Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XII (1910)
- Issue
- Heft 2 (21.1.1910)
- Date
- 1910-01-21
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8 „Neue National-Zeitttng" Nr. 2 Eine angeregte Diskussion folgte den Vorträgen von Reverend Michael Adler und Reverend J. F. Stern über Kindergottesdienst, von denen der eine schwächer, der andere stärker die Notwendigkeit von Kindergottesdiensten mit weniger Hebräisch und viel Englisch, Erbauungsreden, dem Verständnis der Kinder angemessen, betonte, nach gleichem Master wie es seitens der kontinentalen Reform auch betrieben wird, nur noch mit dem Zusatz, daß die Leitung auch in den Händen von Laien, Herren oder Damen, liegen könne. Nach der die Privatinteressen der englisch-jüdischen Ministry berührenden Debatte über ein Schema für Pensionsgehälter wurde zur Behandlung des Punktes der Tagesordnung geschritten: Mischehen. Die Vorträge des Reverend G. J. Emanuel (Birmingham) und des Reverend Morris Joseph von der Reformgemeinde deckten sich absolut in der Ablehnung von Mischehen. Die Konferenz, von den Ministern der United Synagogue, der Provinzen und der Reformgemeinden abgehalten, bot ein anschauliches Bild über den Stand der engÜschen Judenheit in religiösen Dingen und die Bildung einer Organisation, um, aufeinander gestützt, im eigenen Kreise besser wirken zu können. Rußland. Gewerbliche Ausbildung der jüdischen Mädchen. Wilna. Am 9. Jänner begann hier die Tagung einer bedeutsamen Konferenz für die gewerbliche Ausbildungjüdischer Mädchen, zu der 120 Delegierte von jüdischen Handwerksschulen und Bildungsinstituten erschienen sind. Unter den Teilnehmern an der Konferenz ist besonders das weibliche Element zahlreich vertreten. Baron David Günzburg eröffnete die Konferenz mit einer längeren Ansprache, in der er die Bedeutung einer systematischen, zweckdienlichen gewerblichen Ausbildung der jüdischen weiblichen Jugend für das gesamte soziale und Familienleben der breiten jüdischen Volksschichten hervorhob. Nach einigen Begrüßungsansprachen von Vertretern namhafter Gesellschaften wurden außer dem Präsidium drei Kommissionen gewählt: 1. für die Festsetzung des Lehrplans in den Mädchenhandwerksschulen; 2. für die Bestimmungen bezüglich der Schülerinnen; 3. für die Vorbereitung von Lehrern und Lehrerinnen der genannten Schulen. Die Hauptberatungspunkte der dreitägigen Verhandlungen der Konferenz bildeten die Reformieruug der bestehenden jüdischen M äd c he n h a n d w er k sschulen, die vornehmlich durch die JCA in verschiedenen Städten Rußlands gegründet und erhalten werden und die Frage der allgemeinen Bildung neben der gewerblich-fachlichen. Von verschiedenen Seiten wurden die bestehenden jüdischen Mädchenhandwerksschulen einer Kritik unterzogen und die Reformbedürftigkeit der betreffenden Schulen wurde allgemein anerkannt. Der Baron Günzburg teilte gleichzeitig mit, daß die JCA sich nach den Beschlüssen dieser Konferenz, deren Kompetenz sie voll anerkenne, richten werde. Nachdem die Verhandlungen, die durchweg in ernster und würdiger Weise verlaufen waren, die Beratungsgegenstände genügend geklärt hatten, wurden folgende Resolutionen angenommen: 1. Die bestehenden jüdischen Bildungsinstitute in der Residenzstadt und der Provinz müssen als Grundlage ihrer Tätigkeit betrachten: eine umfassende Entwicklung der jüdischen Mädchenvolksschulen mit rationellem Unterricht in Handarbeiten und Zeichnen. 2. Um das Niveau der Handwerksarbeiten der jüdischen Frauenwelt zu heben, muß die Bildung, sowohl die allgemeine wie die professionelle, außerhalb der Schule mit aller Möglichkeit gefördert werden. 3. Die Konferenz spricht sich für eine Trennung der gewerblichen von den allgemeinen Schulen aus. Der Lehrplan soll darauf abgestellt sein, daß die Schülerinnen nach Absolvierung der Schule tüchtige Handwerkerinnen werden können. Eine weitere Resolution bezeichnet derartige häufigere Konferenzen und gemeinsame Beratungen als nützlich und notwendig. G5MEiN&2=üN& V5ReiNSNGUiRilWW Wien. (Verein der Sabbatfreunde „Schomre-Schabbos".) Am 24. Jänner d. J., halb 8 Uhr abends, wird Herr Jakob Ro Senheim, Verlagsbuchhändler aus Frankfurt a. M., über das Thema „Zeitgemäße Betrachtungen beim Scheine der Sabbatlichter" im Saale des Hotel Central, IL, Taborstraße 8, sprechen. Dem Vortrage schließt sich eine Diskussion an. Derselbe Vortragende wird auch am 25. d. M., um 8 Uur abends, in demselben Lokale über „Die Aufgaben des traditionellen Judentums in Palästina" sprechen. Wien. (Volkstümlich-literarische Vor Stellungen im „ J ü d ischen Theater" IL, Taborstraße 13, „Hotel S t ef a n i e".) Der akademische Verein „Jüdische Kultur" hat das Arrangement einer Reihe von volkstümlich-literarischen Vorstellungen im „Jüdischen Theater" übernommen. Der Zweck dieser Vorstellungen ist, dem jüdischverstehenden Publikum künstlerisch-abgerundete Vorstellungen bei ermäßigten Preisen zu bieten. Die erste Vorstellung findet Sonntag den 30. d. M., um halb 4 Uhr nachmittags, statt. Zur Aufführung gelangt „S apph o", Drama in vier AJcten, von Jakob G o r d i n. Es ist zu erwarten, daß diese Vorstellungen einen zahlreichen Besuch aufweisen werden, um auf diese Weise es zu ermöglichen, däß ein auf künstlerischen Grundsätzen basierendes jüdisches Theater in Wien seinen Eingang findet. Die Vorstellungen beginnen mit einem Zyklus aus den Werken Jakob Gordins. Czernowitz. Die Landesregierung hat nunmehr die Gründung des Vereines „Jüdisches Theater" zur Kenntnis genommen. Die Tätigkeit desselben soll sich über G a 1 i z i e n und Bukowina erstrecken. Zweck. des Vereines ist nach § 3 der Statuten: „Die Pflege und Hebung des jüdischen Theaters als nationalen Kulturwertes unter Ausschluß jedes anderen, insbesondere politischen Zweckes". Die Erreichung dieses Zweckes wird nach § 4 der Statuten durch folgende Mittel angestrebt: , a) Errichtung einer jüdischen Theaterschule; b) Schaffung einer modernen, künstlerischen Anforderungen entsprechenden Bühne -- mit festem oder wechselndem Sitze; c) Förderung und Veranstaltung guter Dilettantenvorstellungen; d) Unterstützung hervorragender darstellender Kräfte des jüdischen Theaters; e) Einflußnahme auf die künstlerische Führung, ganz besonders auf das Repertoire der bestehenden jüdischen Bühnen durch Intervention, Versammlungen und Presse sowie durch Abonnements, die der Verein den betreffenden Bühnen sichert; f) Förderung der dramatischen Produktion, durch Preisaußschreibungen, g) Herausgabe und Förderung von zAveckdienlichen Druckschriften; h) Veranstaltung von Vorträgen über das jüdische . Theater und das jüdische Drama. Budapebt. Anfangs Jänner erfolgte hier in Gegenwart der hervorragendsten Persönlichkeiten unserer Gemeinde die Konstituierung des „Israelitischen Landes-Patronage- Vereines". Nach der Eröffnungsrede des Dr. Adolf K o h n e r hielt Universitätsprofessor Dr. Eugen B a 1 o g h einen ausführlichen Vortrag über die Zwecke und Mittel der Patronage-Tätigkeit. Voll warmen Lobes erwähnte er vorerst das segensreiche Wirken des Israelitischen Handwerks- und Ackerbauverems und des Israelitischen Kulturvereins, die hohen Verdienste um die Erziehung der israelitischen Jugend besitzen. Er legte dann die Prinzipien dar, welche dem Verein in seinem Wirken als Leitfaden zu dienen haben und kennzeichnete die erforderlichen Verfügungen. Dr. Balogh schloß unter den herzlichen Ovationen des Auditoriums mit einer Begrüßung des Vereins und der Zusicherung, daß es diesem an Unterstützung von Seiten der anderen ähnlichen A^ereinigungen nicht mangeln Averde. Rabbiner Dr. Simon Hevesi skizzierte nun das Arbeitsprogramm des Vereins, der einer letztmodernen, aber dennoch in der jüdischen Religion von alters her vorhandenen Idee dienstbar sei. So trägt denn die