andere Aufgaben auf; die Erziehung der Kinder der Immigranten zum Handwerk und die Verbreitung eines Teiles der Neuankömmlinge, welche die ungeheuere Massenansammlung in New-York noch vermehren, über das Innere des Landes. Andererseits können auch die landwirtschaftliche Kolonisation und die Auswanderung nur einer verhältnismäßig kleinen Zahl unserer Glaubensgenossen Rettung bringen; Millionen Israeliten bleiben unter dem Zwang der Verhältnisse in ihren Geburtsländern, wo sie, wie in Rußland, Rumänien, Galizien, verfolgt werden und im Elend leben; es ist unsere Pflicht, das Los der Unglücklichen zu verbessern. Bei ihrer Ausdehnung über sehr verschiedene Gebiete ist unsere Arbeit naturgemäß je nach dem Lande, in welchem sie sich betätigt, anders geartet; indessen bei aller ihrer Vielgestaltigkeit wird sie doch von bestimmten fundamentalen Grundsätzen geleitet. Sie vermeidet es bekanntlich, den Charakter eigentlicher Wohltätigkeit zu tragen. Wir wollen nicht mit vorübergehenden Unterstützungen helfen, sondern die Bedürftigen in den Stand setzen, von dem Ertrag ihrer eigenen Arbeit zu leben. Wenn sie es verdienen, gewähren wir ihnen

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