Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XII (1910)
- Issue
- Heft 6 (18.3.1910)
- Date
- 1910-03-18
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 6 „Neue National-Zeitung" Seite 9 Israel. Religionsgesellschaft an und wurde hierauf von Rabbiner Dr. Feilchenfeld, jetzt in Posen, als Leiter des von diesem ins Leben gerufenen Seminars nach Düsseldorf berufen. Das Seminar wurde später nach Ehrenfeld und darauf nach Köln verlegt Als die Israel. Religionsgemeinde „Adaß Jesehurun" in Köln gegründet wurde, nahm er das R a b b i n a t derselben an, besuchte jedoch längere Zeit nicht die Synagoge, weil der Vorstand aus ökonomischen Rücksichten kein Gitter an der Frauenabteilung machen ließ. Er nahm nicht aliein kein Gehalt für die Ausübung des Rabbinals und keine Sportein für Trauungen usw., sondern zahlte sogar noch 60 Mark Steuer jährlich an seine Gemeinde. Er begnügte sieh mit dem Gehalt als Seminardirektor. In seiner Frau, die eine Tochter Rabbiners Samson Raphael Hirsch s. A. ist, hatte er eine gleichgesinnte Lebensgefährtin. Ein Lehrstuhl für die hebräische Sprache wird an der Universität in Athen errichtet. Als Dozent ist der bedeutende Herbraist Professor Pandyotopoulos in Aussicht genommen. Der ungarische Unterrichts-Minister Graf Johann Zichy hat sein Programm einem Redakteur des „Pesti Hirlap" gegenüber in nachstehender Weise kundgegeben: „Die christliche Weltanschauung, welche meine Seele erfüllt, befiehlt mir die unbedingteste Toleranz jeder anderen Ueberzeugung gegenüber, eine Toleranz, welche das Verständnis und die Liebe diktieren. Jede Konfession, welche die Interessen des nationalen Staates begreifen und fördern will, ist ein wertvoller Faktor, den zu hegen und zu pflegen meine patriotische Pflicht ist. Ich bin Katholik von fester Ueberzeugung, aber eben deshalb, weil ich weiß, wie groß dis Macht der wahrhaften Ueberzeugung ist, kann ich jede andere echte religiöse Ueberzeugung erwägen und schätzen". Die ungarischen Juden sind sehr bescheiden geworden, wenn ihnen diese „Toleranz" genügt. Jüdisch - nationale Landtags - Kandidaturen. „Die Volkswehr" in Czernowitz schreibt: j.Seitens der Leitung der jüdischen Nationalpartei für die Bukowina sind wir ermächtigt, in der Frage der bevorstehenden Lindtags wählen nachstehende Erklärung abzugeben: Gegenüber allen Ausstreuungen und Supponierungen, als ob von der jüdischen Nationalpartei, ihrer Leitung, oder Herrn Dr. S tr a uc h e r irgend welche Kandidaturen für den Landtag aufgestellt, beziehungsweise namhaft gemacht oder vorgeschlagen worden wären, wird festgestellt, daß diese Behauptungen unwahr und aus der Luft gegriffen sind. Diese Art der Aufstellung von Kandidaturen widerspricht gerade der Auffassung der jüdischen Parteileitung und des Dr. Siraucher, der sich hierüber auch in der letzten Partei - besprechung ganz dezidiert geäußert hat. Was eine Kandidatur Dr.Nathan Birnbaums betrifft, wird zur Orientierung der Oeffentlichkeit bemerkt, daß Dr. Birnbaum der jüdischnationalen Partei nicht angehört." Das Schmittajahr in Palästina. Seit einiger Zeit weilt in London der Rabbiner von Safed, Jacob David Ridbaz, zu dem Zwecke, die großen jüdischen Organisationen, insbesondere die Jewish Colonisation Association, für eine Unterstützung derjenigen jüdischen Kolonisten in Palästina zu gewinnen, die die Vorschriften des diesjährigen Schmittajahres einhalten und demgemäß ihre Felder während dieses ganzen Jahres nicht bebauen wollen. Bekanntlich besteht eine starke Strömung unter den jüdischen Bauern Palästinas, die sich gegen die Beobachtung dieser alten biblischen Bestimmung richtet. Eine große Anzahl maßgebender rabbinischer Autoritäten hat auch ihre Zustimmung dazu gegeben, daß unter den obwaltenden Umständen das Schmittagesetz ruhen dürfe. Rabbi Ridbaz gehört zu der Gegenpartei, die auf einer strengen Beobachtung der Vorschriften besteht und sich jetzt bemüht, den kolossalen materiellen Ausfall, der dadurch für die Kolonisten entstehen muß, durch eine Unterstützungsaktion der großen jüdischen Korporationen auszugleichen. Die Konfession der Getauften. In einem Aufsatz der „K. Z." vom 24. Februar, „Zentrum und deutsche Katholiken in der Ostmark", berichtet Amtsgerichtsrat B r ü 1 1 in Gnesen, daß, wenn der Fremdling aus dem Reiche sich in die Provinz Posen verirre und Gelegenheit nehme, etwa einer Schöffensitzung in einer kleinen Stadt beizuwohnen, so werde er mit Erstaunen wahrnehmen, daß es in diesem Winkel des Vaterlandes fast gar keine Christen (weder evangelische noch katholische) und Juden mehr gebe. Unter Bezugnahme darauf wird der „J. R." über die Verhältnisse in Preußen geschrieben: „Bei Gerieht, wo die Dame mit ihrem Alter, der Verbrecher mit seinem Strafregister, der Jude mit seiner Konfessiou herausrücken muß, erlebt man die feinsten Nuancierungen. Der eine tritt bei der gefürchteten Frage des Richters ganz nahe an die Barriere und haucht kaum hörbar seinen ,mosaischen Glauben1 aus, der andere gesteht mit entschuldigendem Seilenblick immerhin, Israelit zu sein, der dritte bekennt sich einfach, wie ihm der Schnabel gewachsen ist, als Juden. Nach meinen Erfahrungen gibt es bei Gericht 75 Prozent Mosaische, 20 Prozent Israeliten und 5 Prozent Juden. Ich kenne einen Amtsrichter, der stets, wenn er die Antwort ,mosaisch' erhält, mit lauter, schonungsloser Stimme seinem Protokollführer jüdisch' diktiert. Ich will den Namen des Mannes nicht nennen, damit ihn nicht unsere deutschen Staatsbürger mosaischer Konfession zu einem Antisemiten stempeln, der er nicht ist. Jeder unserer Brüder sucht sieh in der peinlichen Oeffentlichkeit des Gerichtssaaies so gut wie möglich aus der Affäre zu ziehen Sie wissen doch, wie Leib Mauschel es machte? ,Wie alt?' fragt mich der Richter, erzählte er seinem alten Stammesgenossen, — ,52.' — ,Welcher Religion?' — ,Katholisch.' — ,Was war'n Se früher?' — ,Mosaisch.' — Nach vier Wochen muß ich wieder zum Gericht. Fragt mich der Richter : ,Wie alt?' — ,52.' — ,Welcher Religion?' — ,Evangelisch.' — ,Was war'n Se früher?' — ,Katholisch/ — Das Ponim von dem Goi hättste seh'n soll'n!!" Die jiddische Sprache in Oesterreich — verboten. Der Verein „Jüdisches Theater" in Czernowitz hatte für Samstag den 5. d. M. eine allgemein zugängliche Vereinsversammlung einberufen. Daraufhin hatte die Polizeidirektion die Leitung des Vereines verständigt, die Versammlung werde aufgelöst werden müssen, wenn, wie bei vorausgegangenen Versammlungen, jüdisch gesprochen werden würde. Der Erlaß war mit der Vereitlung der polizeilichen Kontrolle durch den Gebrauch einer nicht landesüblichen Sprache begründet. Die stattgehabte Versammlung beschloß eine Protest- Resolution. David Wolifsohn dürfte im Oktober in Begleitung von Dr. Franz 0 ppenheimer Kanada besuchen. So berichtet das Taglatt „Der Adler" in Montreal. Briefkasten der Redaktion. Dr. L. in K. Dank für Ihre Aufmerksamkeit. Daß die „Oesterreichische Wochenschrift" unseren fetzten Leitartikel ohne Angabe der Quelle abgedruckt hat, ist geAvüi „zumindest eine journalistische Unanständigkeit4. Orthodox. Wir danken Ihnen für Ihre Mitteilung, daß in der Vorwoche neun Ausgetretene in die Wiener Knltusgemeinde wieder eingetreten sind. Es ist gewiß nicht unbescheiden, wenn wir dies als Verdienst unseres Blattes hinstellen, welches zuerst die Liste der Ausgetretenen gebracht hat. Kallasgemeinde in G. Wir haben uns mit dem Verein ins Einvernehmen gesetzt: Sie erhalten demnächst ausführlichen Bescheid. An unsere Mitarbeiter. Wir erledigen vorerst die aktuellsten Artikel. Sonstige Arbeiten kommen erst später an die Reihe. Wir bitten also um Geduld.