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Neue Nationalzeitung · 1910-02-04 · Heft 3 (4.2.1910) · p. Seite 5

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XII (1910)
Issue
Heft 3 (4.2.1910)
Date
1910-02-04
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 3 „Neue National-Zeitung" Seite 5 Jnd'", vennochto bis zu seinem Lebensende den widerlichen Eindruck dieser Begegnung nicht zu verwinden. Bei all seiner Abneigung gegen Galizien zeigte sich L. A. Frankl stets hilfsbereit, wenn es galt, jüdische, künstlerisch oder schriftstellerich veranlagte Jünglinge aus Galizien zu fördern. Ich habe zahlreiche Beweise seiner eifrigen Bemühungen in solchen Fällen. Soll es unerwähnt bleiben, daß einer seiner besten und treuesten Freunde ein Gaiizianer war? Man kennt ihn noch, den Arzt und Dichter in Lemberg, Moritz Rappaports. A.Beide Freunde besangen sich gegenseitg in tadellosen Versen und die Freundschaff, die Rapaport für Frankl hegte, erbte dessen SohnDr.JakobRappaport. In seinem Palais auf der Ringstraße, angrenzend an das Albrecht-Palais, im 4. Stock, wohnte L. A. Frankl seit seiner Pensionierung als Sekretär der Wiener Kultusgemeinde bis zu seinem Lebensende. Dr. Strancher und Niko Wassilko POLITISCHE RUNDSCH/W. Fünfzehn M. P. „israelitischer Konfession" wird das neue englische Parlament zählen: 8 Liberale und 7 Konservative.- Gegenüber dem früheren Parlamente, in welchem 12 Liberale und 4 Konservative israelitischer Konfession saßen, ist der Abgang eines Mandates zu verzeichnen. Allerdings ist es vom Standpunkte der englischen Judenschaft auch gleichgiltig, wie viel Juden im Parlamente sitzen. Denn unter den Gewählten befindet sich keine einzige Persönlichkeit, die im jüdischen Volks- oder Gemeindeleben irgend eine Rolle spielen würde. Sie sind alle bloß Z u f a 11 s j u d e n. Es ist zwar sehr schön von der englischen Regierung, daß sie bereits einen jüdischen Abgeordneten (Herbert Samuel) zum Minister ernannt hat und nun im Begriffe steht, auch den Abgeordneten Rufus I s a a c s, einen der hervorragendsten Rechtsanwälte Englands, in ihr Kabinett zu berufen. Aber diese Abgeordneten kümmern sich, so weit sie Liberale sind, um die Juden gar nicht, und sind sie Konservative, so machen sie die konservative Politik, auch wenn sie gegen die Juden gerichtet ist, stramm mit. Leider haben bei den letzten Wahlen, dank dem Drucke der Familie Rothschild die Juden in manchen Bezirken mehr als notwendig konservativ agitiert. Dieser Agitation ist beispielsweise der bisherige jüdische Abgeordnete Mr. M. B. Strauß, im Londoner Bezirke Mile-End, zum Opfer gefallen, wiewohl er der Einzige war, der sich im Parlament für die Juden exponiert hat. Dem Lord Rothschild ist eben ein christlicher Konservativer lieber, als ein jüdischer Liberaler. Jozef Kwiatek hat in Krakau durch Selbstmord seinem Leben ein Ende bereitet. Der kaum 35jährige Mann hatte in der revolutionären Bewegung in Russisch-Polen eine führende Rolle gespielt; er hatte den Warschauer Generalstreik im Jahre 1905 inszeniert; die erste bewaffnete Volksmanifestation in Warschau war sein Werk. Er war leitender Redakteur der polnischen Parteiblätter in Preußisch- und Oesterreichisch-Schlesien. Die langjährige Haft in russischen Gefängnissen hat seine Lebenskraft frühzeitig gebrochen; er wurde siech und lebensmüde. Kwiatek war Jude. Was hätte er nicht alles mit seinem Idealismus, seinem Wissen und seiner Opferwilligkeit für die jüdischen Volksmassen leisten können! Aber er war Sozialdemokrat und schwärmte für die Unabhängigkeit Polens. Es ist traurig, zu sehen, wie unsere Besten ihr Leben für fremde Ideale opfern. haben im Bukowinaer Landtage mit einander abgerechnet. Das Facit war, daß Herr v. Wassilko, nachdem ihm die Juden zu einer Position verholfen haben, jetzt die Freundschaft der antisemitischen Parteien sucht. Der Jade hat seine Pflicht getan, der Jude kann gehen. Wassilko ist beileibe kein Antisemit; seine Politik erinnert aber sehr stark an den galizischen Asemitismus. Er will gegen die Juden „bloß" einen wirtschaftlichen und nicht nationalen Kampf führen, er will „bloß" Konsumvereine und dergleichen gründen. Wir begreifen es vollständig, daß Dr. Straucher dem Herrn v. Wassilko diesmal noch nicht in gebührender Weise antwortete. Angesichts der antisemitischen Verrohung der rumänischen und christlicbsozialen Presse in der Bukowina sowie der wüsten Szenen, deren Schauplatz jetzt der Bukowinaer Landtag bildet, ist es für den jüdischen Politiker geboten, es sich nicht mit allen zu verderben. Es wird aber notwendig sein, den Herrn v. Wassilko jetzt mit der gebührenden Vorsicht zu behandeln. Es kann noch rechtzeitig dafür gesorgt werden, daß die Bäume nicht in den Himmel wachsen. Ein Verbot gegen dieSelchfabrikeD. (Ein Erfolg der „Neue National-Zeitung1.) Seit Jahren haben wir das Rabbinat und den Kultusvorstand auf den Mißbrauch aufmerksam gemacht, welcher in Wien durch einige Selchwarenfabriken getrieben wird, indem das jüdische Publikum durch Ankündigungen in einigen jüdischen Blättern und durch die Firmentafeln systematisch getäuscht wird. Selchwaren, welche notorisch allen rituellen Vorschriften Hohn sprechen, werden als koscher verkauft und von dem religiös gesinnten Publikum konsumiert. Jahre hindurch haben wir diese Mißstände ohne jeden Erfolg gebrandmarkt; die maßgebenden Faktoren verhielten sich ganz passiv. Endlich aber sind dieselben wohl zur Ueberzeugung gelangt, daß hinter uns die gesamte jüdische öffentliche Meinung steht und daß ein derartiger Zustand nicht länger geduldet werden darf, sollen nicht Rabbinat und Kultusvorstand in rituellen Fragen jede Autorität verlieren. Unser letzter Appell blieb nicht ohne Erfolg. In der vorletzten Nummer, vom 7. Jänner, schrieben wir, anknüpfend an die famose „Berichtigung" der Firma L. & T. Piowati folgendes: „Allerdings ist es traurig, daß der Kultusvorstand und das Kabbinat nicht den Mut aufbringen, den Herren Piowati, Theumann und Genossen das Handwerk zu legen und die Irreführung des jüdischen Publikums zu verhindern. Dadurch würden diese Herren gezwungen sein, ihre Fabriken unter die Aufsieht des Rabbinates zu stellen. Warum müssen dies die Koschertleischbanken tun? Die langwierigen Unterhandlungen sind erfolglos geblieben; vielleicht zeigt Herr Präsident Dr. Ster n, der doch so energisch ist, hier einmal seine Energie Vu Dieser Appell wirkte. Einige Tage darauf beschloß das Rabbinat im Einvernehmen mit dem Präsidium die Erlassung nachstehenden Verbotes, welches in allen Bethäusern affichiert wurde: „Ueber vielfache an das Rabbinat gelangte Anfragen und Beschwerden, macht dasselbe hiemit bekannt, daß die nachbenannten Selchwarenfabrikanten: L. & T. Piowati, Wien, IL, Roten Sterngasse Nr. 12.

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