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Neue Nationalzeitung · 1910-04-15 · Heft 8 (15.4.1910) · p. Seite 8

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XII (1910)
Issue
Heft 8 (15.4.1910)
Date
1910-04-15
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 „Neue National-Zeitung" Nr. 8 Schlüsse daran hielt er dem Mitgliede des Schiedsgerichtes, Herrn Dr. Alois Klemperer, dessen Leichenbegängnis gerade zu dieser Stunde stattfand, einen warmen Nachruf, der von den Anwesenden stehend angehört wurde. Er bemerkte darauf, daß infolge dieser Leichenfeier eine große Anzahl jener Personen, die hier anwesend zu sein berechtigt wären, der Versammlung ferne blieben. Mit Rücksicht darauf, daß der I. Teil des gedruckten Jahresberichtes für das letztverflossene Jahr sich bereits seit längerer Zeit im Besitze der Vereinsmitglieder befindet}, konnte er sich darauf beschränken, bloß die Hauptergebnisse der Vereinstätigkeit im Jahre 1909, ferner einige Daten über die Bildung neuer Ortsgruppen, dann über die Einnahmen und Ausgaben des Vereines und die Bewegung in seinem Mitgliederstande mitzuteilen. Im Jahre 1909 konstituierten sich 5 Ortsgruppen, und zwar 4 in Galizien (Grodek, Nadworna, Szczerzec und Tarnow und eine in Wien im XXI. Gemeindebezirke. Dazu kommt die Wiederbelebung der Ortsgruppe Neusandez (Galizien). Dagegen mußte die Ortsgruppe Zolkiew (Galizien) in Abschlag gebracht werden. Zu Ende des Jahres 1909 zählte der Verein im ganzen 50 Ortsgruppen, von denen 8 in Niederösterreich, eine in Oberösterreich, 22 in Böhmen, je 4 in Mähren und Schlesien und 12 in Galizien bestanden. Diese Ortsgruppen umfaßten 3745 Mitglieder und Spender, um 71 mehr als im Jahre 1908; die Zunahme an Mitgliedern hatte 464, die Abnahme 393 betragen. An Mitgliedsbeiträgen gingen im Jahre 1909 K 32.12140, an Spenden K 742 66 ein. Die Mitgliedsbeiträge blieben hinter dem Vorjahre um K 784 67 zurück, hauptsächlich aus dem Grunde, weil eine Ortsgruppe mit der Einsendung der Mitgliedsbeiträge im Rückstände ist; die Spenden waren um K 173 09 höher. Nach diesen Ausführungen erstattete der Obmannstellvertreter des Aufsichtsrates, Herr Ferdinand Löwy, Bericht über die Gebarung der Vereinsleitung und beantragt, ihr das Absolutorium zu erteilen, ein Antrag, der einstimmig angenommen wurde. Hierauf folgten die Wahlen: Namen, Namen, nichts als Namen. Aus Galizien wurden der unvermeidliche Edle von Horowitz und Dr. Schaff gewählt. In der vorigen Nummer haben wir übrigens unseren Standpunkt gegenüber diesem Vereine präzisiert. England. Jüdische Internationale Konferenz gegen den Mädchenhandel. London. Die Jüdische Internationale Konferenz zur Unterdrückung des Mädchenhandels fand hier diese Woche unter den Auspizien der Jewish Association for the Protection of Girls and Women statt. Die Konferenz wurde in der Musikhalle Bechstein Hall abgehalten und dauerte zwei Tage. Eine ansehnliche Zahl von Delegierten aus der Provinz und den verschiedensten Ländern Europas und Amerikas nahm an der Konferenz teil, die in Englisch, Deutsch und Französisch geführt wurde. Professor Sylvain Levy als Vertreter der -Alliance Israelite Universelle präsidierte. Chief Rabbi Adler eröffnete die Sitzung mit einem eigens zur Konferenz verfaßten Gebete und Mr. Cl. G. Montefiore und Lady Battersea und die Gräfin .Desart begrüßten die Versammelten. Die Diskussion war lebhaft. Besonders beteiligten sich an derselben Baron Alexander Günzburg (St. Petersburg), Dr. Maretzki (Berlin), Miß Sadie American (Amerika), Dr. Blau und Frl. B. Pappenheim (Frankfurt a. M.), Mr. J. Zangwiü, A. R. Moro und Dr. M. Gaster (London). Die verschiedenen Ursachen dieses Uebels, unter welchem jüdische Frauen besonders leiden und an dem leider auch Juden Schuld haben, wurden gründlich behandelt und verschiedene Mittel vorgeschlagen, um diesem schändlichen Handel ein Ende zu machen. Viel Heiterkeit erregten die Ausführungen einer Frau Lilien (Lemberg), welche als einziges Mittel wider den Mädchenhandel in Galizien die Pflege der — polnischen Kultur propagierte. Lord Rothschild gab in seinem Hause einen Empfang zu Ehren der Gäste. Am Mittwoch wurde im Trocadero-Restaurant ein Diner veranstaltet, bei welchem Mr. Claude Montefiore als Präsident, Chief Rabbi Adler und Mr. Herbert Samuel, der neue Minister für das Post-, und Telegraphenwesen, die Hauptredner waren. Letzterer versprach die Sympathie und Mithilfe der Regierung an den Aufgaben der Konferenz. GBMBM&B*w»&... VGREkNSNGlftRiCMW Wien. Der neugegründete Humanitäts- und Geselligkeitsverein „Wohltätige jüdische Jugend" iu Wien, 2. Bez., Untere Augartenstraße 11, versendet einen Aufruf, dem wir folgendes entnehmen: „Die Notlage der jüdischen Bevölkerung Wiens, des vermeintlichen Eldorados aller jener, die erwerbs- und mittellos in der Großstadt das ersehnte Glück zu finden hoffen, nimmt von Tag zu Tag erschreckendere Dimensionen an. Die politischen Verhältnisse sind es ebenso wie die wirtschaftlichen, die diese traurige Erscheinung gezeitigt haben. Auf der einen Seite nationale und konfessionelle Unduldsamkeit, die in der Aufstachelung böswilliger Gehässigkeit jhre höchsten Triutnpfe feiert^ -auf der anderen Seite mehr als krisenhafte" Zustände im Erwerbs¬ und Wirtschaftsleben und mitten drinnen, von allen Seiten gehetzt und unterdrückt, unsere armen Glaubensgenossen, die einerseits allein schon ihre Zugehörigkeit zum Judentum und andererseits wohl auch des öfteren der Mangel der notwendigen Kenntnisse und Erfahrungen in dem schweren Kampfe ums tägliche Brot weit hinter alle anderen Mitkonkurrenten zurückdrängt und geradezu zwingt, mildtätige Hilfe zur Befriedigung ihrer — wenn auch eingeschränkten — Lehensbedürfnisse in Anspruch zu nehmen. Wir wollen unseren armen Glaubensgenossen nicht ein bettelhaftes Almosen in die Hand drücken und denken, damit wäre genug geschehen. Wir wollen anderes, mehr und besseres. Wir wollen ihnen sagen, wie es unsere Altvorderen getan: „Kol dichfin jese wejecha.nl!" Ihr alle, die euch der Hunger <juält, tretet ein bei uns, setzt euch an unseren Tisch und labet euch an Speis' und Trank. Erst wenn ihr euch gesättigt und gestärkt, könnt ihr den Kampf beginnen. Um auf diese Weise zu wirken, haben wir einen Verein unter dem Namen: „W ohltätige jüdische Jugend" ins Leben gerufen, der es sich eben zur Aufgabe stellt, Hilfe dadurch zu bringen, daß wir unsere bedürftigen Brüder durch \i nentgeltliche V e r a-b r e i c h u ng von ritueller Mittags- und Äb endkost wenigstens vor der schwersten Sorge, der Sorge um die Mittel zur Stillung des Hungers bewahren, solange sie es selbst nicht vermögen." Wien. Die „Oesterreichisch-Israelitische Union" begeht Sonntag den 17. d. M. die Feier ihres 25jährigen Bestandes. Aus diesem Anlasse findet an dem genannten Tage , um 10 Uhr vormittags im Festsaale des Niederösterreichischen Gewerbevereines, I., Eschenbacbgasse 11, eine FestA^ersammlung statt, in welcher Herr Universitätsprofessor Dr. S. Ehr mann die Festrede halten wird. Am Abend desselben Tages findet im . „Hotel de rEurope", IL, Aspernbrückengasse 2, ein Festbankett statt. Aus Anlaß des 25jährigen Jubiläums hat der Vereinsyorstand eine Festschrift herausgegeben, welche allen Mitgliedern und Förderern des Vereines unentgeltlich zugesendet Avird. Wien. Die Studentenvertretung der Mensa academica judaica ersucht uns um Veröffentlichung des nachstehenden Aufrufes: . - An die j ü d i s c h e B e v ö lk e r u n g Wiens! Die Pessachfeiertage nahen. Den jüdischen Studenten,; die gezwungen sind, hier zu bleiben, erwachsen dadurch größere

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