Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XII (1910)
- Issue
- Heft 13 (24.6.1910)
- Date
- 1910-06-24
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 13 „Neue National-Zeitung" Seite 7 Deutsches Reich. Die Entlassung des Herrn M. A. Klausner. Berlin, den 20. Juni. (Orig.-Korr.) In Ihrer letzten Nummer bringen Sie die auch hier mit großem Interesse aufgenommene Meldung von einer Loslösung der Deutschen Konferenzgemeinschaft von der Pariser Zentrale der Alliance Israelite Universelle: eine Nachricht, die mit umso gespannterer Aufmerksamkeit beachtet wurde, als in ihr jene vielartigen Gerüchte von einer Spaltung innerhalb der Alliance zum erstenmal positiveren Ausdruck fanden. Inzwischen erfahre ich von Vorkommnissen, die zwar geeignet sind, jenes Gerücht zu dementieren, die aber dafür eine Wendung in der Alliance- Affäre hervorriefen, über deren Konsequenzen heute noch kein annäherndes Bild zu geben ist. Bisher galt als sicher: es geht etwas vor! Man wußte eben nur nicht — was? Wie ich soeben aus unzweifelhaft. gut informierter Quelle erfahre, hat der Geschäftsführer der Deutschen Konferenzgemeinschaft, Herr M. A. Klausner, seine Stelle niedergelegt. Ohne Frage ist mit dieser Demission der Konflikt zwischen Berlin und Paris endlich erledigt. Aber da im selben Augenblicke auch einige hervorragende Mitglieder des Berliner Vorstandes, darunter der Präsident Timmendorfer, zur Demission entschlossen sind, so erscheint die weitere Existenz der D. K. G. gefährdet. Herr Klausner, welcher seit Jahren für die Loslösung der hiesigen Alliance von Paris agitiert hat, ist das Opfer seiner mißlungenen Agitation geworden. Die Losmachung von Paris, eine Konzession an die deutschtümelnden Chauvinisten, ist schließlich an dem Widerstand eines großen Teiles des hiesigen Vorstandes gescheitert und Herr Klausner, der sich bereits zu sehr engagiert hatte, mußte die Konsequenzen ziehen . .. Es darf aber auch andererseits nicht übersehen werden, daß das Verhältnis der hiesigen Alliance zu Paris bereits heute den Gegenstand eifriger Polemik in der deutschen Presse bildet und daß auch das Auswärtige Amt nicht ohne Interesse der Entwicklung der Dinge zusieht. Gerade in den letzten Tagen las ich in der „Deutschen Marokko-Zeitung" einen Artikel: „Deutschland und die Tätigkeit der Alliance Israelite Universelle in Marokko". Der ganze Artikel ist lediglich eine Vernaderung der patriotischen Gefühle der reichsdeutschen Juden, die der Pariser Alliance angehören. Allerdings bemüht sich der Verfasser auch nachzuweisen, daß die Juden in Marokko von Frankreich nichts zu erwarten hätten, da ihnen Deutschland freundlicher gesinnt sei. Und das wird alles geschrieben, weil in den Alliance- Schulen in Marokko französisch und nicht deutsch gelehrt wird ... Nordamerika. Der Verband der galizischen und Bukowinaer Juden in Nordamerika. New York, den 10. Juni (Orig.-Korr.) Es ist vielleicht in Europa noch wenig bekannt, daß sich die galizischen und Bukowinaer Juden in Nordamerika vor sieben Jahren eine Organisation geschaffen haben. Diese Organisation hat sich im Laufe der Zeit vergrößert und hat den galizischen und Bukowinaer Juden schon große Dienste geleistet. Der Verband hat viele Zweigvereine in New York und unterhält ein eigenes Spital für seine Mitglieder. Das Vereinsmögen beträgt 42.963-31 Dollars (zirka 200.000 Kronen). Am 5. Juni begann hier die siebente Jahreskonferenz des Verbandes, die drei Tage dauerte. Anwesend waren 1300 Delegierte. Der Präsident des Verbandes, Mr. Semmel, schilderte die schwere, aber erfolgreiche Arbeit des letzten Jahres. Die Rede wurde von den Delegierten mit großer Begeisterung aufgenommen. Die Anträge der Verbandsleitung fanden allgemeine Zustimmung. Es wurde der Beschluß gefaßt, in New-York ein Arbeitsvermittlungs-Bureau für jüdische Einwanderer aus Galizien zu eröffnen. Auf Antrag des Präsidenten wird dem verstorbenen Dichter Naftali Zwi Imber ein Denkmal errichtet werden. Zu diesem Zwecke wurde auf der Konferenz eine Sammlung eingeleitet. Die siebente Jahreskonferenz des Verbandes der galizischen und Bukowinaer Juden in Amerika hat den Beweis erbracht, daß das Zusammengehörigkeitsgefühl unserer osteuropäischen Volksgenossen in Amerika erstarkt ist. Alle jüdischen Blätter rühmen unseren Verband als Muster und Vorbild jüdischer Solidarität. GgMSiNU5=üN& VSREiNSNÄlRRitWW Wies. (Feierliche Einweihung des Volks-Speisehause3 de* humanitären Vereines „Achwah".) Sonntag, am 29. Mai d. J., fand die Einweihung der im II. Bez., Herminengesse 8, gelegenen aus sechs bequemen, hygienisch eingerichteten Räumen bestehenden Speisehalle slaü. Es erschienen die Herren Rabbiner Dr. Schmiedl, Dr. Feuchtwang und Fürst, die Abgeordneten Dr. Gabel und Stand, Gemeinderat Neustadt 1, Sekretär der isr. Kultusgemeinde Dr. Adler und Vertreter vieler Wiener isr. Tempel- und Wohltätigkeitsvereine sowie aller jüdischen Studentenvereine. In der reich mit Pflanzen geschmückten Speisehalle begrüßte der Obmann de» Vereines, Herr Hammer, die erschienen Festgäste, legte die Ziele ^des Vereines dar und bat um eifrige Unterstützung der Vereinsziele. Hierauf sang Herr Oberkantor Sehorr mit seinem Chor den Psalm 30. Herr R.-Abg. Stand hielt die Festrede. Dann sprachen noch die Herren Waldmann und Taubes. Bei dem hierauf folgenden Rundgange durch die Räume der Speisehalle wurde allgemein die musterhafte Einrichtung gelobt, die an Reinlichkeit und Hygiene nichts zu wünschen übrig läßt. 4ft ALLEN WElttCiLCN Die Jewish Agricultural and Industrial Aid Society in New-York schafft uns in ihrem letzten Jahresbericht einen Einblick in die imposanten Dimensionen der Maßnahmen, welche von dieser Gesellschaft zur Hebung der landwirtschaftlichen und industriellen Unternehmungen unter den Juden ergriffen werden. Im letzten Jahre sind an 311 Farmer Darlehen im Gesamtbeträge von über 700.000 Fr. gewährt worden. Zirka zweieinhalb- Millionen sind ausstehend. Die belehnten Farmer befinden sich in 20 Staaten der Union (Alabama, Arkansas, Oklahoma, Montana, Wyoming, Texas u. a.) auch in Kanada. Die Gesellschaft begann vor 10 Jahren mit 70.000 Fr. und ihr Tätigkeitsbereich beschränkte sich damals blos auf 2 Staaten. Der Bericht gibt, meint der »Jewish Tribüne", eine drastische Antwort auf die Behauptung Mancher, die Juden und speziell die Einwanderer nach Amerika hätten eine starke Abneigung gegen die mit schwerer körperlichen Arheit verbundene Landwirtschaft.