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Neue Nationalzeitung · 1910-03-04 · Heft 5 (4.3.1910) · p. Seite 4

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XII (1910)
Issue
Heft 5 (4.3.1910)
Date
1910-03-04
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 „Neue National-Zeitung" Nr. 5 Bezalel will kein Almosenspender sein. Er braucht es auch nicht zu sein. Seine Produkte finden tiberall regen Absatz, selbst in Jerusalem. Die Bevölkerung wendet sich an ihn, gibt ihm Aufträge. So entwickelt sich gleichzeitig ein friedlicher, freundschaftlicher Verkehr, und dies ist nicht das geringste Verdienst des Bezalel. Noch ein anderes Ziel verfolgt der Bezalel. Nicht nur das gemeinsame Leid und Unglück soll diese Juden verbinden, sondern der Gedanke, dem Judentum Ansehen und Größe zu schaffen. Und siehe! Palästina hat jetzt Reales, Positives geschaffen und es uns vorgeführt. Palästina ist nicht nur das Land, in dem man betet und stirbt. Palästina ist das Land des Lebens I Die „Bezalel"-Ausstellung in Lemberg. Die „Bezalel"-Ausstellung, welche am Sabbat abends den 12. Februar in der Metropole Galiziens im jüdischen Gemeindehause inauguriert wurde, erbrachte allen den Beweis, daß die jüdische Kunst im Ahnenlande seine Auferstehung der Welt verkündet. Wir sind nicht künstlerisch genug vorgebildet, um alle die herrlichen Gegenstände, welche die Ausstellung schmücken, richtig zu taxieren und überlassen dies jedem Einzelnen, der die Ausstellung besucht. Als Wunder und Zeichen ersten Ranges erscheint aber der Umstand, daß der Lemberger Kultusvorstand diese zionistische Ausstellung in seinem Festsaal aufnahm, daher uns den Chilul haschem erspart hat, unsere nationalen Kunstgegenstände in fremden Räumen unterzubringen. Der Vorstand hat zunächst dadurch sein jüdisch-nationales Empfinden dokumentiert. Noch mehr, unser Kultusvorstand entsendete seinen Vizepräsidenten Dr. Czeszer zur Eröffnung. Nebenbei sei bemerkt, daß Herr Dr. Czeszer es vermieden hat, über die Exposition selbst zu sprechen, hingegen über Herrn Prof. Boris Schatz alles Loh auszuschüttete. Natürlich konnten wir um Redner nicht verlegen sein. Die Zionisten verfügen wohl über die besten Redner im Jungisrael. Weshalb aber verstummte bei der Eröffnung der hebräische Mund? Passen diese heiligen Laute nicht, wo eine Apotheose der jüdischen Sache vor sich geht? Bei dieser Gelegenheit kann man nicht umhin, unsere jungen Zionisten scharf genug zu tadeln, wegen ihrer Zudringlichkeit gegenüber dem polnischen Publikum. Trotzdem alle Plakate in polnischer Sprache abgefaßt waren, hat sich nicht ein einziger polnisch-christlicher Herr am Eröffnungsabend gezeigt; die Liebeswerbungen der Redner in hochtönendem Mickiewicz-Polnisch waren zwecklos. R. Die „I^redit-Ünion" — ein öeschäftsunternehmen! Wir haben es stets für unsere wichtigste publizistische Pflicht angesehen, die große jüdische Oeffentlichkeit und ihre verantwortlichen Vertreter auf die soziale und wirtschaftliche Notlage unseres Volkes, insbesondere in Galizien, aufmerksam zu machen. Wir haben auch wiederholt Anregungen maßgebender, im volkswirtschaftlichen Leben versierter Männer veröffentlicht, deren Zweck dahinging, unsere leitenden und wirtschaftlich einflußreichen Kreise dazu zu bestimmen, in erster Reihe für das Land Galizien ein Institut zu gründen, das dem kleinen dortigen Kaufmann und Gewerbetreibenden billigen und leicht zu erreichenden Kredit gewähren soll. Mit lebhafter Genugtuung haben wir daher die vor ungefähr drei Vierteljahren in Lemberg gegründete „K r e d i t - U n i o n" begrüßt, in der Annahme, daß nun seitens der zionistischen Partei der erste Schritt geschieht, um der jüdischen Bevölkerung in Galizien, die politisch und wirtschaftlich nicht nur von den Polen, sondern auch von den „Hausjuden" derselben geknechtet und unterdrückt wird, ausgiebig zu helfen. Leider aber mußten wir das Geschäftsgebaren der „Kredit-Union" schon gleich zu Beginn ihrer Tätigkeit scharf kritisieren. Wir mußten ihr ausstellen, daß sie zumeist mit Eskompteuren und größeren Kaufleuten arbeite, daß sie einzelnen Darlehensnehmern entweder sehr große Rimessen oder gleich eine größere Anzahl von Rimessen abnehme, daß somit mit dem Gelde jüdischer Volksfreunde wohl eine neue Konkurrenz gegen die zahlreichen Wucherbanken, aber durchaus keine neue Kreditquelle für den kleinen Mann, wie sie den dringenden Bedürfnissen der jüdischen Bevölkerung entspricht, geschaffen wurde. Auf diese rein sachliche Kritik hat zwar das Wiener Zionisten-Organ mit Beschimpfungen erwidert; die von uns angeführten Tatsachen haben jedoch keine Widerlegung erfahren. Der jüngst veröffentlichte Jahresbericht bietet uns wiederum Gelegenheit, das Vorgehen der Verwaltung als ein n i c h t volkstümliches und den Bedürfnissen der großen Schichten der galizischen Juden nicht entsprechendes zu bezeichnen. Die „Kredit-Union" ist die Bank jüdischer Eskompteure. In ihrem Wesen unterscheidet sie sich nur dadurch von den Großbanken, daß sie diese Geschäfte macht, die jene als nicht genug sicher betrachten. Die „Kredit-Union", die es in verhältnismäßig sehr kurzer Zeit zu einem Vermögen von K 233.424 brachte und die noch dazu die Unterstützung der Londoner Kolonialbank genießt — sie erhielt von derselben eine Kapitalseinlage von 150.000 K —, muß nicht die großen Abschnitte der Lemberger und Provinz-Eskompteure in erster Reihe berücksichtigen. Ihr Einwand, daß die Banken, auf deren Kredit sie angewiesen ist, nur solche Wechsel von ihr verlangen, ist nicht stichhältig, denn die Banken sind sich genau über das Wesen und die Ursachen der Gründung dieses Unternehmens bewußt. Sie wissen auch, welchem Zwecke es zu dienen hat, und werden deshalb nicht derartige Bedingungen an dasselbe stellen. Wenn aber ja, so muß es eben Sache der Verwaltung sein, die Banken darüber aufzuklären, daß die Wechsel des kleinen Mannes relativ geradeso, wenn nicht besser, vom Standpunkte der Bonität zu behandeln sind, wie die des Großeskompteurs. Die „Kredit-Union", die schon durch ihre exorbitant hohen Anteilscheine — 200 K — die Gewährung von kleineren Darlehen statutarisch ausschließt, steht mit ihrer bisherigen Praxis in diametralem Gegensatze zu den Intentionen, die für ihre Gründung bestimmend waren. Einzig und allein aus diesem Grunde kann sie nicht verlangen, daß ihre Tätigkeit in der jüdischen Oeffentlichkeit, der das Wohlergehen des gesunden, finanziell aber unterstützungsbedürftigen, galizischen Kaufmannes und Gewerbetreibenden am Herzen liegt, Anerkennung finden soll. Zu den einzelnen Posten der Bilanz, die ebenfalls eine Aufklärung nötig hätten, wollen wir nicht Stellung nehmen, finden jedoch, daß die Gründungs-

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