Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XII (1910)
- Issue
- Heft 11 (27.5.1910)
- Date
- 1910-05-27
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 Neue National-Zeitung" Nr. 11 Rußland 1909 bedeutend zu. Sie stieg von za. 45.000 (1908) bis 61.000 (1909). Wir wollen keineswegs die Bedeutung der I G A, resp. ihrer Informationstätigkeit gering schätzen. Der Bericht selbst zeigt jedoch, daß diese einem Tropfen im Meere gleicht. Insbesondere erhellt mit unzweideutiger Klarheit (p. 10 ff.) die Notwendigkeit der Koordination der Tätigkeit aller Emigralionsgesellschaften in den Aus-, Durch- und Einwanderungsländern. Den Anfang hat das Informations-Bureau gemacht Es fanden einige partielle Beratungen mit den ausländischen Komitees statt. Auch haben die Beratungen der Bureausvertreler in Rußland diesbezügliche Beschlösse gefaßt. Dr. M. S. * Ein Emigrantenbaus. Auf der letzten monatlichen Versammlung des Jewish Board of Guardians in London wurde ein Brief von Mr. Winston Churchill, dem Minister des Innern, verlesen, in dem mitgeteilt wird, daß die Regierung beschlossen habe, im Hafen von London ein Unterkunftsheim für Emigranten zu errichten, deren Zulassungsgesuche geprüft werden müssen. Die Errichtung eines solchen Heims ist von großer Bedeutung für die j üdischen emigrierenden Massen, da diejenigen, die zurückgewiesen werden, ihren Aulenthalt in demselben dazu werden ausnützen können, um Beweise für ihre Erwerbsfähigkeit usw. hervorzubringen, was bis jetzt wegen der Kürze der ihnen gewährten Frist unmöglich gewesen war. Es ist zu erwarten, daß dadurch die Zahl der Zurückgewiesenen bedeutend vermindert werden wird. Der Jewish Board of Guardians wird auch in diesem Briefe aufgefordert, Vertreter zu einer von der Regierung eingesetzten Kommission zu entsenden, die die Ausführung dieses Planes näher behandeln soll. * Ein Einwandernngsgesetz in der Türkei. Der Chacham — Baschi N a h u m erklärte in einem Gespräch mit einem Zeitungsvertreter, der Großwesir und der Minister des Innern hätten ihm bereits mehrmals versprochen, den „roten Schein" für die Einwanderer nach Palästina abzuschaffen; die Regierung warte jedoch damit auf das Ergebnis des von ihr ausgearbeiteten Immigralionsgesetzes. Wie aus sicherer Quelle miigeteilt wird, dürfte die Immigrationsgesetzesvorlage im türkischen Parlament erst in der nächsten Session zur Beratung gelangen. Die jüdischen Abgeordeten beabsichtigen dabei für die u n b eschränkte Einwanderung von auswärtigen Juden nach der Türkei einzutreten. * Die Quarantaine im New-Yorker Hafen. Der Gouverneur von New-York wurde in einer Petition aufmerksam gemacht, daß in der Quarantaine die schäußlichsten Dinge vorgehen. Die Frauen werden von den Beamten brutal behandelt und zu nächtlichen Orgien mißbraucht. Die Kinder werden geschlagen. Die Kost sei schlecht, die Wohnräume schmutzig. Der Gouverneur übergab die Petition dem Chefarzt Dr. D o 1 y zur Aeußerung. Es wäre jedenfalls Sache eines Emigrations-Kongresses, auch diesen Mißbräuchen nachzugehen. * Jüdische Einwanderang nach New-York im März 1910. Im Monat März war die Einwanderung im Hafen von New-York außerordentlich groß. Es landeten im ganzen auf EUis Island 108.286 Einwanderer. Den Herkunftsländern nach kamen : 29.468 aus Italien, 19.488 , Oesterreich, 17.712 „ Ungarn, 17.900 „ Rußland usw. Von den Eingewanderten waren 19.245 schon früher einmal in den Vereinigten Staaten ansässig. Die Zahl der jüdischen Einwanderer betrug 5417 gegen 4059 im gleichen Monat des Vorjahres. Der überwiegend größte Teil von ihnen, nämlich 4019, kam aus Rußland. * Sind die Juden Asiaten? Nach dem nordamerikanischen Gesetze sind Asiaten (gemeint sind eigentlich Chinesen) von der Landung ausgeschlossen. Diese Bestimmung führte in letzter Zeit" dazu, daß auch die aus Asien einwandernden Juden, Syrier und Armenier von den Hafenbehörden zurückgewiesen wurden. Nun erhalten wir die Mitteilung, daß der nordamerikanische Kongreß mittelst eines Spezialgesetzes die obgenannten drei Nationalitäten als Nicht-Asiaten bezeichnet hat. * Die Emigration nach Mesopotamien. Die jüngsten Nachrichten über die günstigen Bodenverhältnisse in Mesopotamien haben bereits in Rußland ein Auswanderungsfieber nach diesen Ländereien hervorgerufen. Einige hunderte jüdische Familien aus Szmerinka, Vinica und Nowokonstantinow haben sich bereits dahin begeben. JK0RR6SPONDeNZSN Oesterreich-Ungarn. Die Generalversammlung der Israelitischen Allianz. Wien. Am 12. Mai fand die 37. Generalversammlung der Israelitischen Allianz statt. Dieselbe war, wie immer, sehr spärlich besucht. Den Vorsitz führte Herr David von Gut mann. Die Redner waren mit der Tätigkeit der Allianz auf Grund des vorliegenden gedruckten Berichtes zufrieden. Kultusvorsteher Doktor Isidor S a m u e 1 y wünschte eine, wenn auch inoffizielle Beteiligung der Israelitischen Allianz an der für den kommenden Herbst in Wien (Von wem? Die Red.) geplanten allgemeinen Konferenz zur Regelung der jüdischen Emigration. Herr Rabbiner Dr. F e u c h t w a n g würdigte besonders das Schulwerk der Israelitischen Allianz in G a 1 i z i e n. Rabbiner Dr. David gedachte des 50jährigen Jubelfestes der „ Alliance Israelite Universelle" in Paris. Herr S. D eich es wünschte eine Aufklärung über einige Ziffern im Gebarungsausweis. Der Präsident, Herr David v. Gutmann, reflektierte auf die Ausführungen sämtlicher Redner und erbat sich die Ermächtigung, im Namen der Generalversammlung einen Glückwunsch und einen Gruß telegraphisch nach Paris zu übermitteln. Vizepräsident Dr. Alfred Stern äußert Bedenken in Bezug auf die geplante Konferenz insolange in Oesterreich eine gesetzliche Regelung der Auswandererfrage nicht erfolgt ist. (?) Die turnusmäßig ausscheidenden Mitglieder: Doktor Alfred Stern, Dr. Siegmund Wahr mann, Dr. Felix Katzau, Dr. Jakob Nirenstein, kais. Rat Leopold Sachs wurden in den Vorstand wieder- und die Herren Pro-