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Neue Nationalzeitung · 1910-05-13 · Heft 10 (13.5.1910) · p. Seite 7

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XII (1910)
Issue
Heft 10 (13.5.1910)
Date
1910-05-13
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 10 „Neue National-Zeitung" Seite 7 unternommen hat, auf, nachzuforschen, aus welchen Gründen dieser Austritt seitens des Matrikelamtes den jüdischen Blättern nicht bekanntgegeben, resp. seitens des kompetenten Bezirksamtes der Kultusgemeinde nicht angezeigt wurde. Zu erwähnen wäre noch, daß Herr Sonnenschein, trotz Taufe die Sektionschefstelle nicht erhalten hat. Sie wurde anderweitig besetzt. * Markus Weissmann Chajes (n"Tö\ Wien. Am 15. Mai feiert der Nestor der neahebräischen Schriftsteller, der witzreichste Agadist und einer der besten Kenner der rabbinisch-midraschischen Agada, Rabbi Markus Weißmann-Chajes, in Wien seinen 80. Geburtstag. Er hat eine ganz neue Form der hebräischen Satyre in die neuhebräische Literatur eingeführt. Stets in dürftigen Vermögensverhältnissen lebend, hat ihn nie der gesunde, ethisch wohltuend wirkende Humor verlassen. Wenn nun von vielen Psychologen auf Grund statistischer Daten eine Regel aufgestellt wird, daß die satyrischen und humoristischen Dichter selbst mürrisch sind, so stellt unser Jubilar den lebendigen Protest gegen diese Behauptung dar, denn er war stets, trotz vielen Ungemaches, das ihn während seines arbeitsreichen Lebens widerfahren ist, in seinem ganzen Wesen und Gehaben stets heiteren Sinnes. Außer selbständigen Schriften, die er auf dem Gebiete des agadischen Humors veröffentlicht hatte, sind von ihm in fast allen hebräischen Zeitschriften, wie „Hameliz", „Hazefira", „Hamagid* u. s. w., Aufsätze erschienen. Es ist hier nicht der Ort, die literarische Bedeutung des Jubilars, der noch der alten Schule angehört und eine eigenartige Spezies derselben darstellt, nach dem ganzen Umfange seines Schaffens und Könnens zu würdigen. Das würde in ein Fachblatt gehören. Allein als jüdisches Blatt, das sich berufen fühlt, die geistigen Interessen aller Teile des jüdischen Volkes zu vertreten, fühlen wir uns verpflichtet, in den Lorbeerkranz, der aus Anlaß seines 80. Geburtstages um die Stirne des Jubilars gewunden wird, auch ein Blatt einzuflechten. Wir wünschen dem greisen hebräischen Schriftsteller Gesundheit und langes Leben! n. h—ch. Palaestina. Das Jubiläum Ben-Jehudas. Jerusalem. Wir feiern demnächst das 30jährige Jubiläum, seitdem Elieser Ben-Jehuda seine Arbeit für die Belebung der hebräischen Sprache in der Schule und im täglichen Umgang aufgenommen hat. Ben-Jehuda war vor 30 Jahren der erste, der das Hebräische in seiner Familie als Verkehrssprache für den täglichen Gebranch einführte. Natürlich war das für die erste Zeit sehr befremdlich, zumal die hebräische Sprache, nachdem sie beinahe 1500 Jahre bloß in der Literatur gelebt hatte, auch faktisch für die mannigfachen, wechselnden Anforderungen des Tages kaum geeignet war. Insbesondere befürchtete man, daß die Kinder, mit denen zu Hause ausschließlich Hebräisch gesprochen werden soll, in ihrer gtisligen Entwicklung zurückbleiben würden. Es z'-ugt daher von dem unerschrockenen und tapfern Sinn Ben-Jehadas, daß er sich von all den Befürchtungen nicht aufhalten üeß und seinen einmal gefaßten Beschluß beharrlich durchführte. Allmählich zeigte es sich, daß er im Rechte war und wenn wir heute Tausende von Kindern in Palästina haben, denen das Hebräische die Muttersprache ist, so ist das unbestritten das Verdienst Elieser Ben-Jehudas. Kein Wunder daher, daß die Anregung, das herannahende Jubiläumsfest Ben-Jehudas würdig vorzubereiten, von allen Seiten mit großer Sympathie begrüßt wurde. Gleichzeitig findet auch das Wörterbuch Ben-Jehudas, sein Lebenswerk, immer mehr Gönner. Einer derselben, Herr Aldermann Moser, der sich zurzeit in Jerusalem aufhält und hier Gelegenheit hatte, bei Besuch des Herrn Ben-Jehuda in die Riesenarbeit des Ben-Jehuda'schen Wörterbuches Einblick zu gewinnen und von seiner epochalen Bedeutung sich zu überzeugen, hat sich bereit erklärt, den für die Fertigstellung des dritten Bandes notwendigen Betrag von 12.000 Francs Herrn Ben-Jehuda zur Verfügung zu stellen. Das Wörterbuch erscheint in Kommission bei der bekannten Verlagsbuchhandlung von Langenscheidt in Berlin, wobei die Druckkosten hauptsächlich durch Ben-Jehuda zu decken sind. Das Werk wird 10 Bände enthalten. Bis jetzt ist es gelungen, durch die Munifizenz des Barons Edmund Rothschild, des zionistichen Aktionskomitees u. a. 2 Bände herzustellen, von denen Band I 1909 bereits erschienen ist und Band II im Sommer dieses Jahres fertig werden soll. Da nun die Druckkosten für den III. Band von Herrn Moser aufgebracht werden, bleibt es die Pflicht der Gönner der hebräischen Sprache, für die Beschaffung von Fonds zur Herausgabe der weiteren 7 Bände zu sorgen. Zu diesem Zwecke hat sich ein Komitee, bestehend aus den Herren J. Moser-Bradford, Prof. R. Gottheil-New-York, D. Jellin, Ephraim Cohn und Dr. Levy in Jerusalem, D. Levontin, Dr. A. Ruppin, Markus Kahan und E. Saphir in Jaffa gebildet. Man kann wohl sicher sein, daß ein für die hebräische Sprache und Literatur so bahnbrechendes Werk genügend tatkräftige Förderer finden wird. G£MEINü2=unö VSRSkNSNÄUiRiCTCCN Wien. Auf Einladung tles akademischen Vereines .Jüdische Kultur" f II. Blumauergasse Nr. 20) wird der jüdische Dichter U n o i c h i (Wilna) in einem am 21. Mai 1910, im Hotel Guth (II. Stefaniestraße) stattfindenden literarischen Abend, seine eigenen Dichtungen zum Vortrage bringen. Karten zu 1 Krone und 60 Hellern sind im Vereinslokale erhältlich. Wien Das vorbereitende Komitee der akademischen Vereinigung zur Pflege der hebräischen Sprache und Kultur .H a t'c h i j a h% zeigt all jenen Kollegen, die ihren Beitritt angemeldet haben, an, daß die konstituierende Generalversammlung am Samtag, halb 8 Uhr abends, im Cafe Brammer, IX. Liechtensteinstraße 1, abgehalten wird. Tages Ordnung: 1. Bericht des Vorbereitungskomitees. 2. Verlesung der Statuten und Hausordnung. 3. AVahl der Vereinsfunktionäre. 4. Eventualia $US All&H WEiStCiLEt* Die Juden in Bosnien-Herzegowina vor den LandtagSWllhlen. Die Judensehaft von Bosnien-Herzegowina wird im künftigen Landtage zwei Vertreter haben, und zwar den Serajewoer Sefardischen Oberrabbiner als Virilisten und einen zu wählenden Vertreter aus der Mitte des ganzen jüdischen Volkes von Bosnien-Herzegowina. In dem Augenblick, da alle anderen Konfessionen und Stände des Landes ihre Kandidaten bereits nominiert haben, ist die gesamte hierländische Judenschaft noch im Unklaren und wartet auf das Resultat einer eventuellen Tätigkeit der Serajewoer Sefardischen Kultusgemeinde, welch letztere allein berechtigt ist, den Oberrabbiner zu ernennen. Bis heute ist jedoch dessen Stelle unbesetzt. Für das Wahlmandat wurde in einer Konferenz der spagniolischen Notablen Bankier Jeschua S a 1 o m als Kandidat nominiert. Man kennt Herrn S a 1 o m aus seiner Beteiligung an der vorjährigen Deputation nach Wien, deren Sprecher er war; er ist ein Mann in den Vierzigerjahren,

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