Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XII (1910)
- Issue
- Heft 9 (29.4.1910)
- Date
- 1910-04-29
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 9 ,Neue National-Zeitung" Seite 7 Allein es besteht ja in der zionistischen Organisation eine große Partei, die gegen das Zuwarten ist, weil man nicht warten darf; diese Partei verlangt, daß in Palästina sofort gearbeitet wird, sonst kann Palästina in 20 Jahren den Deutschen gehören." Der Brief schließt mit einem Appell „an alle jü- DIE JÜDISCHE Die Einwandernngsfrage auf dem Bundestag der Bnei Brith in Washington. Der neunte Bundestag, der am 3. April in Washington eröffnet wurde, bezeichnete als seine wichtigsten Aufgaben: Die Regelung der Einwanderungsfrage, die Bekämpfung des Mädchenhandels und die Unterstützung der jüdischen Wohltätigkeits-Organisationen. Der Vorsitzende Adolf Kraus, der von einer großen Weltreise, die ihn auch nach Wien geführt hatte, zurückgekehrt war, legte in einem sehr ausführlichen Berichte die Tätigkeit der amerikanischen B. B. auf dem Gebiete des Einwanderungswesens dar. Wir entnehmen daraus die wesentlichsten Stellen: „Die natürlichste Folge der russischen Pogrome war die Zunahme dor Auswanderung der verfolgten Juden nach anderen Ländern. Diese Zunahme der Einwanderung hat manigfache Probleme bei uns heraufbeschworen, die aber gewiß mit der Zeit, sobald sich die Einwanderer hierzulande akklimatisiert haben werden, auch zum Nutzen des Landes und seiner neuen Einwohner ihre Lösung finden werden. Allein es haben sich hierzulande auch Männer gefunden, die anderen die Freiheit nicht vergönnen, die sie selbst genießen. Sie werden dabei teils von selbstsüchtigen, teils aber von sogenannten patriotischen Momenten geleitet; jedenfalls sind sie schlecht beraten. Alle einschränkenden Gesetze, die dahin zielen, Verbrechern, Idioten, Bettlern, Anarchisten, den Zutritt zu verweigern, werden unsere Zustimmung finden. Aber Gesetze, die gesunden Männern, von guter Konduite, den Eintritt verwehren, weil sie kein bestimmtes Kapital vorweisen können, das widerspricht der Vernunft und den Traditionen dieses Landes. Das wichtigste Problem, das uns in Bezug auf die Einwanderung beschäftigte, war die Frage, wie die Einwanderer von großen städtischen Zentren abgelenkt werden und anderweitig ihren Unterhalt finden könnten. Nach dieser Richtung wurde unter der Leitung von Leon N. L e v i eine Organisation geschaffen, indem wir bei unseren Logen Schutzkomitees eindi sehen Zionisten, sich zu sammeln und einen solchen Zionismus zu brechen." Dr. Melamed hat vielleicht gar nicht geahnt, welche schwere Anklage er gegen manche Leute erhoben hat, als er dem Zionismus schlechthin den jüdischen Zionismus entgegenstellte. EniQRdTION. setzten. Diese Komitees setzten sich dann mit dem Industrial Removal Office in New-York in Verbindung. Dieses Problem der Unterbringung neuer Einwanderer beschäftigte in hohem Maße unsere Bundesleitung. Ich beantrage seine Zuweisung an ein Komitee, welches, wenn möglich, Ihnen geeignete Vorschläge ausarbeiten wird." Bei verschiedenen Anlässen kamen die Delegierten auf die Emigration zurück. Lucius L. S a 1 o m o n aus San Francisco hat dieselbe in einer Predigt behandelt und jede Einschränkung der Einwanderung zurückgewiesen. Im Plenum bildetete das Thema der Einwanderung den Gegenstand eifriger Diskussion. Dieselbe endete mit der Annahme einer Resulution, wonach die Regierung aufgefordert wird, die Unbillen bei der Interpretation der bestehenden Gesetze zu beseitigen und jeder weiteren Einschränkung der Einwanderungs-Gesetze entgegenzuwirken. Es war ein sehr günstiges Omen für diese Bestrebungen, daß Präsident Taft inmitten des Bundestages erschien, um der jüdischen Rasse seine tiefste Bewunderung auszusprechen und sie als ausgezeichnete Bürger zu loben. * Die Einwanderungsfrage im Kongress vertagt. Am 11. März ist in Washington eine Deputation der größten jüdischen Organisationen erschienen, um gegen die Gesetzes vorlagen über die Einwanderung zu protestieren. Das eingehende Verhör, dem sich die Delegierten vor dem Immigrationskomitee des Kongresses unterzogen haben, hatte dann die Vertagung der Kongreß-Debatte bis Dezember zur Folge. * Die Bremer Auswanderer-Missionen. Das Norddeutsche Telegraphen- und Korrespondenz- Bureau* für Schiffahrt und Kolonisation berichtet unter obigem Titel: Die jüdische Auswanderer-Mission wurde stark in Anspruch genommen. Es wurden täglich zweimal Gottesdienste in der Auswanderer-Synagoge im Auswandererlogierhaus „Stadt Warschau" abgehalten. Das Komitee des Hilfsvereines der deutschen Juden hat im abgelaufenen Jahre eine rege Tätigkeit entfaltet. Es wurden durch die Mitwirkung des Vereines 1614 Passagiere (842 Männer, 301 Frauen, 471 Kinder) nach Amerika und den La Plata-Staaten befördert, außerdem 339 Passagiere nach Galveston. Eingekleidet wurden 1400 Personen; ein großer Teil der erkrankten Passagiere wurde für Rechnung des Vereines ärztlich behandelt, im ganzen 82 Personen, außerdem 12 scharlachkranke und 8 masernkranke Kinder; 2 Kinder starben. Ein großer Teil der Rückwanderer wurde für Rechnung des Vereines an die Grenze befördert. Die Verpflegung der jüdischen Passagiere in „Stadt Warschau" und auf den Dampfern des Norddeutschen Lloyd ist zur großen Zufriedenheit erfolgt; etwaige Wünsche wurden bereitwilligst anerkannt. Das Bethaus in „Stadt Warschau" hat sich als zu klein erwiesen und wird nach einem großen Saal verlegt werden. An jüdischen Fest- und Feiertagen hat der Hilfs-