Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XII (1910)
- Issue
- Heft 12 (10.6.1910)
- Date
- 1910-06-10
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 12 „Neue National-Zeitung' Seite 5 alistischen Partei gegen ihre Eltern führen und der jetzt auch im Parlament einen Widerhall gefunden hat, wird schwerlich ben beiden Schwestern die Sympathien der Oeffentlichkeit zuführen. Auch der Oberste Gerichtshof wird sich vom Geschrei sozialistischer Agitatoren nicht beirren lassen; er wird entscheiden nach Gesetz und Recht und nicht vom Standpunkte falsch verstandener Emanzipationsgelüste hysterischer Frauen. fi|0RR£SPC>ND6NZeN Oesterreich-Ungarn. Der Kaiser in Bosnien. Sarajevo, den 5. Juni. (Orig.-Korr.) Während der herrlichen Kaisertage, als die Gesamtbevölkerung von Bosn:en und Herzegowina ohne Unterschied der Nationalität und Religion dem Kaiser huldigte, haben auch die Juden nicht nur einen würdigen Anteil an den Festlichkeiten genommen, sondern es wurden ihnen auch von Allerhöchster Stelle bei verschiedenen Gelegenheiten die Anerkennung und der Dank für ihre patriotische Haltung und ihre Verdienste um den Aufschwung der okkupierten Provinzen ausgedrückt. Der Kaiser an den Landtagsabgeordneten Salom. Dem Sprecher der sephardischen Gemeinde, dem Landtagsabgeordneten Salom, erwiderte der Kaiser: „Ich danke Ihnen für den Mir kundgegebenen Beweis Ihrer Treue und Anhänglichkeit an Mich und Mein Haus und versichere Sie Meiner steten Gnade und Huld. Ich danke Ihnen für die zum Ausdruck gebrachten Gefühle und bin überzeugt, daß Ihre Gemeinde, die so viel Treue und Anhänglichkeit für ihre angtstammte Sitte erwiesen hat, auch für Land und Herrscher stets Treue und Liebe bewahren wird." Der Kaiser an Oberrabbiner Dr. WeszeL Dem Führer der Ascbkenasim, Oberrabbiner Dr. W e s z e 1, antwortete der Kaiser mit ähnlichen Worten : „Empfangen Sie Meinen Dank für Ihre Huldigung und seien Sie überzeugt, daß Ich auf Ihre Mitwirkung an der Hebung des Wohlstandes dieser Länder zähle. Ihre Mir bekannte Anhänglichkeit an Mich und Mein Haus sichern Ihnen Mein dauerndes Wohlwollen." In leutseligster Weise unterhielt sich dann der Kaiser mit den Mitgliedern der Deputationen. Zu dem Abgeordneten Salom sagte der Kaiser: „Sie sind Abgeordneter für die Juden. Ich weiß, daß die Juden vierhundert Jahre im Lande sind und viel zu seinem Wohlstande und seiner Entwicklung beigetragen haben." Den Präsidenten der Kultusgemeinde der österreichischungarischen Israeliten, Dr. Rotkopf, fiagle der Kaiser, ob er schon lange in Sarajevo sei und ob er viel zu tun habe. Zum Oberrabbiner Dr. Weszel gewendet, sagte er: »Wann ist die Synagoge erbaut worden? Sie ist sehr groß und sehr kunstvoll. Ich habe sie beim Einzüge gesehen und sie hat Mir sehr gut gefallen." Auch Herrn Chachamowicz fragte der Monarch nach dessen militärischer Dienstzeit, und als der Gefragte das Infanterieregiment Nr. 30 nannte, bemerkte der Kaiser: „Sie sind also aus Lemberg. Wir haben uns übrigens vor anderthalb Jahren schon in Wien gesehen." Auch in Mostar wurde die jüdische Deputation vom Kaiser huldvollst empfangen. Die allerhöchsten anerkennenden Worte haben die bosnischen Juden mit großer Zuversicht erfüllt und werden ihnen den kaiserlichen Aufenthalt in diesen Reichslanden unvergeßlich machen. Deutsches Reich. Die Berliner Filiale der „Alliance". Berlin, den 5. Juni (Orig. Korr.). Wie verlautet, tragen sich die Leiter der hiesigen Alliance-Filiale mit der Absicht, sich vom Zentral-Bureau in Paris loszulösen und als eine selbständige Organisation zu konstituieren. Damit will man gewiß denjenigen, die den „französischen" Charakter der Alliance rügen — ich verweise auf die ausführliche Darstellung ihres Blattes in der Artikelserie über das Jubiläum der Alliance — entgegenkommen. Die „Jüdische Presse" veröffentlicht über diese Sitzung vom 29. Mai, in der die Loslösung prinzipiell beschlossen wurde, folgendes Kommunique: In der gestrigen außerordentlichen Tagung der Deutschen Konferenz-Gemeinschaft der Alliance Israelite Universelle, zu welcher fünfzehn Mitglieder sich eingefunden hatten, wurden vorwiegend Organisation s-F ragen beraten mit dem Ergebnis, daß eine Kommission, bestehend aus den Herren Justizrat Tim endorfer-Berlin, Justizrat Fuchs-Berlin, Geh. Medizinalrat Prof. Dr. L. Landau Berlin. Senator Leop. Fischer-Hannover Herrn. Gumpertz-Hamburg, Justizrat Behrendt-Danzig und Rabbiner Dr. Vogelstein-Königsberg i. P. mit der Bearbeitung der St atuten der Konferenz-Gemeinschaft betraut wurde. Ein Pauschalblatt für Dr. Stern — in Berlin. Wie ich weiter erfahre, trägt sich die Wiener „Allianz" mit der Absicht, das Organ der hiesigen Alliance-Filiale „Ost und West" auch zu seinem Organ zu machen. Zu diesem Zwecke weilte der Herausgeber dieser Zeitschrift jüngst einige Tage in Wien, wo er mit dem Präsidenten der Wiener Kultusgemeinde und Vize-Präsidenten der „Allianz" Herrn Dr. Alfred Stern wiederholte Konferenzen hatte. Dieselben haben vorläufig zu keinem Resultate geführt, da sich beide Teile über die Kosten nicht einigen konnten. Charakteristisch ist es immerhin, daß dem Herrn Dr. Stern seine beiden Pauschalblätter in Wien nicht genügen und er sich noch eines in Berlin beilegen muß — auf Kosten der „Allianz". Und darum werden jetzt solche Anstrengungen gemacht, um galizische Mitglieder zu werben . . . Nordamerika. Der New Yorker Bürgermeister für die Juden. New York. Am 15. Mai fand der diesjährige Konvent des Independent Order Brith Abraham in Cooper Union statt. Zu dieser Versammlung, an der sich über 1000 Delegierte beteiligten, erschien auch Mayor G a y n o r, um in einer fulminanten Rede der jüdischen Bevölkerung und dem jüdischen Volke seine Sympathien auszudrücken. Der Mayor wurde mit nicht endenwollendem Beifall begrüßt; seine Ansprache gipfelte in der Anerkennung dessen, was die Juden seit Jahrhunderten für die Förderung der Zivilisation geleistet, wie sie trotz aller Verfolgungen und Demütigungen stets zusammengestanden, wie sie besonders in diesem Lande, obschon verschiedenen politischen Parteien angehörig, sich nie von Demagogen hätten hintergehen lassen und wie sie bei allen gemeinnützigen und wohltätigen Unternehmungen an der Spitze standen. Er erinnerte an die großen jüdischen Berühmtheiten, deren Namen der Weltgeschichte angehören, wie Heinrich Heine, Spinoza, Moses Mendelssohn, Montefiore, Meyerbeer und ermahnte die jüdischen Mitbürger, auch ferner zusammenzuhalten und diesen großen Orden als Richtschnur zu nehmen.