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Neue Nationalzeitung · 1910-02-04 · Heft 3 (4.2.1910) · p. Seite 7

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XII (1910)
Issue
Heft 3 (4.2.1910)
Date
1910-02-04
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 3 „Neue National-Zeitung" Seite 7 v. Lämmel, eine Volksschule, die Lämmel-Schnle, geschaffen wurde, eine Schule, welche noch heute als eine Musteranstalt blüht, der Patronanz der österreichischen Regierung sich erfreut und wohl die einzige derartige österreichische Schöpfung im heiligen Lande ist. Alljährlich erhalten wir befriedigende Berichte über diese Anstalt, welche nicht selten durch deren Direktor, der persönlich hier erscheint, ergänzt werden. Diese Schule, aus welcher seit ihrem halbjahrhundertlangen Bestände Tausende unserer Glaubensbrüder, herangebildet zu tüchtigen Menschen, hervorgegangen sind, sichert unserem Ludwig August Frankl gleichwie der Stifterin ein dauerndes Gedenken. Vielleicht waren es die bekanntlich im Oriente so häufig vorkommenden Augenkrankheiten, der Anblick dieser Leiden, der ihn dazu veranlaßte, bei einem unserer reichen und wohltätigen Glaubensbrüder, dem dahingeschiedenen Jonas Freiherrn v. K ö n i g s w a r t e r, die Errichtung eines israelitischen Blindeninstitutes anzuregen, auf daß den armen lichtberaubten Kindern, wenn auch nicht die Nacht des Auges, so doch die Nacht des Geistes erhellt, sie aus dem dumpfen Dahinbrüten, zu welchem sie verurteilt waren, herausgerettet, zu nützlichen Gliedern der menschlichen Gesellschaft emporgehoben werden. Und wieder ist dies eine Schöpfung, Avelche uns dem Initiator, unserem Ludwig August Frankl, dem edlen Glaubensbrüder, dem Menschenfreunde zu unauslöschlichem Danke verpflichtet." Deutsches Reich. Erklärung der A. J. K. O. Berlin. Die A. J. K. 0. versendet folgendes Kommunique : In den letzten Nummern einiger zionistischer Organe wurden über die von der „Allgemeinen Jüdischen Kolonisations-Organisation" in Konstantinopel geführten Unterhandlungen unzutreffende Nachrichten veröffentlicht, welche hiedurch richtiggestellt werden sollen. Auf Grund von Interviews türkischer Regierungsbeamter glaubten die genannten Organe, die durch die Berichte der europäischen Tagespresse bekannt gewordenen Ergebnisse der Unterhandlungen der A. J. K. 0. mit der türkischen Regierung in Abrede stellen zu können. Demgegenüber erklären wir: Dem Präsidium der A. J. K. 0. sind von den Mitgliedern des von ihr in Konstantinopel geschaffenen Komitees zur Förderung der jüdischen Kolonisation in der Türkei mehrere Schriftstücke zugekommen, welche in positiver Weise bestätigen, daß die in der Tagespresse erschienenen Berichte über die Ergebnisse der Unterhandlungen von Dr. Alfred N o s s i g mit der türkischen Regierung den Tatsachen vollständig entsprechen. Die betreffenden Dokumente tragen die Unterschriften eines hohen Beamten des Großvezierats, eines hervorragenden Abgeordneten und eines bekannten jungtürkischen Freiheitshelden. Der Wortlaut dieser Erklärungen schließt jeden Zweifel an der Autentizität der in den Berichten angeführten Tatsachen aus. Völlig unzutreffend ist auch die Behauptung, daß der Vertreter der A. J. K. 0. die zionistische Organisation in Konstantinopel angegriffen oder verleumdet hätte. Herr Dr. Alfred Nossig hat nur, im Einvernehmen mit der Leitung der A. J. K. 0. und den Tatsachen entsprechend, auf die an ihn gerichtete Frage, ob die A. J. K. 0. zionistische Tendenzen verfolge, festgestellt, daß unsere Organisation einen ausschließlich humanitär-wirtschaftlichen Charakter trage. Wir können zum Schlüsse nicht umhin, über den polemischen Ton, den zionistische Organe einer neutralen, der Orientkolonisation gewidmeten Vereinigung gegenüber anschlagen zu sollen glaubten, unser Erstaunen und Bedauern auszusprechen. Die A. J. K. 0. wird trotz aller vorübergehenden Mißverständnisse ihrem Programm, der Einigung aller für die jüdische Orientkolonisation tätigen Faktoren, treu bleiben. Allgemeine Jüdische Kolonisations-Organisation. Für das Präsidium: gez. Dr. Isidor Ginsberg; gez. Dr. Hirsch Hildesheimer. Für den geschäftsführenden Ausschuß: gez. Kommerzienrat Gerson Simon; gez. Alois A. F. Marcus. * Protestversammlung gegen Geheimrat Geiger. Berlin. Der „Neue Jüdische Gemeinde-Verein zu Berlin" veranstaltete am 19. v. M. eine zahlreich besuchte öffentliche Versammlung, um gegen die in der „Allgemeinen Zeitung des Judentums" von Geheimrat Professor Dr. Geiger unternommene Propagierung des Weihnachtsfestesunter den jüdischen Schulkindern zu protestieren. Es wurde mit allen gegen eine Stimme folgende Resolution angenommen: „Die am 19. Jänner 1910 im Tiergartenhof tagende, vom Neuen Jüdischen Gemeinde-Verein einberufene und von zirka 900 Personen besuchte Versammlung jüdischer Gemeindemitglieder richtet an die Repräsentanten-Versammlung der jüdischen Gemeinde das ergebene Ersuchen, in öffentlicher Sitzung Stellung zu nehmen zu dem in der „Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 7. Jänner 1910 erschienenen Leitartikel des Herrn Geh. Regierungsrates Prof. Dr. Geiger, Repräsentanten der jüdischen Gemeinde. Die Versammlung mißbilligt die hier vertretenen Anschauungen, insbesondere die Forderung der obligatorischen Beteiligung der jüdischen Schulkinder an den Weihnachtsfeiern in den Schulen, aufs schärfste und erblickt darin eine große Gefahr für die heranwachsende Jugend. Die Versammlung ist der Ansicht, daß solche Anschauungen mit der Stellung als Repräsentant der jüdischen Gemeinde und als Mitglied des Talmud-Thoraschulvorstandes unvereinbar sind." England. Die Wahlen ins Parlament, London. Bei den Neuwahlen sind von 32 jüdischen Kandidaten 15 gewählt worden. Auf liberaler Seite acht, und zwar: Rufus Isaacs, Alfred Mond, Herbert H. Raphael, Minister Herbert Samuel, Stuart M. Samuel, E. S. M o n t a g u e, Herbert H. Raphael und Sir Maurice L e v y. Dagegen auf konservativer Seite sieben, und zwar: Sir Philipp Magnus (Abgeordneter der Londoner Universisät), Captain H. M. J e s s e 1, Sir Harry Samuel, Sir Edward S a s s o o n, Mr. A. S t r a u s s, Lionel Rothschild und Frank G o 1 d s m i t h. Unter den liberalen Abgeordneten befinden sich drei Mitglieder der Familie Montague, ein Sohn und zwei Neffen von Sir Samuel Montague, jetzt Lord Swaythling. Lord Rothschild hat seinen angestammten Sitz von seinem Sohne Walter, der nicht mehr kandidierte, nunmehr auf seinen jüngeren Sohn Lionel übertragen. Unsere P. T. Abonnenten werden um die Begleichung der rückständigen Abonnements-Gebühr höflichst ersucht. Die Administration.

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