Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XII (1910)
- Issue
- Heft 12 (10.6.1910)
- Date
- 1910-06-10
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 12 »Neue National-Zeitung' Seite 7 das ganze wirtschaftliche Leben würde diese Vereinheitlichung des Wochenfeiertages einen unermeßlichen Gewinn bedeuten. Auch in den Schulen würde es hinsichtlich der gleichmäßigen Ausbildung der Schüler als eine willkommene Aenderung begrüßt werden, wenn die Kinder jüdischer Konfession nicht gezwungen sein werden, ein Kompromiß einzugehen, indem sie zwar Samstags die Schulen besuchen, dort aber sich aller Schreibarbeiten enthalten müssen. Weder konfessionelle, noch religiöse Bedenken, weder solche auf der einen, noch solche auf der anderen Seite widerstreben der Vereinheitlichung des Wochenfeiertages, wie sie bei Einführung der Kalenderreform mit Beginn des Jahros 1911 ohne Zwang möglich wäre. Dagegen, meint das zitierte Blatt selbst, würden sich dieser Reform zu einem anderen Termine nicht unwesentliche Schwierigkeiten entgegenstellen, da die einfache willkürliche Verlegung des Sabbaths auf den Sonntag bei der strenggläubigen Judenschaft auf unbesiegbaren Widerstand stoßen würde. Politische Massenverhaftungen in Lodz. In Lodz sind dieser Tage in intelligenten jüdischen Kreisen Verhaftungen und Haussuchungen en masse vorgenommen worden. Ungefähr 100 Personen sind verhaftet worden, größtenteils Lehrer, Rechtsanwälte und Handelsreisende. Die jüdischen Vereine „Harfe" und „Brüderliche Liebeil und der jüdische Textilarbeiterverband wurden geschlossen. Auch aus Wilna wird übe r Verhaftungen und Haussuchungen in den Kreisen dar jüdischen Intelligenz berichtet. Das Judentum in den Vereinigten Staaten. Am 26. Mai beginnt Herr Dr. phil. et theol, Emil G. Hirsch, Professor an der Universität von Chicago und Rabbiner der Chicago Sinai-Gemeinde, an der Berliner Lehranstalt einen Zyklus von vier Vorträgen über: „Das Judentum in den Vereinigten Staaten". Die Vorträge behandeln: 1. Die Einwanderung der Juden in Amerika; ihre staatliche und gesellschaftliche Stellung. 2. Organisation des amerikanischen Judentums; die religiösen Parteien. 3. Der amerikanische Rabbiner und seine Wirksamkeit. 4. Gemeinnützige jüdische Anstalten. Ziele der jüdischen Wohlfahrtsbewegung in Amerika. — Verhältnis von Synagoge und Kirche. — Maimonides Abhandlung „Ueber die Hämorrhoiden". Wie Dr. Tänzer in der „Allg. Z. des J." berichtet, wird in nächster Zeit eine kritische Bearbeitung der noch unedierten Abhandlung des Maimonides „Ueber die Hämorrhoiden", mit Hinzuziehung einer im Jahre 1265 von dem Arzte Salomo ibe A j j u b zu Boziero gefertigten Abhandlung gleichen Thema aus der Feder Kroner's erscheinen. Forschungsreisender Hermann Burchardt, der im Dezember vorigen Jahres auf einer Forschungsreise in Jemen ermordet wurde, ist in Berlin auf dem jüdischen Friedhof in der Schönhauser Allee bestattet worden. Unter den Trauergästen sah man zahlreiche Mitglieder der Berliner Gesellschaft für Erdkunde und der Geographischen Gesellschaft, ferner mehrere Universitätsprofessoren. Die Gedächtnisrede hielt Rabbiner Dr. B 1 u m e n t h a 1. Er zeichnete in kurzen Zügen ein Lebensbild des Heimgegangenen und hob dessen Verdienste als Forscher hervor. Dann wurde der Sarg mit den Ascheresten — die Leiche ist nach der Ankunft im Bremerhaven in Bremen verbrannt worden — nach der Gruft getragen und unter dem üblichen Gebet beigesetzt. Georg Brandes' Austritt aus der jüdischen Gemeinde. Georg Brandes, der berühmte Literaturhistoriker in Kopenhagen, hat vorige Woche seinen Austritt aus der jiidisclien Gemeinde, deren zahlendes Mitglied er bis dahin gewesen, offiziell angemeldet. Als Grund für diesen Schritt gibt Brandes die Zwistigkeiten, welche die Fuhrer der Gemeinde mit ihrem Oberrabbiner Dr. Lewenstein haben. Georg Brandes erklärt, daß die Gemeindeleitung ihrem depossedierten Oberrabbiner gegenüber sich im Unrechte befinde. Allerdings war Brandes auch bisher nur nominell Jude. Kaiser Wilhelms Beziehungen zu Juden. In dem jüngst erschienenen Buehe des früheren Regierungsrates Martin „Deutsche Machthaber" ist ein Kapitel auch den Beziehungen des Kaisers zu den Juden gewidmet. Wir lesen da: „Der Kaiser hat wiederholt bei Emil Rathenau, James Simon (Präsident des „Hilfsvereines der Deutschen Juden"), bei Frau Konsul Staudt in der Privatwohnung den Tee oder einen Imbiß genommen. Bei dem Bankier Delbrück ist der Kaiser als Jagdgast mehrfach auf dem Rittergute abgestiegen. Auch die Mendelsohnsche Villa im Grunewald hat er wiederholt besu ht und bei der inneren Ausstattung sind die Ratschläge des Kaisers beachtet worden". Wie man weiß, begleitete Walter R a t h e n a u den Staatssekretär Dernburg nach Deutsch-Ostafrika. Er tat es auf eigene Kosten, aber, wenn man Martin glauben darf, nicht ganz ohne amtlichen Auftrag. „Denn Fürst Bülow hatte ihn gebeten, sich des Staatssekretärs der Kolonien auf dieser Reise recht anzunehmen, da Dernburg in den Formen des Verkehrs etwas nachlässig sei!" „Seit fast einem Jahrzehnt weiß man in Berlin, daß der Kaiser sich gern mit den Rathenaus unterhält. Er war beim Fürsten Henckel Donnersmarck auf dem Pariser Platz eingeladen, hatte aber die Liste der Eingeladenen eigenhändig korrigiert, einen Prinzen gestrichen mit dem Bemerken, er sei ihm zu langweilig und statt dessen den Wunsch ausgesprochen, daß der alte Rathenau eingeladen werde, mit dem er sich immer so gut unterhalte," Das ungarische Parlament in seiner neuen Zusammensetzung zählt 11 Mitglieder, von denen bisher bekannt ist, daß sie Juden sind. Der kolossale Umsturz in der polilitischen Gesinnung der Wähler hat also die Juden 13 Mandate gekostet. Von den früheren Abgeordneten wurden unter anderen nicht mehr gewählt: Hofrat Visontai und Mezöfi, der einzige Sozialist im früheren Parlamente. Unter den Neugewählten befinden sich die zwei Demokraten Dr. V a z s o n y und P e t ö, Paul S a n d o r, Dr. B a k o n y, und Dr. Julius R o s e n b e r g, ein alter Parlamentarier, der nach mehrjähriger Unterbrechung wieder im Parlamente erscheinen wird. Ein Denkmal für König Eduard Vll. Mr. Levis Cohen, der Bürgermeister von Adelaide (Australien), erließ einen Aufruf zur Errichtung eines Denkmals für König Eduard. Der Vorschlag wurde mit Enthusiasmus aufgenommen und die für diesen Zweck veranstaltete Sammlung ergab in zwei Tagen den Betrag von 4000 Pfd. Die Juden vom Londoner East planen dagegen die Errichtung einer den Namen des verstorbenen Königs tragenden Wohltätigkeits-Anstalt. Ein jüdisches Erholungsheim. Ein neues jüdisches Erholungsheim wurde in Walton-on-the-Naze eingeweiht. Diese neue Institution wurde von dem verstorbenen Millionär S a m Levis gegründet, der zu diesem Zwecke £ 100.000 (2,400.000 Kronen) hinterlassen hatte. Die Errichtung des Gebäudes usw. belief sich auf etwa 18.000 Pfund Sterling, der Rest der Spende wurde investiert und soll zur Erhaltung des schönen Heims am Meeresufer dienen. Die Sonntagsruhe in Russland. Bei der Beratung der Reichsduma über das Sonntagsruhe-Gesetz, die am 16. d. M. stattgefunden hat, ist ein Antrag der Kadetten, daß den Muhammedanern und den Juden gestattet werde, statt des Sonntags am Freitag bezw, am Sonnabend ihren Handelsbetrieb einzustellen, mit 194 gegen 101 Stimmen abgelehnt worden. Das gleiche Schicksal hatte ein Antrag, den Stadtvertretungen das Recht zu gewähren, Abweichungen von den Gesetzesbestimmungen über die Sonntagsruhe zuzulassen. Die südafrikanische National-Hymne von einem Juden. Die südafrikanische Regierung hat vor einiger Zeit eine Preiskonkurrenz für die beste Melodie für eine südafrikanische National-Hymne ausgeschrieben. Von den ein-