Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XII (1910)
- Issue
- Heft 14 (8.7.1910)
- Date
- 1910-07-08
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8 „Neue National-Zeitung" Nr. 14 ist, daß der Geschäftsführer Herr M. A. Klausner seine Demission gegeben hat. Die von mir beabsichtigte Demission ist einstweilen unterblieben, weil die zwischen Paris und Berlin schwebenden sachlichen Differenzen einer allseitig befriedigenden Lösung sich nähern. B. Timendorfe r." Palästina. Der Chacham-Baschi Nah um in Jerusalem. Jerusalem. Am Rüsttage des Schabuothfestes landete der Großrabbiner Haim Nahum in Jaffa, wo sich zu seiner Begrüßung ein spezielles Empfangskomitee gebildet hatte. Im Hotel Kaminitz erwarteten ihn die Vorsteher der jüdischen Gemeinde, der Anglo-Palesüne Company, die Mitglieder des Lehrerverbandes, die Direktoren und Lehrer der verschiedenen jüdischen Schulen, die Vertreter der Kolonien, eine Abordnung aus Jerusalem u. s. w. Der Gouverneur, der Bürgermeister und der Polizeihaaptmann von Jaffa, ferner Rabbiner Kuk und vier Mitglieder des Empfangskomitees holten den Großrabbiner vom Schiffe ab und geleiteten ihn in die Stadt. Im Namen des Empfangskomitees hielt Dr. Melman an den Chacham-Baschi eine schwungvolle hebräische Begrüßungsansprache und überreichte ihm im Namen der Jaffaer Judenheit eine Adresse. Noch am selben Tage begab sich Rabbi Nahum mit seinem Gefolge in einem Sonderzuge nach Jerusalem, wo er um halb 4 Uhr anlangte und von einer großen Menschenmenge jubelnd empfangen wurde. Zu seiner Begrüßung halten sich die Rabbiner und Vorsieher der Sephardim und Apchkenasim, die Vertreter der Wöhltätigkeitsanstalten, der Jesehiboth u. s. w. eingefunden. Stadtverordneter David Jellin, der bekannte hebräische Schriftsteller, begrüßte den Chacham-Baschi in längerer hebräischer Ansprache. Dr Levy, Leiter der Anglo-Palestine Co. in Jerusalem, hielt eine türkische Ansprache an den Großrabbiner. Die Vertreter der ascbkenasischen und sephardischen Gemeinden überreichten ihm eine von einem Bezalelscbüler künstlerisch ausgeführte Adresse, die von Rabbi Nabman Betito, Kaimakam-Cbacham- Baschi in Jerusalem, und dem aschkenasischen Rabbiner Chaim Berlin unterzeichnet ist. Von dem Stadtviertel Meah Schearim und an anderen Stellen der Stadt waren Triumphpforten errichtet. Der erste Besuch des Großrabbiners galt der Klagemauer. Von dort begab er sich zum Zivil- und Militärgouverneur. Tags darauf empfing Rabbi Nahum die Besuche der rabbinischen und weltlichen Vertreter der verschiedenen jüdischen Gemeinden, der jüdischen Unterrichts- und Wohlfahrtsanstalten u, s. w. Auch der Gouverneur 0 s m i B e y stattete dem Großrabbiner einen Besuch ab. Gelegentlich der Anwesenheit des Großrabbiners in unserer Stadt wurde ihm vom Empfangskomitee ein Memorandum überreicht, in welchem die Hoffnung ausgesprochen wird, daß der Cbachambaschi als oberster Vertreter der Judenheit des ottomanischen Kaiserreichs die Rechte der jüdischen Nation im Reiche energisch schützen werde. Insbesondere erwarte man von ihm auch fernerhin ein energisches Eintreten für die Aufhebung des r o t e n Z e 11 e 1 s, der als nationale Schmach von allen Juden schwer empfunden werde. Wie verlautet, ist es Rabbi Nahum bereits gelungen, den Frieden in der sephardischen Gemeinde herzustellen und dürfte die endgültige Ernennung des neuen Chacham-Baschi von Jerusalem, den beide streitenden Parteien als ihr religiöses Oberhaupt anerkennen werden, bereits in den nächsten Tagen erfolgen. - (Anmerkung der Redaktion: Inzwischen ist bereits Rabbi J ae o b'ä'M ei er in Saloniki zum Gr o ßTab biri e f von Jerusalem ernannt worden. Rabbi Jakob Meir hat der „N. J. K." auf deren telegräphische Anfrage mitgeteilt, es sei noch nicht bestimmt, ob er das Jerusalemer Rabbinat annehmen werde. In den nächsten Tagen begibt sich R. Jakob Meir nach Marienbad zur Kur und wird erst nach seiner Rückkunft der Jerusalemer Gemeinde seinen endgültigen Entschluß mitteilen. G5MEINU2=onö V5R£kNSNMftRitWW Kremsier. (Einweihung der neuen Synagoge.) Am 3. d. M. fand die Einweihung der nach den Plänen des Architekten J. Gärtner erbauten Kaiser Franz Josef I.-Jubiläums-Synagoge, um deren Errichtung sich besonders der Aror- Steher der Gemeinde Ign. Knöpfelmacher bemüht hatte, statt. Fast die ganze Bevölkerung dieser Stadt nahm an dem Feste teil. Es war ein wahrer Ehrentag für die Gemeinde und das Judentum. Das prachtvolle Gotteshaus erstrahlte im elektrischen Lichterglanze. Beim Anzünden des ewigen Lichtes sprach Rabbiner Dr. J. F r e i m a n n aus Holleschau, die Weiherede hielt der Ortsrabbiner Dr. A. Fr an kl-Grün, tschechisch redete sehr wirkungsvoll Rabbiner Prof. Dr. Julius Reach aus Gayä. Der Nachmittag versammelte eine stattliche Zahl von Teilnehmern am Feste bei einem Mahle, wo Herr Vorsteher Knöpfelmacher, der allgemein beglückwünscht wurde, den Kaisertoast ausbrachte. Viele andere Tischreden wurden gehalten,, zum Schluße sprach Prof. Dr. M. G r ü n f e 1 d einen jubelnd aufgenommen Toast auf die Jugend unseres Volkes. — Der alte Tempel stammt aus dem 17. Jahrhundert und bleibt als ein historisch denkwürdiger Bau bestehen. Mit dem neuen Tempel haben die Gemeinde Kremsier und ihr Vorstand sich ein ewiges Denkmal gesetzt. Er bildet eine Zierde für die Stadt, ein Wahrzeichen für die Eintracht, die dort zwischen den Konfessionen,, gewiß etwas Seltenes in unserer Zeit, herrscht. ^US ftLLEti WElSt«L6N' Die „Judenfrenndliehkeit" der Magyaren. Die Wiener Antisemiten pflegen die Judäo-Magyaren als das Muster des Philosemitismus hinzustellen. Wie es damit jenseits der Leitha wirklich bestellt ist, beweist die Ernennung des außerordentlichen Professors Ludwig Nekäm zum ordentlichen Professor der Dermatologie an der Budapester Universität. Der „Pester Lloyd" bemerkt hierzu, daß man von langer Hand darauf hingearbeitet habe, dem einzig hierfür geeigneten Mann, dem ordentlichen Professor Dr. Ludwig T ö r ö k den Weg zu dieser Lehrkanzel zu verlegen. Obwohl Prof. Töiök vom Referenten der medizinischen Fakultät für den zur Ernennung Berufenen erklärt wurde, schlug die Fakultät, weil Professor Török Jude ist, Professor Marschalko vor. Allein auch dieser sollte die Professur nicht erlangen, weil er Freimaurer ist und der Klausenburger Bischof Majlatb, ein Intimus des Thronfolgers Franz Ferdinand, für den klerikalen Bewerber Ludwig Nekäm seinen ganzen Einfluß aufbot. So kam es, daß der Universitätssenat unter Vorsitz des klerikalen Rektors Professor Säghi die Ernennung Nekäms vorschlug und durchsetzte. Hierzu ist noch folgendes zu bemerken : Das Gutachten der medizinischen Fakultät enthält tatsächlich den Hinweis auf Török als den einzig wirklich Berufenen, Török ist auch unter den Bewerbern der einzige, der in der wissenschaftlichen Welt Europas einen Namen hat, wo man ihn und Philippson in Palermo als den Begründer^einer neuen dermatolögischen Methode kennt. Aber der Umstand, daß er Jude ist, macht seine Ernennung auch unter dem neuen „liberalen* Regime unmöglich. Dafür schimpfen die parlamentarischen HÜligäris im östeireicHseheri Parlament um soheftiger, daß Ungarn verjudet ist. - T