Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XII (1910)
- Issue
- Heft 8 (15.4.1910)
- Date
- 1910-04-15
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 8 „Neue National-Zeitung" Seite 7 V. W. Krausz ist heuer mit drei Porträts und einem Triptyehon erschienen. An ihm und N. Schattenstein zeigt sich so recht der große Einfluß der modernen Porträtkunst. Ganz wie Adams und R. Schiff leiden sie an einem Uebel: Mangel an zeichnerischen Qualitäten. Dieses leichte, mehr flüchtige Hinwerfen erzielt einen gewissen pikanten Reiz und — wir gestehen's offen — besticht im ersten Augenblick. Wenn man aber außer am Vernissagetag noch einigemal ins Kimstierhaus geht und nicht mehr gezwungen ist, nur einige flüchtige Blicke auf die ausgestellten Bilder zu werfen, dann sieht man so recht, >vie eigentlich vielen Bildern der tiefere Gehalt fehlt und sie uns dadurch ein wenig anöden. Da lassen wir uns doch lieber die gewisse, so sehr verpönte Glattheit gefallen, die man selbst bei Angeli aussetzt, wenn sie durch die anderen großartigen Qualitäten weit überwogen wird. Uns gefällt noch am besten von Krausz das Bildnis des Grafen Montecuccoli. Eleganz zeigt das Porträt der Frau Lotte Witt. Wir wollen hier gleich hinzufügen, daß sein Bild „San Marco" wenig Wirkung ausübt. N. Scb(attensiein! war im Vorjahre entschieden besser. Sein Bild der Frau G. W. ist zu farblos, in Farbe und Ton nüchtern. Da fällt uns insbesondere auf, wie der eine Arm aus der Tür herauswächst. Wie immer ganz außerordentlich vertreten, ist unser Altmeister Isidor Kaufmann. So reich erfreuter uns selten. Vier köstliche Bilder hat er gebracht. Wahrlich, ein voller Genuß, diese Bilder zu betrachten. Von der vollendeten Meisterschaft seiner Studienköpfe wollen wir gar nicht sprechen. Aber sein Bild „Am Sabbath" *) ist ein so edles Kunstwerk, wie wir es selten zu sehen bekommen. Dieses an sich so anspruchslose Motiv ist vom Künstler so geadelt und durchgeistigt, in dieser Luft des uralten Tempels liegt ein so eigener Zauber, daß wir uns immer tiefer und tiefer in dieses Kunstwerk versenken; und da finden wir unerschöpflich viel. Ein köstlicher Juwel, dieses Bild. Aus demselben Stoßkreise wie Isidor Kaufmann schöpft K r e s t i n. „Bibelexegese" betitelt er sein Bild im Künstlerhause. Rings um einen Tisch sitzt eine Anzahl Männer, denen einer eine Bibelstelle zu erklären sucht. Wir bedauern nur, daß gerade diese Figur, die Hauptperson, uns den Rücken zukehrt. Das Bild hat eine gute Wirkung. Krestin weilt jetzt in Palästina, um von dort neue Anregung zu erhalten. Zum Schlüsse wollen wir noch Otto Herrscheis gedenken. Sein „Altwiener Milieu" hat hübsche Farben. In krauser Unordnung liegt alles mögliche farbige Zeug umher; dies war ja seit jeher malerisch. 'Criticus. Oesterreich-Ungarn. Vize-Präsident Dr. Gustav Kohn. Wien. Dem Vize-Präsidenten der hiesigen Kultusgemeinde, Herrn Dr. Gustav Kohn, sind anläßlich seines 70. Wiegenfestes seitens vieler jüdischer Korporationen *) Die gütige Erlaubnis des Herrn Isidor Kaufmann versetzt uiis in die angenehme Lage, in der nächsten Nummer eine Reproduktion dieses Gemäldes zu veröffentlichen. Die Redaktion, Ehrungen zuteil geworden. Dr. K o h n erfreut sich in jüdischen Kreisen Wiens großer Beliebtheit, da er neben seinem großen Wohltätigkeitssinn zu jenen Persönlichkeiten gehört, die „nirgends Anstoß erregen". Er ist mit jedermann liebenswürdig, der ihm nicht auf die Zehen tritt; er hat für jeden einen »warmen Händedruck"; er versteht es, sich mit allen Parteien gut zu verhalten; er ist mit einem Worte keine Individualität. Damit kommt man bekanntlich heutzutage sehr weit und so wird hoffentlich Dr. Kohn auch einmal Kultuspräsident werden. Am letzten Sonntag fand in der Wohnung des Jubilars der Empfang der Gratulanten und Deputationen statt. Unter den ersten Gratulanten befand sich Ministerpräsident Freiherr v. Bienerth, ferner der Vizepräsident des Landesschulrates v. K o s z, der namens des Plenums der Körperschaft dem Jubilar noch eine lange ersprießliche Wirksamkeit im Landesschulrat wünschte. Es gratulierten ferner Herrenhausmitglied Hofrat Grünhut, die Abgeordneten Baron Hock, Dr. 0 f n er und Hofrat Kuranda, die gewesenen Abgeordneten Dr. Vogler, Wrabetz, Noske, die Gemeinderäte Dr. v. Dorn, Dr. Reisch und Allmeder. Namens der Advokatenkammer sprach deren Präsident Dr. v. Feistmantel vor und überbrachte die Glückwünsche der Kollegen. Die größten Ehrungen erhielt der Jubilar von den Kultnsgemeinden Wiens sowohl wie des ganzen Reiches. Nachdem schon am Samstag in allen Wiener Synagogen Festgottesdienste stattgefunden hatten, erschien der Kultusvorstand als Deputation und überreichte nach einer herzlichen Ansprache des Präsidenten ein prachtvolles, künstlerisch ausgestattetes Album mit den Bildern aller Herren des Vorstandes. Weiters erschienen für die Armeninstitute der Kultusgemeinde David Ritter v. G u t m a n n und Hofrat R a p p a p o r t, die Präsidenten des Vereines „Zuflucht", des Vereines »Osten* usw. Für das Rothschild-Spital gratulierte Hofrat Professor Oser. Die Wiener Rabbiner sind unter Führung des Oberrabbiners Dr. Güdemann und des greisen Seniors Dr. Schmiedl vollzählig erschienen. Von sehr vielen auswärtigen Kultusgemeinden langten Gratulationstelegramme ein. Auffällig war es jedoch, daß sich das Komitee der „Dr. Gustav Kohn Wohltätigkeitsstiftung" an diesem Tage mit dem geplanten Ehrengeschenke nicht eingestellt hat. Das beweist, daß all' der Jubel und alle Ovationen der Präsidenten und Vereinsmeier nur bis zur Tasche reichen. * Oeffentliche Vorstandssitzung. Wien. Mittwoch, den 20. d. Mts. halb 6 Uhr abends, findet eine öffentliche Sitzung des Kultusvorstandes statt. Gegenstand: Rechnungsabschluß über die Einnahmen und Ausgaben der Kultusgemeinde und sämtlicher unter Gemeindeverwaltung stehender Fonde und Anstalten pro 1909. JU Galizischer Hilfsverein. Wien. Sonntag, den 10. April d. J., halb 11 Uhr -vormittags, fand die Generalversammlung des Hilfsvereines für die notleidende jüdische Bevölkerung in Galizien in den Räumen des Isr. Humanitätsvereines „Wien" B'nai B'rith, statt. Den Vorsitz führte der Präsident des Vereines, Herr Sigmund Mayer. Nachdem dieser die Versammlung eröffnet und die Anwesenden mit herzlichen Worten begrüßt hatte, teilte der Sekretär, Herr Dr. L ö w y, die eingelangten Begrüßungen und Entschuldigungen mit. Im An-