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Neue Nationalzeitung · 1910-06-24 · Heft 13 (24.6.1910) · p. Seite 5

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XII (1910)
Issue
Heft 13 (24.6.1910)
Date
1910-06-24
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 13 „Neue National-Zeitung" Seite 5 Sehr geehrter Herr! In Erwiderung Ihrer gesch. Anfrage beehre ich mich mitzuteilen, daß infolge vonDifferenzenzwischendem Oberrabbiner und einigen Großselcherfabriken das Rabbinat mit einem Issur gegen drei Firmen vorgegangen ist, infolge dessen aus den Inseraten dieser Finnen das Wort „Koscher" in den Spalten der „Oesterr. Wochenschrift" weggelassen wurde, während bei Inseraten jener Selchereien, welche sich den Verfügungen des Rabbinates unterworfen haben, das "Wort „Koscher" beibehalten wird. Welchen Anlaß das Rabbinat zu seinem Schritte hatte, i s t uns nicht näher bekannt. (!) Durch die von uns getroffene Verfügung über die Inserate ist unsere Stellung zu dieser Frage hinlänglich angedeutet und jedem Leser hinreichend verständlich. Mit vorzüglichster Hochachtung ganz ergebenst Dr. Bloch m. p. Wir glauben, daß nunmehr der Herr Oberrabbiner Dr. Güdemann es seiner Würde und seinem hohen Amte schuldig ist, diesen Fall, respektive die Natur dieser »Differenzen" aufzuklären. Wenn das Rabbinat ausdrücklich kundgibt, daß es eine Issur erläßt, weil jemand Trefe-Fleisch verarbeitet, das Gemeindeorgan aber diese Kundgebung verschweigt und derselben Differenzen mit dem Oberrabbiner unterschiebt, deren Ursachen sie nicht zu kennen vorgibt, so hat die jüdische Oeffentlichkeit ein Recht darauf, eine Aufklärung zu verlangen. Sonst wäre es kein Wunder, wenn die jüdische Oeffentlichkeit noch den schuldigen Respekt vor dem Oberrabbiner verlieren würde. DIE JÜDISCHE EniQKflTION. •ä; # N»t,5 » JA i i ---■;v1.- w' r A r°vc^W' Wohin? Der Berliner „Hilfsverein" im Dienste der Emigration. „Der Hilfsverein der Deutschen Juden" in Berlin unterhält ein eigenes „Zentralbureau für jüdische Auswanderungs- Angelegenheiten". In dem soeben erschienenen Jahresberichte dieses Vereines für das Jahr 1909, wird auch die umfangreiche Tätigkeit dieses Zentralbureaus ausführlich geschildert. Diese Tätigkeit ist geradezu immens und beweist, mit welchem Eifer jetzt in Deutschland und speziell in den deutschrussischen Grenzorten sowie in den deutschen Hafenstädten seitens opferwilliger Komitees im Interesse unserer unglücklichen russischen Brüder gearbeitet wird. Diesem Berichte entnehmen wir, daß im vergangenen Jahre 15.564 jüdische Auswanderer durch die Organisation des Hilfsvereines befördert worden sind. Die jüdische Auswanderung betrug im Jahre 1909 nach der Statistik des Hilfsvereines über Hamburg 25.572 Personen, über Bremen 12.335 Personen. Für Auswanderungszwecke hat der Verein 250.000 Mark ausgegeben. In Bremen wurden 1400 Personen bekleidet und verpflegt, in Hamburg 4000 Personen, in Berlin 1200 Personen. Weiters unterstützte der Hilfsverein außerhalb Deutschlands das „Informationsbureau für jüdische Auswanderer8 in Basel mit 1500 Francs, das „Hilfskomitee für russische Juden" in Kopenhagen sowie mehrere Informationsbureaus im Osten (Warschau, Kiew usw.) Was im Laufe seiher fünfjährigen Tätigkeit das Zentralbureau geleistet, sagen uns folgende trockene Ziffern: Die Hilfe der Komitees des Hilf ^Vereins haben Befördert durch den HUfsin Anspruch genommen (für Beförderung, Ververein wurden. pflegung, Bekleidung, Heilung etc.) 1905 8.698 1905 10.000 1906 12.328 1906 60.751 1907 12.871 1907 36.000 1908 6.716 1908 18.000 1909 9.038 1909 15.000 49.654 139.751 Die Mittel, die durch den Hilfsverein für die Auswanderung aufgewendet worden sind, waren: 1905 .......... 260.000 Mk. 1906 .......... 453.000 „ 1907 .......... 400.000 „ 1908 .......... 237.000 „ 1909......... . 250.000 „ 1,600.000 Mk. In den letzten fünf Jahren sind annähernd 700.000 Juden ausgewandert, davon 2/s aas Rußland. 593.500 in runder Zahl wandten sich nach den Vereinigten Staaten. Mehr als die Hälfte aller Auswanderer, 416.000 ungefähr, mußten ihren Weg durch Deutschland nehmen. 139.000 haben die Hilfe des Komitees in diesen fünf Jahren in Anspruch genommen. 49.654 Emigranten ermöglichte es die Erreichung ihres Reiseziels, der Rest mußte in der verschiedensten Weise auf der Wanderung Unterstützung erhalten. Diese Tätigkeit verlangte die Aufwendung von 1,600.000 Mark. Es ist angesichts des tragischen Schicksals unserer auswandernden Volksmassen erfreulich zu sehen, wie die Judenschaft in Deutschland eine imposante Hilfsaktion entwickelt hat. Umso beschämender ist die Rolle, welche die offiziellen Vertreter der österreichischen Judenschaft spielen. Sie sitzen auf ihren Geldsäcken und ihr Ehrgeiz sowie ihr Horizont reichen bis zum Stephansturm. * Die Galveston-Emigration. Dem soeben im Broschürenformat erschienenen Berichte über die Tätigkeit der „Jüd. Emigrationsgesellschaft" in Kiew für die Zeitperiode vom 1. Juni bis 31. Dezember 1909, entnehmen wir einige interessante Einzelheiten. Die Tätigkeit der Gesellschaft erstreckte sich unter anderem auf folgende Gebiete: 1. Informationserteilung üher alle für die Emigranten in Betracht kommenden Fragen; 2. Ablenkung der Emigranten von den überfüllten Einwanderungszentren nach neuen Punkten;

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