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Neue Nationalzeitung · 1910-06-10 · Heft 12 (10.6.1910) · p. Seite 6

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XII (1910)
Issue
Heft 12 (10.6.1910)
Date
1910-06-10
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 „Neue National-Zeitung" Nr. 12 Der Mayor hob hervor, daß für eine Bedrückung und Verfolgung der Juden nie Ursachen vorhanden waren »War nicht der Begründer der christlichen Lehre selber ein Jude?" rief er. Er sagte, die Heilige Schrift, das Gesetzbuch der Juden, sei von den Christen als Basis für ihre Religion akzeptiert worden. Was würde vom Christentum übrig bleiben, wenn man die von den Juden übernommenen Lehren und Traditionen eliminieren würde? Die moderne Welt bat nach den Worten des Mayors dem Judentum gegenüber eine riesige Dankesschuld abzutragen. Von großen Männern israelitischer Abstammung führte er Heine, Mendelsohn, Rubinstein, Spinoza, Disraeli, Montefiore, Baron Hirsch u. a. als Wohltäter der gesamten Menschheit an. Der Jude habe ein heiliges Recht, auf seine Religion und Rasse stolz zu sein. Seine Religion sei die reinste der Welt, denn er veiehre nur den einen, wahren Gott, den Schöpfer der Erde und aller Menschen, während die Andersgläubigen sich vor allen Sorten von falschen Göttern auf die Knie geworfen hätten. Seine Traditionen leite der Jude bis zur. Erschaffung der Welt zurück. Die Schriften des Judentums seien von keiner anderen Literatur übertroffen. Am Schlüsse seiner Ausführungen wies der Mayor darauf hin, daß in New York mehr Juden als in Jerusalem wohnen, von denen die meisten gute Bürger seien. Er hob hervor, daß die hiesigen Juden nicht wie eine blinde Herde einer bestimmten politischen Partei nachlaufen. Als Stimmgeber seien sie stets für eine ehrliche Verwaltung und für eine kräftige Unterstützung aller ehrlich erprobter Beamter eingetreten. Durch die Kniffe eines Demagogen, der immer mit seiner Liebe für das Gemeinwesen prahle und für eine gute Verwaltung zu kämpfen vorgebe, während er nur sein eigenes Interesse im Auge habe und fortwährend auf der Jagd nach politischen Aemtern sei, könnten die Juden New Yorks nicht getäuscht werden. Nachdem der Mayor geendet, verlas Großmeister Richter Leo Sanders seinen Jahresbericht, welcher in gründlicher Weise alle Schäden besprach, die zu beseitigen seien, und stattete den verschiedenen Beamten den wohlverdienten Dank ab. Die Versammlung faßte eine Resolution, an die Königin- Witwe von England ein Kondolenz-Schreiben zu richten, ferner eine Resolution, welche die russische Regierung wegen der Ausweisung der Juden vepdammt und das Exekutiv-Komitee beauftragt, Mittel und Wege zu finden, resp. erforderliche Schritte zu tun, um den jüdischen Glaubensgenossen Beistand zu leisten. GgM£iNUg=üNt> veReiNSNGlftRilBlW Wien. Die vom Vorstande der „Ghewra Kadiscba" kooptierten Herren Samuel Goldmann und Karl Lemberger wurden vom Kultusvorstande in dieser Eigenschaft bestätigt. Wien. Der »Humanitäre Geselligkeits-Verein Wohltätige jüdische Jugend zur unentgeltlichen Ausspeisung armer Juden" in Wien, H, Untere Augartenstraße 10, hat mit seiner statutarischen Wirksamkeit begonnen und werden Gesuche der Petenten täglich zwischen 3—4 Uhr übernommen. Gleichzeitig sieht der Verein der Ueberreichun^ von Offerten derjenigen Reflektanten entgegen, welche die Ausspeisung für seine Rechnung zu übernehmen bereit sind. Z ei f schrif ten-*Rundschau. Die Berliner Monatsschrift „Ost und West", das Organ der dortigen Alliance-Filiale, veröffentlicht in ihrem Juni- Helte unter anderem auch einen Artikel über „Die jüngsten Wiener Gemeinderatswahlen". In diesem Artikel wird, wie es ja nicht anders zu erwarten steht.(vergl. unsere Berliner Korrespondenz) die Mitwirkung des Kultuspräsidenten Dr. Alfred Stern und seines hiesigen Leiborgans in überschwäaglichen Worten gerühmt. Wir haben bereits in unserer vorletzten Nummer die Verdienste beider auf das richtige Maß reduziert und es ist daher nicht notwendig, daß wir uns darüber noch einmal äußern. Das Pikanteste aber an dem Artikel von „ Ost und West" ist die Person seines Verfassers. Es ist dies nämlich derselbe Herr, der durch Jahre sowohl Dr. Stern als auch den Herausgeber der ,Oesterr. Wochenschrift" und dessen Schwiegersohn, Doktor Grunwald, nicht etwa sachlich oder persönlich kritisiert, sondern geradezu mit Kübeln Unrat überschüttet hat. Wenn nun dieser Herr Jakob Kraus z, weil er jetzt Leibsekretär des Herrn Dr. Stern und Mitarbeiter seines Leiborganes ist, sich beeilt, seinen neuen Brotherren in einem auswärtigen Blatte Reklame zu machen, so ist es unsere publizistische Pflicht, die Quelle dieser Lobeshymnen aufzudecken. %JSail5N WCÄWiLM Rücktritt des Rabbiners Dr. Magnes in New- York. Dr. J. L. Magnes, Vizepräsident der Federation of American Zionists, ist von seinem Amte als Rabbiner des Tempel Emanuel in New-York, wo er seit 1906 tätig war, zurückgetreten. Dieser Schritt ist eine Folge der viel diskutierten Pessachpredigt, in der er vor den Folgen der Reformbewegung gewarnt hatte. In einem ausführlichen Brief, den er an den Präsidenten und den Vorstand des Tempels gerichtet hat, erklärt Dr. Magnes, daß er bereit sei, in seinem Amte zu bleiben, falls die Gemeinde mit seinen Ansichten und Vorschlägen übereinstimmt; anderfalls sei er gezwungen, auf eine Wiederwahl zu verzichten. Der Vorstand erklärte, die Vorschläge des Herrn Dr. Magnes nicht annehmen zu können. Somit tritt Dr. Magnes am 1. Oktober d. J. von seinem Amte als Rabbiner zurück. Die Judenaustreibungen aus Kiew. Zum Geburtstag des Zaren sandte der bekannte Millionär Leo B r o d s k y im Namen der jüdischen Gemeinde in Kiew ein Huldigungstelegramm an den Zaren, mit der untertänigsten Bitte, der Zar möge an diesem Tage in Gnaden der aus Kiew ausgewiesenen Juden gedenken und ihnen das Verbleiben in Kiew gestatten. Auf dieses Telegramm ist eine Antwort nicht erfolgt. Dagegen dauern die Massenausweisungen fort. Die Zahl der Ausgewiesenen wächst von Tag zu Tag. Auch eine Reihe von Juden, die bisher nicht auf der Liste der Auszuweisenden standen, mußten Kiew verlassen. In Privatwohnungen werden nächtlicheHaus suchungen vorgenommen, um festzustellen, ob Juden, denen man das Wohnrecht verweigert, im Hause sind. , Ein Geschenk des deutschen Kaisers. Der jüdische Juwelier M. A. Sokolska in Jaffa erhielt vom deutschen Kaiser eine goldene Adlernadel sowie ein Dankschreiben des Freiherrn v. Mirbach als Anerkennung für die gute Ausführung des silbernen Schlösseis zum Hospiz der Kaiserin Auguste Viktoria-Stiftung auf dem Oelberge. Die Verlegung des Sabbaths auf Sonntag soll, wie das „Wiener Illustrierte Extrablatt" berichtet, aut' der Tagesordnung des im Juni stattfindenden internationalen Kongresses der Handelskammern stehen anläßlich der Beratung über eine tiefeinschneidende Reform auf dem Gebiete der Zeilrechnung über eine Vereinfachung des Kalenders. Als Hauptpunkt soll die Festlegung des jetzt schwankenden Osterfestes auf ein bestimmtes Datum zur Beratung kommen. Ferner steht auf dem Reformprogramm die Einführung eines Normalls alenders, bestehend in der Ausgleichung der Monatsdauer, Festlegung der einzelnen Wochentage und Sonn läge in Uebereinstimmung mit der fortlaufenden Numerierung der Tage, so daß das Uebergreifen einer Woche auf das folgende Jahr abgeschafft wird. Der Neujahrstag soll zu einem dalumlosen Tag, selbständig gemacht werden, worauf das Jahr mit dem 1. Jänner, der nun nicht mehr Neujahrstag heißt, beginnen soll. Gelegentlich der öffentlichen Diskussion darüber, ob es praktischer wäre, die geplante Kalenderreform schon mit Beginn des Jahres 1911, wie es beabsichtigt ist, oder erst 1912 in Kraft treten zu lassen, wurde zugunsten des früheren Termins auch der Umstand ins Treffen geführt, daß das Entfallen eines Sonntags am Schlüsse des Jahres 1911 dazu benützt werden könne, daß von jenem Zeitpunkte an der jüdische Sabbath mit dem christlichen Sonntag für alle Zeiten zusammenfiele. Es ergäbe sich daraus eine Identität beider Festtage, ohne daß eine Konfession der anderen eine Nachgiebigkeit zu erweisen brauchte. Für den geschäftlichen Verkehr, in dem die Judenschaft all er Länder nnd Staaten eine hervorragende Rolle spielt, wie für

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