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Neue Nationalzeitung · 1910-05-13 · Heft 10 (13.5.1910) · p. Seite 5

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XII (1910)
Issue
Heft 10 (13.5.1910)
Date
1910-05-13
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 10 „Neue National-Zeitung' Seite 5 und zur Entwicklung des Alliancewerkes beitragen könnte, das für unsere bedrückten Brüder im Osten ein Gottesgeschenk und ein Segen geworden ist. Dieses Werk macht den Ruhm und die Ehre des fünfzigjährigen Jubiläums der vornehmsten Gemeinschaft aus, die mit so sichtbarem Erfolg für die Hebung der Söhne und Töchter Israels gewirkt hat. Es ist mein Wunsch, Ihnen, dem ehrwürdigen Präsidenten der Alliance, der Sie so viele Jahre Ihres Lebens dieser großen Sache gewidmet haben und Ihren Kollegen, die Versicherung meiner aufrichtigen Hochachtung und höchsten Wertschätzung auszusprechen. Oscar S. Strauss. POLITISCHE RUNDSCHAU. König Eduard VII. Der Tod Königs Eduard VII. bildet für die englischen Juden einen sehr schweren Verlust. Der Monarch, der Juden zu seinen intimsten Freunden zählte, der jüdische Minister und Unterstaatssekretäre ernannte, war das Muster eines gerechten, von den Strömungen des Tages unabhängigen Souveräns. Seine jüdischen Untertanen werden ihm stets ein dankbares Andenken bewahren. Bürgermeister Dr. Neumayer. Die trüben Wellen des antisemitischen Parteikampfes haben den ganz unbedeutenden Advokaten bis zur höchsten kommunalen Würde emporgeschwemmt. Es entspricht den geistigen Fähigkeiten eines Dr. Neumayer, daß er auch in dieser Stellung ein herzloser Antisemit geblieben ist. In seiner Antrittsrede verkündete er daher sofort den Krieg den — Hausierern. Der „der erwerbenden und konsumierenden Bevölkerung zum Nachteile gereichende Hausierhandel" müsse, „wenn nicht überhaupt, so doch für Wien abgeschafft werden". An dem Tage, da Dr. Neumayer ein Ziel erreicht hat, an das bis in sein hohes Alter er nicht einmal zu träumen wagte, proklamiert er den Vernichtungskampf gegen Tausende von Familien. Und der Bürgermeister von Wien ist ja ein Patentchrist . . . Die deutschnationale Elektrische. Als kurzsichtiger Politiker habe ich es sofort nicht verstanden, daß das Kondolenzschreiben des Wiener Kultusvorstandes anläßlich der Lueger- Trauer eigentlich ein großer diplomatischer Schachzug war. Der Vorstand hat es herausbekommen, daß nach dem Tode Luegers der kommunale Antisemitismus abgetan sei. Und da die Herren von der Seitenstettengasse dies so vorzüglich — träumten, so haben sie mit leichtem Herzen kondoliert. Ob und welches Antwortschreiben an die jüdische Kultusgemeinde eingetroffen ist, wurde bisher nicht öffentlich bekannt. Die markanteste Erwiderung dürfte jedoch der jüngste Beschluß des Stadtrates bilden, wonach nur „Deutsche" in den Dienst der elektrischen Straßenbahnen aufzunehmen wären. Die Juden, denen diese Stellen bisher doch manchmal zugänglich waren, sind vollständig ausgeschaltet. In einer so offenkundigen Form hat sich der Wiener Stadtrat erst jetzt zum Antisemitismus bekannt, jetzt — nach der Kondolenz des israelitischen Kultusvorstandes. Abgeordneter Breiter gibt nicht nach. Nachdem der Ministerpräsident die „Verdienste" des Herrn Wetzler für dessen Ernennung verantwortlich gemacht hat und nicht seine Bestechungen an die allpolnische Bernhard Wetzler und kein Ende. antisemitische Partei, will Herr Breiter seine Beweise im Wege eines Dringlichkeitsantrages dem Parlamente vorlegen. Vorläufig wird Herr Wetzler von der Verfassungspartei des Herrenhauses in den Parteiverband nicht aufgenommen; auch hier werden die Beweise gewiß mit ebensolchem Interesse erwartet wie in der großen Oefferülichkeit. Der Fall, daß ein Jude für die Gründung eines antisemitischen Blattes Hunderttausende hergibt, ist selbst in der Wiener Gemeinde so ungeheuerlich, daß er ins Klare gebracht werden muß. Der Umstand allein, daß die „Zeit" und „Arbeiter-Zeitung" beharrlich schweigen, ist ein Beweis, daß sie trotz ihrer Gehässigkeit gegen Breiter sich doch nicht trauen, Herrn Wetzler in Schutz zu nehmen. Als Beschützer des Juden Wetzler hat sich dafür der antisemitische Kammerpräsident Dr. Pattai eingestellt.... Die Niederlage der ^Renegaten. Der 29. April 1910 wird in der Geschichte der zeitgenössischen Wiener Judenschaft ein denkwürdiger Tag bleiben. Zum erstenmal hat sich die Mehrheit der jüdischen Wählerschaft von den „liberalen" Wahlmachern losgesagt und gegenüber den ihr aufoktroierten Renegaten und verkappten Antisemiten ihre eigenen Vertrauensmänner durchgesetzt. Es halfen nicht mehr das Angstgeschrei eines 0 f n e r und Hock vor der Sprengung der „Einigkeit", auch nicht das Hohngelächter der „Arbeiter-Zeitung" über den jüdischen „Klerikalismus". In geschlossenen Reihen, mit einem unglaublichen Enthusiasmus schritten die jüdischen Großbesteuerten zur Wahlurne und demonstrierten mit ihrem Stimmzettel dagegen, daß der konfessionslose Dr. von Fürth, der getaufte Dr. N e u m a n n und der Freund eines Bielohlawek, Herr Rudolf Maaß, ihre Genieinderatsmandate an sich reißen. Diese drei Herren sind auch jämmerlich durchgefallen. Trotzdem ihnen der ganze offizielle Wahlapparat zur Verfügung stand, trotzdem ihnen die „liberalen" Tagblätter, allen voran die „Neue Freie Presse", redaktionell die größte Reklame machten, trotzdem sich im letzten Augenblicke noch einige jüdische Persönlichkeiten in sehr maßgebender Stellung (!) bemüht haben, wenigstens den Dr. von Fürth zu halten — trotzdem haben alle diese drei Herren kaum die Hälfte der Stimmen erhalten, wie sie auf ihre Gegenkandidaten Frank, Her o Id und Stein entfallen sind. Die jüdische Wählerschaft war jener feinen Nuancierung unzugänglich, sie vermochte keinen Unterschied zu finden zwischen konfessionslos und getauft: beide sind in ihren Augen Renegaten, die uns schmählich verlassen haben und die daher das Vertrauen jüdischer Wähler nicht mehr verdienen. Dieses Wahlresultat ist eine markante Kundgebung, die nach mehrfacher Richtung zu Schlußfolgerungen herausfordert. Es beweist zuerst, daß die jüdischen Wähler in Wien einem agitatorischen Einflüsse im Wege der Kanzel, der Versammlungen und der Publizistik nicht unzugänglich sind. Wenn man die jüdischen Wähler ruft und aufrüttelt, dann folgen sie. Zum ersten Mal sind Oberrabbiner Dr. Güdemann als geistliches und Präsident Dr. Stern als weltliches Haupt der Gemeinde gegen die Taufbewegung ö f f e n 11 i c h aufgetreten und sie haben einen großen Eindruck gemacht. Warum ist dies nicht früher geschehen? Warum haben diese verantwortlichen Faktoren es jahrelange stillschweigend geduldet, daß die Taufbewegung in Wien zum Hohne der ganzen jüdischen Welt immer weiter um sich greift, bis es zu jener maßlosen Unverfrorenheit

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