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Neue Nationalzeitung · 1910-02-04 · Heft 3 (4.2.1910) · p. Seite 8

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XII (1910)
Issue
Heft 3 (4.2.1910)
Date
1910-02-04
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 „Neue .National^Zeiturig" Nr. 3 GBMEiN&ß=u»o VSRGiNSNÄtöRitßSW Wien. Sonntag den 16. Jänner fand im „Hotel Continental" das Wohltätigkeits-Kränzcken des BrigittenauerFrauen -Wohltätigkeitsvereines statt Sowohl der Tanzsaal als auch die sehr geräumigen Nebenlokalitäten waren von überaus zahlreichen, distinguierten Besuchern gefüllt. Wahrend im Tanzsaal die Jugend bei den Klängen einer Regimentskapelle bis zum Morgen eifrig dem Tanze huldigte, ergötzten sich die übrigen Besucher an den im Winterparten von einem Quartett vorgetragenen Musikstücken und den von zwei gutgeschulten Sängern zum besten gegebenen Vorträgen. Bei den Damen fand die beim Eingang in den Saal gebotene Damenspende allgemeinen Beifall. Wie wir vernehmen, dürfte sich das Erträgnis auf mehrere tausend Kronen stellen, und zwar sowohl dank der Energie der Frau Präsidentin Dr. Weiß als auch dem Umstände, daß die Kosten einer Akademie entfallen sind. Wien. Der akademische Verein „Bar Kochba" veranstaltet zur Feier seines 25semestrigen Bestandes eine Palästina-Ausstellung in den Räumen des „Oesterreichischen Kunstvereines", I., Weihburggasse 22. Der Besuch dieser Ausstellung (Eintritt 1 K) kann allen Verehrern des heiligen Landes wärmstens empfohlen werden. Berlin. „Der Verband jüdischer Frauen für Kulturarbeit in Palästina", der im August 1907 gegründet wurde, zählt heute bereits zirka 1000 Mitglieder und ist fast in allen europäischen Staaten sowie in Amerika vertreten. Die Einnahmen des Verbandes im Geschäftsjahre 1. Dezember 1908 bis 30. November 1909 aus Beiträgen und Spenden betrugen 8000 Mk. Ferner wurde der Verband durch einige Mitglieder und mehrere deutsche Firmen mit Wäsche für das Jaffaer Krankenhaus in dankenswerter Weise unterstützt. Trotz seines kurzen Bestehens kann der Verein schon auf erfreuliche Erfolge zurückblicken. Eine seiner Hauptaufgaben ist die Bekämpfung der beiden gefährlichsten Feinde des Landes : Malaria und Augenkrankheit. Zu diesem Zwecke Ayurde eine in deutschen und Jerusalemer Hospitälern ausgebildete Krankenschwester, Frl. Tempelmann, angestellt, der vor allem die so dringend nötige Pflege von Kranken in deren eigenem Heim und die Sorge für die übrigen Familienmitglieder obliegt. Ferner wurde Schwester Tempelmann die Leitung des Jaffaer Krankenhauses Schaare Zion, in dem erkrankte jüdische Arbeiter Pflege finden, das aber bisher nur ungeschultes Personal beschäftigte, übertragen. Ferner mußte ein Augenmerk darauf gerichtet werden, den in Palästina lebenden Frauen Erwerbsmöglichkeiten zu schaffen. Als Vorbereitung hierzu erfolgte die Einführung des Handarbeitsunterrichtes in der Jaffaer Mädchenschule und die Errichtung eines Ateliers zurHerstellung von Nadelspitzen nach einem im Orient üblichen System. In diesem Institut, das gegenwärtig bereits 25 Schülerinnen zählt, wird neben der Ausbildung der manuellen Geschicklichkeit auch auf die moralische und geistige Förderung der Mädchen in verständnivoller Weise hingewirkt: als einheitliche Sprache bürgerte sich merkwürdig schnell das Hebräische ein. Einen weiteren Punkt des Programmes bildet die Bekämpfung des Mädchenhandels im Vereine mit anderen Organisationen. Gefällige Nachrichten erbeten: aus Deutschland an Frau Betty Leszynsky, Berlin W., Bayreutherstraße 365 aus dem Ausland an Fräulein stud. med. Resa Hirsch, Berlin NW., Flensburgerstraße 12. Berlin. In einer sehr stark besuchten Versammlung des Zentral Vereines deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens sprach Frau Dr. E. Eschelbacher- Berlin über die Aufgaben der jüdischen Frau im Kampf um die staatsbürgerliche Gleichberechtigung. Wenn die Referentin, wie sich in der Diskussion herausstellte, nicht allen Anwesenden zu Gefallen sprach, so kam das daher, daß sie die öffentliche Vertretung der Rechte der Juden den Männern als Hauptaufgabe zuwies, um für die Frauen einen Bezirk stilleren Wirkens abzustecken. Für diesen stellte sie als grundsätzliche Forderung auf:, in ruhiger, von sachlichem Ernst beseelter Tätigkeit und mit ehrlichem Bekenntnis zum Judentum der jüdischen Arbeit Anerkennung zu verschaffen, sich dabei aber zu hüten, ungebeten anderer Leute Aecker zu bestellen. Nach bestimmteren Ausführungen über die soziale Betätigung der jüdischen Frau beim Gesellschaftsleben artgelangt, nahm die Rednerin Anlaß, ihre Geschlechts- und Glaubensgertossm eindringlich an die Gesetze der wahren gesellschaftlichen Kultur zü mahnen. Bei der Betrachtung der Lage der ini Erwerbsieben stehenden jüdischen Frauen und Mädchen vertrat Frau Dr. Eschelbacher den Standpunkt, daß die immer stärkere Hinwendung zu geistigen Berufen bedenklich und durch eine Gegenbewegurtg zugunsten häuslicher oder hauspflegerischer Stellungen einzuschränken sei. Der letzte Teil des Referates befaßte sich mit den Pflichten der jüdischen Frau als Mutter und hatte zum Mittelpunkt den Gedanken, daß in einem von Schönheit und stiller Harmonie er* füllten Heim den Kindern das in sich widerspruchslose Gebot eingepflanzt werden müsse, gute Juden und gute Deutsche zu sein. In der Diskussion kamen mehrere Damen und Herren zu Wort. Frau H. Lewiso n verwarf die Mahnung zur Bescheidenheit und erklärte, auch die jüdischen Frauen müßten sich in erster Linie um die politische Gleichstellung mit den Männeru bemühen. Direktor Dr. Adler faßte das programmatisch Wesentliche dahin zusammen, daß der Zentralverein, der die Selbstachtung der Juden wiederzuenvecken und wachzuhalten strebe, die vereinten Kräfte der Männer und Frauen brauche, um sein Rechtsziel zu erreichen. In einem Schlußworte begründete Frau Dr. Eschelbacher nochmals ihre Ansicht, daß es die erste Pflicht der jüdischen Frauen sei, sich zu erzogenen Erzieherinnen heranzubilden. i|U5 AllSN WCLtCEiLSN Der Rabbi als Richter. Das Organ der Bukowinaer ruthenischen Bauernpartei „Narodni Holos" berichtet über ein interessantes Urleil eines Rabbiners in einem Streite zwischen einem Juden und einem Bauern. An einem Marktlage in einem kleinen Städtchen in Galizien erschien ein Bauer, der Hanf zu verkaufen hatte. In diesem Hanf befand sich ein kleines Tuch, in dem. die Gattin . des Bauern 50 K in Gold, die Ersparnisse, die sie machte, aufbewahrt hatte. Ein jüdischer Handelsmann kaufte den Hanf, bezahlte den vereinbarten Kaufpreis und ging mit der Ware und ihrem goldenen Inhalt fort. Eine Weile später erinnerte sich die Bäuerin, daß sie mit dem Hanf ihren Goldschatz verkaufte. Sie eilte zu dem Juden, der von dem Goldschatz nichts zu wissen behauptete. Der Bauer machte hierauf den Vorschlag, zum Rabbiner des Ortes zu gehen und ihm den Streitfall vorzutragen, damit er sein Urteil fälle. Nachdem der Rabbiner die beiden Parteien einvernommen hatte, ließ er eine Tora bringen, forderte den Juden auf, einen Eid zu leisten und drohte ihm mit dem Banne, im Falle er nicht die Wahrheit sagen sollte. Der Handelsmann zog darauf die 50 K hervor und übergab sie dem Bauern, indem er sich dahin rechtfertigte, daß er das Geld als einen Fund betrachtete, den vielleicht auch ein anderer hätte dort versteckt haben können. Die Parteien gingen sodann zufrieden fort und dankten dem Rabbiner für die rasche Lösung des Konfliktes. Das genannte Blatt, dem wir dieses Geschichtchen entnehmen, bemerkt dazu: Wie leicht wurde dieser Rechtsfall vom Rabbiner geschlichtet und welcher Mühe hätte es hingegen bedurft, wenn man die Affäre vor Gericht hätte austragen müssen? Rechtsanwalt Hillerson in Petersburg hat, wie bekannt, gegen das Urteil, womit über ihn ein Jahr Festung wegen der in Vertretung der Bialystoker Opfer gehaltenen Rede verhängt wurde, die Kassationsbeschwerde angemeldet. Dieser Tage fand die Verhandlung vor dem Kassationshofe statt. Das Urteil wurde — bestätigt. Hebräische Briefadressen. In letzter Zeit ist der Versuch gemacht worden, Briefadressen in Palästina nur hebräisch zu schreiben. Die betreffenden Postsendungen gelangten pünktlich und ohne Verzögerung in die Hände der Empfänger. Die in Jerusalem erscheinende hebräische Tageszeitung „Hazewi" hat in diesen Wochen zahlreiche hebräische

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