Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XII (1910)
- Issue
- Heft 8 (15.4.1910)
- Date
- 1910-04-15
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 „Neue National-Zeitung" Nr.. 8 den bei Besserung ihrer Lebensbedingungen das „germanische" Mittelmaß der Körpergröße und Brustweite. Es ist also nicht, wie bei den zu Grunde gegangenen Völkern der Antike, eine unausmeidliche organische Degeneration, sondern der Ausfluß einer temporären Dekadence, des gehemmten inneren Wuchses. Hinsichtlich der Rasseneinheit der Juden stellt Zollschan im Gegensatz zu den bisher herrschenden Anschauungen fest, daß es keinen anthropologischen Unterschied zwischen Aschkenasim und Sephardim gibt und daß die jüdische Rasse keine wesentlichen Beimischungen heterogener ethnischer Elemente enthält, daß sie also einen einheitlichen Rassenkörper darstellt, der sich seit mindestens 2% Jahrtausenden rein erhalten hat und daher genealogisch eine in sich homogene Einheit repräsentiert. Zollschan bekämpft ferner die auf kraniologischen Kriterien beruhende herrschende Anschauung, die Juden seien als Spielart des homo alpinus aufzufassen, da eine derartige Spezies überhaupt nicht existiere. Die Brachycephalie sei bei denjenigen Völkern, mit denen die Juden identifiziert werden, Folge des Gebirgslebens, bei ihnen selbst Folge intensivster intellektueller Betätigung. Die Juden gehören — der von Zollschan vertretenen Einteilung in xanthochroe und meianochroe Rassen entsprechend — der letzteren Rassengruppe an. Es seien hier am Schluß noch die Ausführungen Zollschans kurz erwähnt, die die verhältnismäßig größere Anzahl der Geisteskranken bei Juden zu erklären suchen. Diese Erscheinung wurde bisher vielfach als natürliche Folge der Inzucht innerhalb der jüdischen Rasse hingestellt. Demgegenüber sieht Autor ihre Ursache vielmehr — und mit Recht — in den allgemeinen Lebensbedingungen der Juden, z. B. in ihrer Berufsschichtung, in ihrer starken Anteilnahme an den gelehrten Berufen, am Handel und in den Spekulationsgeschäften, also in ihrer intensiveren Gehirnarbeit, ferner im viel häufigeren Ueberleben der Gebrechlichen, in den Bedingungen des Großstadtlebens, Und — in allererster Linie — im „außerordentlich harten Kampf um die Existenz, im Hasten und Jagen nach dem täglichen Brot." (S. 269.) In diesen Momenten des jüdischen Lebens ist aber andererseits auch der große Kulturwert der Juden enthalten. Denn: „Eine Rasse, die seit Jahrtausenden ausschließlich der Kopfarbeit ihre Erhaltung verdankt, müßte auf dem Gebiet der intellektuellen Mneme*) zu einem für die Kultur höchstwertigen werden, wenn es bei regenerierenden Erwerbsverhältnissen auch die tieferen und wertvolleren Prädisjiositionen würde aktualisieren können." (S. 293.) Wenn man aus diesen Ausführungen, die gewissermaßen das Gesamtergebnis der rassentheoretischen Teile des Werkes enthalten, die logischen Konsequenzen zieht, so sieht man, daß sie nicht nur die Theorie der Rasseninferiorität der Juden gründlich widerlegen, sondern daß sie auch ein ganzes p ositives Programm der sozialen und politischen Aktivität für die zum Bewußtsein ihres Wesens und ihrer Situation gelangten progrfessiv-demokratischen Elemente des modernen Nationaljudentums enthalten. Durch politische Ingerenz nähme kann *) Darunter verstellt der Verfasser -den Besitzstand an Gehirn-Engraanineii. dem Auflösungsprozesse, der sich gegenwärtig innerhalb der jüdischen Nation abspielt, entgegengewirkt werden. In dieser Erkenntnis gipfelt der soziale und politische Wert dieses Buches. Frühjahrsaussfellungen. I. Künstler haus. „Sie waren doch schon im Künstlerhause? Wie gefällt Ihnen die Ausstellung?" Und gleich darauf die Frage: „Wie geht es Ihnen?" Drei Fliegen auf einen Schlag, also: „Danke, gut." „Ach, Herr Rat, Sie sind ein viel zu milder Kritiker. Ich, von meinem Standpunkte, muß Ihnen aufrichtig gestehen, daß heuer wirklich gar nichts los ist." Das ist so recht das Charakteristische für das heutige Publikum. „Immer soll etwas ganz Besonderes los sein." Das Bild soll womöglich so gemalt sein, daß künstliche Beleuchtung, 20 Meter Entfernung zur Be4 sichtigung nötig sind, oder daß man gar die großen Feinheiten des Kunstwerkes erst in der Reproduktion erkennen kann. Uns kommt da ein interessantes Gespräch in den Sinn. In der Kunstschau haben wir's erlauscht. Zwei elegante Damen genoßen gerade in der Kunstschau — nun was? Himbeer- und Vanilleeis. „Wissen Sie, Frau kaiserliche Rat, ich kann nicht einmal mehr die Sezession besuchen. Hier gefällt's mir am besten; wissen Sie, ich fühle mich so lebhaft an Gerngroß erinnert. Nur daß es hier noch unterhaltender ist." „Ja, liebste Frau Direktor, Sie haben natürlich wie immer recht. Ich freue mich schon wirklich auf das Gartenfest in der Kunstschau, mein neuer Hut!? . . . ." Da hat nun eine große Anzahl von Künstlern fleißig gearbeitet; ein jeder sucht sein Bestes zu bringen und plötzlich sieht er sich zu Tode verurteilt. Man sollte doch, wenigstens um einige Grade, schonungsvoller sein. Wir haben wirklich keinen Grund, die Frühjahrsausstellung einfach für schwach zu bezeichnen, wie wir anderseits eingestehen, daß sie keine großartigen Leistungen aufweist. Viel Schönes, viel tüchtige, ehrliche Arbeit gibt es zu sehen. Allerdings, das große Talent, wir suchen es vergebens. Und schließlich, wir müssen uns vertrösten und uns mit dem Vorhandenen befassen. Die Zahl unserer Porträtisten ist wirklich erstaunlich gewachsen. Allen voran Leopold Horow i t z. Zwei ungemein feine Porträts bringt er diesmal. Vor allem erregt aber das Herrenporträt unsere Bewunderung. Man sieht es sofort, man hat's mit einem großen Meister zu tun, der ein gewaltiges Können sein eigen nennen kann. Er malt seine Porträts schon infolge der jahrelangen Uebung mit erstaunlicher Virtuosität. — Auf dem Gebiete seiner Dreikreidentechnik hat David K o h n noch keine ebenbürtige Nachahmer gefunden. Er erzielt oft wirklich überraschende Wirkungen und hat schon so manche treffliche Leistung gebracht. — Diesmal hat D. Kohn das Porträt des Generaldirektors Günther ausgestellt. Kein Zweifel, es steckt in diesem Bildnis Leben und Wirklichkeit! Aber es ist schon ein wenig zu glatt, nicht genug interessant. Mit wenigen Ausnahmen ist die junge Garde vertreten. Schattenstein, Krausz, Herrsche 1, Krestin, Eichhorn bereitet Größeres vor und Epstein hat ja erst jüngst eine kleine Kollektivausstellung gehabt.