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Neue Nationalzeitung · 1910-03-18 · Heft 6 (18.3.1910) · p. Seite 7

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XII (1910)
Issue
Heft 6 (18.3.1910)
Date
1910-03-18
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 6 „Neue National-Zeitung" Seite 7 zu befassen und er gab der Polizei recht. In seiner Motivierung verwies er darauf, daß die Gesellschaft „Palästina" gemäß den Informationen des Ministeriums des Innern ähnliche Ziele wie die zionistischen Organisationen verfolge; die Tätigkeit dieser Organisationen führe aber zu „nationaler Absonderung der jüdischen Massen" und zur Verschärfung der feindseligen Gefühle gegen die russische Bevölkerung und habe deshalb als verboten zu gelten. Der Pogrom-Staat, der die Auswanderung erschwert, das ist die neueste Phase in der Entwicklung der russischen Barbarei. Neue Schikanen auf Ellis Island. Bis in die letzte Zeit wurde Emigranten, deren Gesundheit zu wünschen übrig ließ, die Landung gestattet, wenn ihre amerikanischen Verwandten eine Erklärung unterschrieben, daß sie die Verpflichtung übernehmen, für die Einwanderer im Notfalle zu sorgen. Emigranten, die im Besitze einer solchen Erklärung (Affidavit) waren, konnten ohne Schwierigkeit das Land betreten. Jetzt werden auf Ellis Island auch solche Erklärungen nicht mehr berücksichtigt. Der New-Yorker Abgeordnete Mr. S u 1 z e r verlangte im Repräsentantenhause, daß Mittel angewendet werden, damit die Administration von Ellis Island von ihrer gegen viele Auswandererfamüien geübten Strenge ablasse. Mr. Sulzer wies darauf hin, daß in vielen Fällen, wo Frauen zu ihren Männern und Kinder zu ihren Ellern kommen, welche schon lange Jahre in den Vereinigten Staaten leben, die Beamten diesen Umstand nicht in Betracht ziehen wollen und Familienmitglieder von einander absondern, als wenn sie Fremde wären. Mr. Sulzer bemerkt, daß dieses Vorgehen der Beamten großes Unheil anrichtet und fordert, daß Mittel und Wege gefunden werden, um diesem Mißbrauch zu steuern. * Ein neuer Immigranten-Verein in New-York. In New-York ist unter dem Namen „New-York League of Immigrants" ein Verein ins Leben gerufen worden, der es sich zur Aufgabe gestellt haf, die Einwanderer vor Schwindlern zu schützen und ihnen die Weiterfahrt in andere Staaten, besonders in die West- und Südstaaten zu ermöglichen. In erster Linie wird sich der Verein damit befassen, alleinreisende Frauen und Mädchen an das Ziel ihrer Reise zu geleiten. * Die Emigration nach Kanada. In den Kanadaer Zeitungen wird ein Gesetzantrag des Ministers des Innern viel besprochen, der speziell gegen die Emigranten aus Asien gerichtet ist. Im Entwürfe wird verlangt, daß Einwanderer, die das Kanadaer Klima nicht vertragen, nicht eingelassen werden sollen. Außerdem wird die Forderung aufgestellt, daß asiatische Einwanderer 200 bis 500 Dollars besitzen müssen. Hervorgerufen wurde diese Maßregel durch das Treiben der Banden : „Die schwarze — und die blaue Hand", denen zumeist Chinesen und Japaner angehören und die in der letzten Zeit in den großen Städten Kanadas ihr Unwesen treiben. * Präsident Taft für die Einwanderung. Gegen den heftigen Kampf, den die Feinde der Einwanderung in den Vereinigten Staaten aufgenommen haben, ist nun eine energische Gegenagitation ins Leben gerufen worden. An der Spitze derselben stehen die Herausgeber von 350 fremdsprachigen Blättern. Dieser Tage wurde eine Deputation dieses Vereines vom Präsidenten T a f t in Washington empfangen. Im Laufe seiner Rede erklärte Taft folgendes: „Die Tatsachen, daß die jüdischen Einwohner vom New- Yorker Osten alle Kultur-Errungenschaften unseres Landes in sich aufgenommen haben, machte auf mich einen starken Eindruck. Ich habe im ganzen Lande keinen Ort gefunden, wo der wahre amerikanische Patriotismus so tief eingewurzelt wäre wie dort. Diese Tatsache hat meine Anschauung betreffs der Einwanderung sehr stark beeinflußt und Sie können überzeugt sein, daß eine Aenderung der Einwanderungsgeselze ohne Einvernahma mit Ihnen nicht erfolgen wird." SB&RRßSPONDeNZGN Deutsches Reich. Der Hilfsverein der Deutschen Juden. Berlin. Am 6. März fand unter Vorsitz des Herrn James Simon eine Sitzung des Zentralkomitees sowie des Hilfsvereins der Deutschen Juden im Hotel Prinz Albrecht statt, die sich eines guten Besuches aus allen Teilen Deutschlands zu erfreuen hatten. In der Tagung des Zentralkomitees wurde der Geschäftsbericht erstattet. Mit vielem Beifall nahmen die Anwesenden Kenntnis von den Fortschritten des Vereines auf allen Gebieten seiner Wirksamkeit. Dann folgten Wahlen. An die Sitzung des Zentralkomitees schloß sich die ordentliche Versammlung der Mitglieder. Herr James Simon stellte zur lebhaften Befriedigung der Mitglieder fest, daß die Entwicklung des Hilfsvereines auch im verflossenen Jahre einen günstigen Fortgang genommen und das Vertrauen und die Anerkennung weiter Kreise in Deutschland wie im Ausland gefunden habe. Er gab darauf in großen Zügen eine Uebersicht über die politische, ökonomische und rechtliche Lage der Juden in Galizien und Rumänien und über die Tätigkeit des Hilfsvereines der Deutschen in diesen Ländern, wie in Bulgarien und der europäischen und asiatischen Türkei, speziell auf dem Gebiete des Schulwerks. Insbesondere hob er auch hervor, daß ein noch engeres Zusammenarbeiten der großen jüdischen Organisationen als bisher dadurch gewehrleistet sei, daß der Hilfsverein durch Vorstandsmitglieder in Personalunion mit ihnen getreten sei. Herr Generalkonsul Eugen Landau berichtete alsdann über das Hilfswerk des Hilfsvereines der Deutschen Juden in Rußland und ferner gab er an Stelle des am Erscheinen verhinderten Schatzmeisters im Ehrenamt, Herrn Bankdirektor Ernst Simon, einen Ueberblick über die Fi n a n z e n des Vereines. Herr Generalsekretär Dr. Bernhand Kahn sprach üher die Organisation und die Fürsorgetätigkeit des Hilfsvereines auf dem Gebiete des Auswanderungswesens. Die Versammlung der Mitglieder genehmigte darauf einstimmig den Geschäftsbericht und erteilte der Verwaltung Entlastung. Besondere Aufmerksamkeit verdient der umfassende Teil des Jahresberichtes, der sich auf Galizien bezieht. Für jeden Eingeweihten ist es jedoch bei Durchsicht desselben klar, daß der Hilfsverein von einer Seite informiert wurde, der die tatsächlichen Verhältnisse fremd sind und auch die Sachkenntnis fehlt, um die richtigen Mittel für eine Hilfsaktion ausfindig zu machen. (AnmerkungderRedaktion. Wir stimmen damit vollkommen überein und werden zur Frage der galizischen Hilfsaktion, für die sich gerade in letzter Zeit in den großen jüdischen Hilfsorganisationen ein von großen Gesichtspunkten geleitetes Interesse regt, in der nächsten Nummer ausführlich Stellung nehmen.)

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