Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XII (1910)
- Issue
- Heft 12 (10.6.1910)
- Date
- 1910-06-10
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 12 „Neue National-Zeitung' Seite 3 In sehr energischer Weise hat „Die Volkswehr", das Organ Dr. Strauchers, die antisemitischen Allüren des Herrn von Wassilko beleuchtet und von ihm Aufklärungen verlangt. Aber es sind nur Worte; Taten müssen folgen. Denn Wassilko fährt fort, mit Hilfe eines jüdischen Leibjournalisten einige jüdische Wucherer der ganzen Judenschaft an den Kopf zu werfen. Er tut sich dabei zugute, daß die Zeilungspolemik noch keine offizielle Parteienunziation sei. Warum läßt also diese Enunziation auf sich warten? Es wäre gewiß nicht so schwer, einem Wassilko das Handwerk zu legen. t)ie Gegner des Jüdischen I^lub". Die paar Zeitungen, die jüngst vom Krakauer Konvenlikel zu „Partei-Organen" gestempelt wurden, geben sich seit jeher viel Mühe, der Öffentlichkeit einzureden, daß nur die „Neue National-Zeitung" und deren Herausgeber die Tätigkeit des „Jüdischen Klubs" kritisieren. Damit soll der Öffentlichkeit Sand in die Augen gestreut weiden. Denn daß dieses „Klub"-Quartett die Hoffnungen der jüdischen Bevölkerung schwer enttäuscht hat, weil es selbstlosen jüdischen Volksmännern, denen es um die Volk ssache, um positive Arbeit für das Volk und nicht um rein persönliche Erfolge zu tun ist, durch einen unerhörten Partei-Terrorismus jede öffentliche Tätigkeit verekelt, weil die Herren bisher nur Reden gehalten, aber für das Volk gar nichts geleistet, ja parlamentarisch vollständig versagt haben, weil ihr Durcheinandern!engen des ideellen Zionismus mit der rein praktischen Landespolitik die jüdische Oeffentlichkeit nur zu verwirren bestrebt ist, weil die Herren keine eigentliche Volksorganisation, sondern bloß einen Mandatversicherungsbund schaffen wollen — ist eine Ansicht, die auch in anderen jüdischen, selbst zionistischen Blättern zum Ausdrucke kommt. Das werden wir hier beweisen. Unserem Blatte gebührt das Verdienst, daß es, wiewohl bei der Schaffung des „Jüdischen Klub" demselben aufs freundlichste gesinnt, sich auch entschlossen hat, demselben entgegenzutreten, als es sich herausstellte, daß die Klub-Mitglieder nicht einmal soviel Solidaritätsgefühl besitzen, um die Würde des jüdischen Volkes im Parlamente zu wahren. Wenn auch dann der Klub seine Auflösung dementiert hat, die Tatsachen, die wir auf Grund von Inspirationen aus kompetentester Quelle veröffentlicht haben, blieben unbestritten. Unsere Stellungnahme gegenüber dem Klub bildete aber selbst für viele zionistische Blätter einen Anlaß, sich mit dem Klub näher zu beschäftigen. Daß die Kritik der Prager zionistischen „Selbstwehr" keine freundliche war, ist unseren Lesern bereits bekannt. Unbekannt aber sind die vehementen Angriffe, die das Organ der amerikanischen Zionisten, „Das jüdische Volk" in New-York in der Nr. 6 (Vol. II) unter dem Titel „Die Krisis im Jüdischen Klub" veröffentlicht hat. In einem umfangreichen Artikel von S. Margosch es wird die Geschichte des Jüdischen Klub geschildert und der Nachweis geführt, daß er durch die Unfähigkeit seiner Mitglieder, die Verschwommenheit seiner Taktik und die Unzulänglichkeit seiner geistigen Mittel dem Zusammenbruche entgegengeht. Sehr charakteristisch ist es, wie das zionistische Partei-Blatt die einzelnan Mitglieder des Klubs behandelt, speziell Herrn Dr. Straucher, der berufen erscheint, Führer der zionistisch-jüdisch-nationalen „Reichsorganisation" zu werden. Ein amerikanisches Zionistenblatt gegen den „Jüdischen Klub". „Das jüdische Volk" schreibt: „Ebenso wie Einigkeit Macht bedeutet, ist die Uneinigkeit Ohnmacht. Angesichts der immer mehr steigenden assimilatorischen Flut und der immer tieferen Unzufriedenheit ihrer Wähler, haben die Mitglieder des „Jüdischen Klub" ihre Köpfe verloren. Und nun wollte sich jeder selbst retten. Dr. Straucher, ein Mann, den die große politische Welt als einen tüchtigen Politiker und Volkstribun kennt, den aber manche zionistische Kreise als den größten politischen Streber betrachten, den die zionistische Politik in Oesterreich gezeitigt hat, ist sofort bereit, das sinkende Schiff des „Jüdischen Klub" zu verlassen. Dr. Gabel, Dr. M a h 1 e r und Stand, die man für Männer von festem Charakter und von ausgezeichneter politischer Schulung hielt, haben sich in Zeiten der Not als schreckliche Durchschnittsmenschen und ihrer großen tragischen Aufgabe nicht gewachsen entpuppt. Statt beim Klub zu beharren, so ohnmächtig er auch ist, statt eine breite allumfassende Plattform auszuarbeiten, auf der sich alle jüdischen, nicht blos nationalen Abgeordneten im österreichischen Parlamente vereinigen könnten, ließen sie ihre Hände sinken .... Sie haben keine Autorität mehr, um im jüdischen Namen zu sprechen. Die schwache jüdische Stimme ist verhallt im Gezanke ihrer eigenen Wortführer." Herr Dr. Straucher beklagte sich in einem Privatbriefe bei uns, daß wir ihm keine genügende Aufmerksamkeit schenken. Wir glauben jedoch, ihn stets wohlwollender und freundlicher behandelt zu haben, als sein amerikanisches Parteiblatt. Die Poale-Zionisten gegen den „ Jüdischen Klub". Nicht viel besser wird der „Jüdische Klub" vom Zentral-Organ der Poale-Zionisten „Der Jüdische Arbeiter" in Lemberg behandelt. Die Poale-Zionisten sind das Schoßkind des Herrn Wolffsohn und der „Welt"; ein Agitator der Poale-Zionisten und der Hauptmitarbeiter des „ Jüd. Arbeiter" istWienerKorrespondent der „Welt". Dieser Herr entwirft in der letzten Nummer des „Jüdischen Arbeiter" (vom 3. d. M.) folgendes Konterfei des „Jüdischen Klub": „Nehmen wir als Illustration blos den „Jüdischen Klub im Reichsrat; blos als Illustiation.Er ist gar nicht die.Partei, er bildet auch keinen Teil der Partei; er ist bloß ihr typischer Ausdruck, ihre „ideale14 Verkörperung. Ist denn dieser Klub nicht ein tragikomisches Geschöpf auf parlamentarischem Boden? So klein er auch an Zahl ist, so könnte er doch etwas ausrichten, wenigstens organisatorisch und erzieherisch. Allein auch nach dieser Richtung ist seine Bedeutung gleich Null. Warum? Weil er aus zwei wesensverschiedenen „Flügeln" besteht nnd weil sich sein ehrlicher Teil der Diktatur eines gewissenlosen Demagogen unterwarf... Dr. Strauch er ist einer jener Demagogen, denen kein Mittel schlecht genug ist; ein Streber, der sich durch die niedrigsten Korruptionsmittel zur Macht emporgerungen hat; ein moralisch defektes Subjekt, das unter nationalem Schild Kartenspielervereine gründet; er schöpft seinen Einfluß aust einem gewissen Weinkeller in der Czernowitzer Tempelgasse, wo er sich in den Nachtstunden mit seinen Kumpanen versammelt: ähnlichen Nachtgestalten wie er." In dieser Weise schreibt der Vertrauensmann des Herrn Wolffsohn über Dr. Straucher, den Obmann des ,Jüdischen Klub". Mit Widerwillen, ja Ekel haben