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Neue Nationalzeitung · 1910-03-18 · Heft 6 (18.3.1910) · p. Seite 6

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XII (1910)
Issue
Heft 6 (18.3.1910)
Date
1910-03-18
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 Neue National-Zeitung" Nr. 6 für die Passagiere dritter Klasse. Insgesamt begaben sieb im letzten Jahre über Odessa nach Palästina 2 4 5 9 Personen (1908 waren es 2097 Personen, 1907 - 1746). Auskunft über ihren Beruf beziehungsweise Beschäftigung, erteillen 916 Personen 37% (1908 — 42 72%, 1907 — 36%). Die anderen waren also Personen ohne bestimmten Beruf, berufslose, beziehungsweise erteillen keine Auskunft über ihren Beruf. Darunter waren Handwerker, Arbeiter und Ackerbauer 428 Personen 46%% (1908 — 427o, 1907 — 50%); Handelsleute und Industrielle 336 -- 36%% (1908 — 41%, 1907 — 40%); Vertreter der liberalen Berufe 152 - 16%% (1908 — 17%, 1907 - 10%)- Auskunft über ihre Vermögens Verhältnisse gaben 556 Personen, die insgesamt über mehr als vier Millionen verfügten. Es ist aber zu bemerken, daß diese Summe keineswegs mit dem nach Palästina hinausgeführten Kapital identisch ist, da gerade die Bessersituierlen und die Reichen nur als Touristen nach Palästina gingen. Hinsichtlich des Zweckes der Reise traten gleichfalls gewisse Verschiebungen in den bezüglichen Zahlenproportionen ein. Zwecks Niederlassung und ökonomischer Betätigung im Lande wanderten im Laufe des letzten Jahres 1603 Personen aus oder 65% sämtlicher Reisenden (1908 — 68%, 1907 — 60%); zu dauerndem Verbleib aus religiösen Motiven („um die letzten Lebensjahie im heiligen Lande zuzubringen") 525 Personen 21%% (1908 — 18%, 1907 — 20%); zeitweilig (das Land zu sehen, Verwandte zu besuchen, geschäftshalber u. dgl.) 232 Personen - 9%°/o (1908 — 9%, 1907 — 15%); um eine Lehranstalt in Palästina zu besuchen 86 — 3'/,% (1908 ~ 4%, 1907 — 1%): zur Kur 13 - %% (1908 — 1%, 1907 — 1%). Wie immer, begaben sich auch jetzt die meisten älteren Personen und die Pilger (diese gibt es besonders viele unter den bucharischen Juden) nach Jerusalem. Der Zentralpunkt für alle auswandernden Kaufleute und Handwerker war auch jetzt Jaffa. Freilich bleiben nicht alle in Jaffa: viele gehen von dort aus nach den Kolonien oder nach anderen Städten. — Einen Zuwachs erfuhr in diesem Jahre die Auswanderung nach Haifa und Beirut. Nach Beirut begaben sich meistens junge Leute, um die dortigen Kollegs zu beziehen. Auf Einladung ihrer in Palästina ansässigen Verwandten hin wanderten aus im Laufe dieses Jahres 741 Personen 30% (1908 — 29%, 1907 — 34%). Mehr denn je gab es jetzt Emigranten, die bereits vormals in Palästina gewesen und jetzt sieb zur endgültigen Niederlassung dorthin begaben. * Der Hilfsverein der Deutschen Juden im Dienste der Emigration. lieber die Tätigkeit dieses Vereines im Dienste der jüdischen Emigration entnehmen wir seinem letzten Jahresberichte folgendes : Im Jahre 1909 haben etwa 100.000 jüdische Auswanderer ihre europäische Heimat verlassen müssen, darunter mehr als 65.000 aus Rußland. Das bedeutet gegen das Vorjahr, in dem infolge der Krisis in Amerika die Emigration stark zurückgegangen war, eine Zunahme der jüdischen Einwanderer um etwa 30 Prozent. Rund 45.000 Auswanderer haben auf ihrer Reise nach den Hafenstädten ihren Weg durch Deutschland genommen. Zur Fürsorge für die Scharen der Hilfs- und Schutzbedürftigen unter diesen Auswanderermassen hat der Hilfsverein an den Grenzorten, im Innern Deutschlands und in den Hafenplätzen 36 Komitees und Bureaus errichtet, die auch im verflossenen Jahre ihre schweren Aufgaben in der besten Weise erfüllt haben. In mehr als 13.585 Einzelfällen wurde die Hilfe unserer Vertrauensleute angerufen. 8538 Personen wurden befördert und fast die doppelte Anzahl beherbergt, verpflegt, bekleidet oder in Krankheitsfällen unterstützt. Um die Fürsorge für die jüdischen Auswanderer einheitlich und damit wirkungsvoller zu gestalten, um namentlich den Auswandererschutz beim Uebergang an der russischen Grenze und bei der Durch Wanderung durch Deutschland bis zu Hafenstädten noch weiter auszubauen, haben sich die Bureaus der Jewish Golonization Association in Rußland und des Hilfsvereines in Deutschland zu einer engen gemeinsamen Arbeit an der Grenze vereinigt. Neben der Auswanderung hat der Hilfsverein auch den Rückwanderern seine Fürsorge zugewandt und er ist zurzeit bestrebt, gemeinsam mit dem Deutsch-Israelitischen Gemeindebunde und anderen jüdischen Organisationen zur Unterdrückung des Wanderbettels geeignete Vorkehrungen zu treffen. So hat der Hilfsverein im abgelaufenen Jahre seine bisherige Tätigkeit nicht nur fortgesetzt, sondern auch in mannigfacher Weise erweitert. Das gesamte Kultur- und Hilfswerk des Hilfsvereines der Deutschen Juden erforderte im Jahre 1909 die namhafte Summe von rund einer halben Million Mark. » Dr. Mandelstamm gegen die Aerzte auf Ellis Island. Der bekannte Augenarzt und Philantrop Dr. M. Mandel stamm in Kiew veröffentlicht soeben in der russischjüdischen medizinischen Revue „Jewreiski medizinski Journal" einen Aufsehen erregenden Artikel, worin er feststellt, daß die Augenuntersuchungen der Einwanderer in New-York höchst mangelhaft und unfachmänniseh vorgenommen werden. Die Aerzte der amerikanischen Einwanderungsbehörde in Ellis Island lassen grundsätzlich die Feststellungen der europäischen Aerzte völlig außer acht und hezeichnen alle bei den Einwanderern festgestellten Augenkrankheiten ohne weiteres als Trachom a, um auf diese Weise einen gesetzlichen Grund für die Verweigerung des Einwanderungserlaubnis der davon Betroffenen zu erhalten. 'Der Artikel weist darauf hin, daß ungeachtet der starken jüdischen Einwanderung nach Amerika seit den Pogromen des Jahres 1881 nichts von einer Verbreitung des Trachoma in Nordamerika oder auch nur in New- York bekannt geworden sei, obgleich bis vor kurzem die Repressionsmaßregeln gegen die Einwanderer nicht angewandt wurden, die heute gang und gäbe sind. Das beweist, daß das Trachoma nicht jene Verbreitung unter den Juden hat, die il m die amerikanichen Einwanderungsärzte zusprechen wollen. Dr. Mandelstamm behauptet, daß die von den amerikanischen Behörden getroffenen Maßnahmen weniger den Schutz des amerikanischen Volkes vor der Trachoma, als vor der Einwanderung selbst zum Zweck haben. Man ist sich bis jetzt nicht einmal über den ansteckenden Charakter des Trachoma ganz klar, und die amerikanische Regierung hat keinerlei Untersuchungen angestellt, um die Frage zu klären. Jedenfalls aber ist es ganz und gar unzulässig, einfach alle Erkrankung der Augen bei mißliebigen Einwanderern als Trachoma zu bezeichnen. * Die russische Regierung gegen — „Palästina". In Warschau hat sich eine jüdische Kolonisations- und Auswanderungsgesellschaft „Palästina" gebildet. Vom Gouvernementsamt war bereits die Registrierung zugelassen worden, aber die Polizei erhob dagegen Einspruch. Nun hatte sich mit der Materie der Senat

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