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Neue Nationalzeitung · 1910-02-18 · Heft 4 (18.2.1910) · p. Seite 10

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XII (1910)
Issue
Heft 4 (18.2.1910)
Date
1910-02-18
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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Seite 10 »Neue National-Zeitung" Nr. 4 Wien. (Anmeldungen für die Ferienkolonien und das Seehospiz.) Die Ansuchen um Aufnahme von Schützlingen für die Kolonien des Kaiser-Franz-Josefs-„Ferienheim" und für das österreichische „Kaiser-Franz-Josef-Juhiläums- Seehospiz" beginnen am 23. d M. und werden allwöchentlich Mittwoch und Freitag von 3 Uhr nachmittags ab im Vereinsbureau, DL, Türkenstraße 17, entgegengenommen. Hierzu haben - Vater, Mutter öder Pflegeeltern mit dem betreffenden Kinde unter Mitbringung eines Mittellosigkeitszeugnisses sich persönlich einzufinden. Die Anmeldungen werden Ende April geschlossen und können später vorgebrachte Ansuchen keinesfalls Berücksichtigung finden. aii5N weiweiLM Die Leichenverbrennungen von Juden. Die Gesamtzahl der Feuerbestattungen in deutschen Krematorien beläuft sich bis Ende 1909 auf 23.000: Im Jahre 1909 wurden in deutschen Feuerbestattungsöfen 4779 Leichen eingeäschert; 729 mehr als im Vorjahre. An den gesamten 4779 Einäscherungen war das männliche Geschlecht mit 2977, das weibliche mit 1802 Fällen beteiligt. Sehr bemerkenswerte Einblicke gewähren auch die Angaben über das Bekenntnis der Eingeäseherten. Danach waren es 3727 Evangelische, 401 Katholiken, 38 Altkatholiken, 220 Juden, 65 Freireligiöse, 68 Dissidenten; 11 gehörten anderen Bekenntnissen an (Buddhisten usw.) und von 349 war kein Bekenntnis angegeben.. Der Zar dekoriert — Juden. Außer dem von uns bereits genannten Geheimrat Halpern, dessen Auszeichnung wir bereits erwähnt haben, wurden um russischen Neujahr — nicht etwa am 1. April — folgende Juden ausgezeichnet: So wurde Herrn S. Lew in das erbliche Ehrenbürgerrecht verlieben, die Herren A. Baron und M. Joffe in Dwinsk sowie J. Friedberg in Romen zu Ehrenbürgern ad personam ernannt, während Herr J. M o w s c h e n s o h n in Dwinsk den Stanislausorden 2. Klasse erhielt. Ueberdies erhielten 26 Juden aus den verschiedenen Gegenden des Reiches, unter ihnen auch einer aus Buchara, Ehrenmedaillen. Was sind Lozelach? Nun endlich ist der anti-' semitische Advokat Dr. G r u b e r aus dem Wasser. Er wurde jüngst in der vertagten Verhandlung wegen des Wortes „Lozelach* vom Bezirksgerichte freigesprochen. Exarch Innozenz für die russischen Juden. Der Exarch von Grusien hat eine judenfreundliche Rede gehalten, die vielfach besprochen wird. Er sagte am russischen Neujahrstage in seiner Hede: „Alle. Menschen müssen in Frieden und Eintracht leben, aber die Judenschaft hat gewiß die Hetze nicht verdient, welche die orthodoxe Bevölkerung gegen sie veranstaltet. Diese Hetze ist von jedem Standpunkte aus scharf-zu verurteilen." Dem Rabbiner Dr. Joffe, der erschienen ist, um dem Erzbischof für seine edlen Gesinnungen zu danken, schenkte Exarch Innozenz seine Photographie mit eigenhändiger Unterschrift. Ueber den Militärdienst der Nichtmohammedaner hielt jüngst in Saloniki G a 1 i b B e y, Oberstleutnant der Kavallerie, einen Vortrag. Der Vorlesung wohnte ein zahlreiches, auserlesenes Publikum bei, darunter auch Hadi Pascha, der Kommandant des dritten Armeekorps, sowie mehrere hohe Offiziere. Galib'Bey beleuchtete die große vaterländische Bedeutung der gleichmäßigen Heranziehung aller Staatsbürger ohn<e Unterschied der Konfession und Nationalität zum Militärdienst.- Darauf hielt Hadi Pascha eine mit großem Beifall aufgenommene Ansprache, die in folgenden Ausführungen gipfelte: „D ie Juden waren stets treue B ü r g er i h res H ei m a t's I a n d es. Sie haben sich immer von' religiösen und nationalen Konflikten ferngehalten, sie gaben den . Behörden niemals Anlaß zum Einschreiten und haben unserer Regierung, niemals Verlegenheiten bereitet. Als fleißiger und intelligenter Arbeiter verdient der Jude unsere ganze Anerkennung und unseren vollen Dank. Ich hoffe und, bin überzeugt, daß der Jude in dieser Aera der Freiheit, die allen Bürgern die ungehemmte Entwicklung ermöglicht, eine für die Zukunft unseres gemeinsamen Vaterlandes sehr wertvolle Rolle spielen und sich in der Armee ebenso auszeichnen wird, wie auf den Gebieten der sozialen Tätigkeit." Herr Geheimer Kominerzienrat Goldberger hat auf der letzten Tagung der Berliner Konferenz-Gemeinschaft der All.-I. U. erklärt, daß er einen längst gefaßten Entschluß, jetzt verwirkliche, indem er aus dem Zentral-Komitee, ausscheide und damit nach ungefähr fünfjähriger Amtierung das Präsidium der Deutschen Kon fei enz-Gemeinschaft niederlege. Auf dringendes und.wiederholtes Ersuchen der Versammlung erklärte sich Geheimrat Goldberger bereit, die Geschäfte bis längstens nach der Jubiläumsfeier weiterzuführen. Wie man uns aus Berlin mitteilt, steht diese Resignation mit der Berufung des Präsidenten des Hilfsvereines, James Simon, in das Kuratorium der Pariser JCA im Zusammenhang. Herr Goldberger hat sich dadurch zurück-, gesetzt gefühlt. Ob mit Recht — ist wohl eine andere Frage. Die Vizekönigin Aegyptens — eine Jüdin. In den jüngsten Tagen war überall zu lesen, daß der Khedive Aegyptens, Abbas Hilmi Pascha, eine ungarische Dame, die Gräfin Török-May, geheiratet hat. Nur wenige scheinen ,es zu wissen, daß die Gattin des Khedive jüdischer Abstammung sei. Sie hieß einmal Fanny Csendes und wurde in Temesvar geboren, wo sie beute noch viele Verwandten hat. Iu Wien absolvierte sie die Akademie der Schauspielkunst und dbrt machte sie auch äie Bekanntschaft ihres ersten Mannes, des Grafen Johann Török, der damals in Wien bei den Husaren diente. Als im Jahre 1900 der Khedive das Theresianum besuchte, wurde er mit der äußerst schönen Frau, deren Gatte ihm als Ehrenkavalier zugeteilt war, bekannt, die sich bald von ihrem Manne scheiden ließ. Die Vizekönigin vergaß ihre Verwandten nicht und ließ einen, der in Temesvar ein Blatt herausgab, nach Kairo kommen, um für ihn dort eine arabische Buchdruckerei einzurichten. Prozentnorm für Fremde in Rumänien. Aus Bukarest wird der „N. J.K." von ihrem dortigen Korrespondenten geschrieben: „Die rumänische Regierung ist gelehrig und hat nach russischem Muster eine Prozentnorm für „F r e m d e", d. i. für Juden eingeführt. Das : neue: Industriegesetz bestimmt, daß industrielle Betriebe nur. einen gewissen Prozentsalz „fremder" Angestellter und Arbeiter beschäftigen dürfen. Diese Bestimmung ist aber unseren: A n ti- . s e mi ten noch zu „liberal". Sie haben deshalb unter der Führung des berüchtigten Judenfressers J o r g a eine über das ganze Land sich erstreckende Geheimorganisation begründet, deren Aufgabe darin besteht, die Zähl der „fremden" Angestellten in sämtlichen städtischen Und ländlichen Industriebetrieben genau festzustellen und dann die betreffenden' Unternehmer unter Androhung des Boykotts zur Entlassung jener Angestellten aufzufordern. Diese hetzerischen Treibereien bedrohen aufs schwerste die jüdischen Angestellten und Arbeiter. Das Schächtverbot in Finnland, Auf Veranlassung des Generalgouverneurs hielt der Senat wiederum eine Beratung über das Verbot des jüdisch-rituellen .Schächtens in Finnland ab! Der Senat gelangte zu dem Schluß, daß das S c h a c h l v e r b o t n ietit a u. f g.e h o b.e. h w.e r d e n k ö n n e, . , :

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