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Neue Nationalzeitung · 1910-06-24 · Heft 13 (24.6.1910) · p. Seite 6

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XII (1910)
Issue
Heft 13 (24.6.1910)
Date
1910-06-24
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 „Neue National-Zeitung" Nr. 13 3. Unterstützung der Emigranten bis zum Zeitpunkte, wo sie auf den neuen Plätzen mit Hilfe der Gesellschaft Arbeit gefunden haben; 4. Erleichterung bei der Beschaffung eines Auslandspasses. 5. Gewährung einer unentgeltlichen ärztlichen Untersuchung. Die Informationstätigkeit hatte überaus große Dimensionen angenommen, was durch die Anzahl der eingelaufenen schriftlichen Anfragen (4292) und diejenige der schriftlichen Antworten (10627) illustriert wird. Behufs Popularisierung des Galveston-Unternehmens gab die Gesellschaft eine Reihe Flugschriften in russischer und jüdischer Sprache heraus. So erschien neulich in einer Auflage von 20.000 Exemplaren eine Broschüre in Jüdisch unter dem Titel: „Was gab uns die Galveston-Emigration.* Von einer anderen Broschüre über die wissenswerten Bedingungen der Galveston-Emigration waren 23.000 Exemplare zur Verteilung gelangt. Mehr als 50.000 Flugblätter über spezielle Fragen waren außerdem in der Berichtsperiode gedruckt worden. In verschiedenen Städten des Ansiedlungsrayons sind Vertreter der Gesellschaft etabliert worden, um an Ort und Stelle den Reiselustigen Auskunft zu erteilen. Zu Ende des Jahres 1909 waren im ganzen 77 solcher Vertreter vorhanden. Seit Neujahr hat sich die Zahl derselben bereits bedeutend vergrößert. Die jüdische Emigrationsgesellschaft in Kiew spedierte vor einigen Tagen die 41. Emigranten-Partie nach Galveston. Die Zahl der Emigranten erreichte diesmal eine bis jetzt noch nicht beobachtete Höhe von 325 Personen (293 Männer und 42 Frauen). Die größere Hälfte, nämlich 58,5% stammen aus den südwestlichen Gouvernements (Kiew, Wolyn, Podolsk und Tschernigow). Gleichzeitig macht sich aber auch ein Wachsen der Emigrantenzahl aus Litauen (23°/0) bemerkbar. Die übrigen 18,5% sma" aus Polen und Stidrußland. 48%, also fast die Hälfte, sind Handwerker, 25% Kleinkrämer und Handelsangestellte. Handlanger und Personen ohne bestimmte Beschäftigung zählte die Partie zirka 27%. Die 42. Partie verläßt die russische Grenze am 10. (23.) Juni. * Auswanderung nach Kanada. In Kanada sind in der letzten Zeit neue gesetzliche Einwanderungsnormen in Wirksamkeit getreten. Im Sinne der derzeit geltenden Vorschriften werden zur Landung in Kanada nicht zugelassen: 1. Schwachsinnige, Epileptiker, Wahnsinnige, dann jene Personen, welche innerhalb der letzten fünf Jahre geisteskrank waren; 2. Einwanderer, welche an einer ekelerregenden oder ansteckenden Krankheit leiden; •r^r. 3. Einwanderer, mit körperlichen Gebrechen, wie Stumme, Blinde etc., ausgenommen, wenn solche Personen in Begleitung von Familienangehörigen oder zu Familienangehörigen in Kanada reisen und die Gewähr dafür geboten ist, daß sie der öffentlichen Mildtätigkeit nicht zur Last fallen werden; 4. Personen, welche wegen eines gemeinen Verbrechens vorbestraft erscheinen; 5. Prostituierte sowie Frauenspersonen, welche in der Absicht auf Prostitation nach Kanada kommen und deren Zuhälter; 6. Personen, welche gänzlich oder zum Teil auf Kosten von Wohlfahrtsinstitutionen oder auf öffentliche Kosten nach Kanada transportiert wurden. Europäische Einwanderer müssen bei der Landung außer einer bezahlten Fahrkarte bis zu ihrem Bestimmungsort eine Barschaft von mindestens 25 Dollars vorweisen. Die privaten Einwanderungsvermittler dürfen von nun an nur auf Grund einer besonderen behördlichen Bewilligung den neuankommenden Einwanderern am Landungsplatze an die Hand, gehen, ihnen, die weiteren Eisenbahnfahrkarten, die Expedition des Reisegepäckes u,; s. w. besorgen. Die kanadische Regierung stellt den Einwanderern entweder Regierungs-Freiland oder verkäufliches Land zur Verfügung. Dasselbe wird gegen die feste Eintrittsgebühr von 10 Dollars (50 Kronen) unter bestimmten Bedingungen, welche durch das Heimstättengesetz vorgeschrieben sind, überlassen. * Ohne 25 Dollar — zurück! Man versuchte mehrfach, die Verordnung des Einwanderungskommissärs in New-York, laut welcher jeder Einwanderer 25 Dollars Bargeld haben muß, außer Kraft zu setzen. Dies ist jedoch, wie man dem „Atlas" aus New-York berichtet, nicht gelungen. Die 25 Dollars werden von jedem,, der das Land betreten will, unnachsichtlich gefordert. Jedermann muß diese Summe als sein Bargeld aufweisen, sonst muß er zurück in die alte Heimat. * Staatliche Auswanderung in Russland. In Rußland befaßt man sich mit der Idee, die Auswanderung zu verstaatlichen. Es wird schon eine geraume Zeit lang über diese Frage enkeltiert und debattiert — ohne Resultat. Denn die Schiffe hätten zwar Passagiere zur Hinfahrt, aber keine Frachten und zur Rückfahrt weder Passagiere noch Frachten. Auf diese Weise lohnt sich aber der Betrieb nicht, in welchen man zumindest hundert Millionen für größere Dampfer investieren müßte. ]&RRSSPOND?NZgN Oesterreich-Ungarn. Reverend William Hechler. Wien. Reverend William Hechler, der 25 Jahre* hindurch als Kaplan der hiesigen englischen Botschaft verdienstlich gewirkt hat, ist in den Ruhestand getreten und wird demnächst zu dauerndem Aufenthalt nach' London übersiedeln. In Würdigung seiner langjährigen Dienste als Seelsorger und als Zeichen der Hochachtung: haben die englische Kirchengemeinde in Wien sowie eine Reihe anderer Mitglieder der englischen Kolonie1 dem scheidenden Reverend Hechler eine elegant ausgestattete Adresse nebst einem Ehrengeschenk in Gold gewidmet, deren Ueberreichung in Anwesenheit einer Reihe angesehener Mitglieder der britischen Ko^ lonie auf der englischen Botschaft durch den Vorsteher; Sir Fair fax Gartwright erfolgt ist. Reverend Hechler ist als Freund und Förderer der zionistischen Bewegung bekannt. Er wurde im Jahre 1896 durch Dr. S. R. Landau für die zionistische Idee gewonnen und dann von demselben mit Dr. Theodor Herzl bekannt gemacht. Seitdem war Reverend Hechler, der persona grata beim Großherzog von Baden war, bemüht, seine Verbindungen der zionistischen Ideedienstbar zu machen; sein Verdienst war es, daß sich der. Großherzog von Baden so lebhaft für die zionistische- Bewegung interessierte und die ihm verwandten Souveräne in wohlwollender Weise; darüber informierte^ Reverend Hechler war: wiederholt als Gast bei den zionistischen Kongressen anwesend, wo er über die- Geographie Palästinas Vorträge hielt.

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