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Neue Nationalzeitung · 1910-01-21 · Heft 2 (21.1.1910) · p. Seite 10

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XII (1910)
Issue
Heft 2 (21.1.1910)
Date
1910-01-21
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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Seite 10 »Neue National-Zeitung" Nr. 2 sollte, was ihnen du rch Iiaub und Erpressung iväh-, rend so vieler Jahrhunderte genommen wurde. Nicht allein im alten Palästina waren den Armen gewisse Rechte eingeräumt (die Ecken des Feldes gehörten ihnen, ebenso wurde ihnen die Nachlese überlassen), auch im Mittelalter, in der Diaspora, hatte der Arme, der in einer fremden Stadt sich eine kurze Zeit hindurch aufhielt, gewisse Ansprüche an die betreffende Gemeinde. Der Arme fand auch Aufnahme in den Kreis der Familie, wo er wie ein Familienmitglied bewirtet wurde. Bezeichnend ist, daß in der alten hebräischen Literatur nirgends der Ausdruck für das Wort Bettler vorkommt. Der Arme ist kein Bettler, er ist ein Gast im Hause des Reichen. Die heutige soziale Lage der Juden hat die sogenannten Luftmenschen gezeitigt, deren Zahl immer im Wachsen begriffen ist. Der einzige Weg, diesen Erwerbslosen Arbeit zu verschaffen, ist die E rschließung Palästinas. Der Vortrag war besonders lehrreich und durch eine schöne Auslese geistreicher Beispiele aus der jüdischen Geschichte ausgezeichnet. Das Publikum zollte dem Redner reichen Beifall. Die Juden in Serbien. Die Juden Serbiens haben sich nicht zu beklagen. Es gibt ihrer zirka 5000, die etwa 2 pro Mille der Gesamtbevölkerung bilden. Von diesen wohnen vier Fünftel in der 80.000 Einwohner zählenden Hauptstadt, in Belgrad. Der Rest wohnt zerstreut in den Städten Nisch, Kragusewatz, Schabatz und Poscharewatz. Die askenasische Gemeinde in Belgrad zählt etwas mehr als 500 Seelen, alle übrigen Juden sind Sephardim und sprechen unter sich fast ausschließlich noch spaniolisch. Auch sonst hat man die alten Sitten und Gebräuche ziemlich treu bewahrt. Es gibt verschiedene Synagogen. Die neue Synagoge, die seit zirka anderthalb Jahren errichtet ist, ist ein sehr schöner Bau. Die anderen Bethäuser sind zum Teil schon sehr alt. Uebertritte zum Christentume sind außerordentlich selten. Zur Erhaltung der Kultuseinrichtungen leistet die Regierung einen Beitrag. Der größte Teil der Kosten wird aber von den jüdischen Gemeinden eingebracht. Die Kinder erhalten geregelten jüdischen Unterricht und von maßgebender Seite wird beabsichtigt, in Belgrad eine jüdische Volksschule zu errichten. Was die sozialen Verhältnisse der serbischen Juden anbetrifft, so gehören sie in ihrer großen Mehrzahl dem Kaufmannsstande an. Auch die junge Industrie geht stark auf jüdischen Einfluß zurück. Es gibt eine Anzahl reicher Leute und ziemlich viel Mittelstand. Aber auch Arme gibt es sehr viele und diese sind vielfach Hausierer und dergleichen, manche auch Arbeiter. Im Durchschnitt soll die Belgrader askenasische Gemeinde weit wohlhabender als die sephardische sein. Der ärmere Teil der jüdischen Bevölkerung wohnt in dürftigen Gassen mit dem armen türkischen Volke zusammen. Uebrigens befinden sich auch die neue Synagoge und die letzte in Belgrad übrig gebliebene Moschee in nächster Nachbarschaft. Die serbischen Juden sind gute Patrioten und werden auch von den Christen als solche betrachtet. Als die Wogen des österreichisch-serbischen Konfliktes am Höchsten gingen, da tat sich eine Anzahl serbischer Juden zusammen und richtete an die westeuropäische liberale Presse einen Aufruf, in dem sie betonte, in welch edler Weise die Serben die jüdischen Mitbürger behandelten. Konnte die Proklamation auch unmöglich irgend ein Resultat zeitigen, die gute Absicht wurde in Serbien anerkannt Zeitschriften-Rundschau. Die Resignation Sokolows. Wie ,.Die Welt" berichtet, hat Herr Nahum S o k o 1 o w seine Stellen sowohl als Chefredakteur der „Welt" wie auch als Generalsekretär des zionistischen Aktions-Komitees in Köln niedergelegt. Nach dem Verhalten Sokolows gegenüber Herrn Wolffsohn auf dem Hamburger Kongreß war dieser Ausgang vorherzusehen. Hoffentlich findet Sokolow recht bald einen neuen ihm besser zusagenden Wirkungskreis. * Ein neues hebräisches Blatt in Eonstantinopel. Seit kurzem erscheint in Konstantinopel ein neues hebräisches Wochenblatt „Hamevasser" („D er Verkünder"). In dem Programmartikel der ersten Nummer heißt es u. a.: „Die Golusplage hat unsere türkischen Brüder fast unberührt gelassen. Das Gleichgewicht ihrer nationalen Psyche ist nicht gestört. Sie werden nicht, wie die Juden anderer Länder, zwischen Judentum und Menschentum hin und her geschleudert. Seit altersher zeichnen sie sich durch geistige Einheitlichkeit und Ganzheit aus. Halbheit und innere Zerrissenheit sind den osmanischen Juden fremd. Sie waren immer treu ihrem Lande und ihrem Volke zugleich." „Die Ottomanen, die nicht engherzig sind, haben niemals irgendwelche seelische Opfer verlangt, wie dies auch die Jungtürken der Gegenwart nicht fordern. Sie verlangen nur von allen Nationalitäten im Staate die Kenntnis der Landessprache — und wir unterstützen diese Forderung mit allen Kräften. Sie verlangen aber von den Juden keine Assimilierung und Aufgabe ihres Nationalbesitzes. Das nationale Bewußtsein der jüdischen Massen in diesem Lande ist unerschüttert. Und auf der Basis dieses natürlichen und gesunden Bewußtseins wollen wir unser Werk für das türkische Judentum errichten, das von der Geschichte dazu berufen scheint, der Pionier der gesamtjüdischen Renaissance im Orient zu werden." Die Vierteljahrschrift „The Jewish Quarterly Revi«w", die im Jahre 1908 in London eingegangen ist, erscheint, demnächst wieder in Philadelphia, im Verlage des Dropsie College. Als Herausgeber fungieren Professor S. S c h e c h t e r und Dr. Cyrus Adler. Das Jännerheft der Monatsschrift ..Palästina" veröffentlicht ein ziemlich reiches Material. Wir finden u. a. nachstehende Artikel: Dr. David Strauss (Zürich): Zum T.Jahrgang, ein Rück- und Ausblick. — Pastor 0. Eberhard, Greiz: Ein Land, darinnen Milch und Honig fließt. — Dr. A Labuschin: Die kulturelle Neuentwicklung Palästinas. — Dr. Emil Levy- Berlin: Palästina-Aphorismen. — Dr. S. Weissenberg, Elisabethgrad : Die jemenitischen Juden. —- D. Friedrich Naumann : Aus Asia. — Davis Trietsch: Gartenstadtbewegung. biste der Ausgetretenen. «Vom 30. bis 31. Dezember 1909. (Nr. 605-616.) Adler Friedrich, Gymmasist, geb. 17. Juni 1895, Wien, XIL, Dörfelstraße 12. Bial Therese, geb. 15. August 1836, Berlin, VI., Magdalenen- •straße 42. Brecher Magda, geb . 20. November 1895, Wien, wohnhaft in St. Pölten. Deutsch Max, geb. 25. April 1881, Wien, X., Eugengasse 90. Drucker Sophie, geb. Herzig, Tischleraneisterswitwe, geb. 24. November 1870, Durnholz, XIV., Schweglerstraße. Haberfeld Walter, Dr., geb. 8. April 1885, Biala, XVIIL, Gentzgasse 158. Politzer Wilhelmine, Private, geb. 2. November 1866, Wien, IX., Währingerstraße 72. Tafler Armin, Dr., Goitsbesitzei, geb. 3. April 1868, Budapest, III., Marokkanergasse 12. Tafler Anna, geb. 7. März 1877, Brünn, III., Marokkanergasse Nr. 12. Taussig Leopold, Elektrotechniker, geb. 15. November 1882, Wien, XX., Daanmstraße 8. Welodniker Eifre, Näherin, geb. 14. April 1887, Podwoloozyska, XXL, Leopoldau. Grenzgasse 217. Vom 1. bis 16. Jänner 1910. (Nr. 1—12.) Cahn-Speyer Lucy Henriette, geb. 23. November 1886, Wien. L, Universitätsstraße 5. Augenzucker Sophie, geb. 9. August 1878, Brzezany, III., Marxergasse 8. Thorsch Hans, Dr., geb. 22. April 1883, Prag, I., Hotel Imperial. Masafik Isak Siegfried, Gehilfe, geb. 4. April 1880, Steinitz, IL, Josefinengasse 1. Bodanzky Ida, geb 28. Juni 1887, Wien, VI., Gumpendorfersfcraße 26. Golwig Moriz, geb. 16. Jänner 1862, Wien, VI., Rothgasse 1. Goldmann Mendel, Offiziersdiener, geb. 20. Dezember 1885, Jasonzka, X., Arsenal, Obj. 5. Polak Artur, Kaufmann, geb. 11. Oktober 1883, Wien, VIII., Fl'orianigasse 58. Spitzner Richard, Bankbeamter, geb. 6. August 1868, Wien, VIII., FloTianigasse 42. Zoltan Albert, Apotheker, geb. 24. November 1877, Rosenau, L, Bäckerstraße 3. Müller Hildegard, Modistin, geb. 22. Juni 1881, Lundenburg, III., Ungargasse 5. Schwarz Karl, geb. 26. November 1885, Ünter-Döbling, Nikolsburg (röm.-kath.).

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