Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XI (1909)
- Issue
- Heft 26 (17.12.1909)
- Date
- 1909-12-17
- Page
- Seite 12 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 12 Nr. 26 israelitischen Kultusgemeinde H. für diese Funktion befähigt sei." Hauptmann Rienecker, ein gutmütiger Mann, ließ den Infanteristen Schild kommen und befragte ihn über den im Briefe ausgesprochenen Wunsch und bemerkte am Ende der Unterredung: „Sie bekommen also vier Tage Urlaub und wenn Sie einpassiert sind, dann blasen Sie mir aber auch ein Stück auf Ihrer Posaune vor!" Ein jüdische« Museum in Budapest ist im Entstehen begriffen. Die Initiative stammt von Dr. Franz M e z e y, der in der letzten Sitzung der Direktion der Israelitischen ungarischen Literaturgesellschaft die Schaffung eines solchen Museums beantragte. Der Antrag lautet im Wesen wie folgt : Mit Rücksicht darauf, daß der Sammlung und Veranschaulichung der auf die Geschichte, Tradition, auf den Religionskullus des Judentums bezüglichen Andenken nicht nur eine konfessionelle, sondern auch eine allgemein kulturelle Bedeutung innewohnt, möge die Gesellschaft ein jüdisches Museum und zu diesem Zwecke einen besonderen Fonds enichten und auch ein Exekutivkomitee entsenden. Der Antrag wurde angenommen. Sofort wurde das Museumskomitee gebildet. Die Jaden in Jemen. Die AUiance Israelite Universelle hat ihren Schulleiter in Beirut, Herrn Yomtob Se m ac h, beauftragt, sich nach Jemen zu begeben, um sich über die Verhältnisse der Juden daselbst zu unterrichten und darnach Vorschläge zu machen, wie die üble materielle und kulturelle Lage der Juden von Jemen zu verbessern wäre. Herr Semach wird seine Reise in den nächsten Tagen antreten. Generalissimus Schofket Pascha und die jüdischen Soldaten. In seinen „Briefen aus dem Orient" äußert sich Pfarrer Stier auch über die spaniolischen Juden in Saloniki, die er auf hunderttausend unter einer Gesamtbevölkerung von 150.000 Seelen schätzt. Der Verfasser sagt da u. a. : „Man könnte unseren eingefleischten Antisemiten nur raten, einmal hier Studien zu machen, wenn sie sähen, wie alle Arbeiten, auch die schweren körperlichen, von den Spaniolen verrichtet werden — sie sind nicht bloß Handwerker, sondern vor allem auch Lastträger — so würden sie doch vielleicht ihre vorgefaßten Meinur gen über das „Schachervolk " etwas revidieren. Tatsächlich gehören sie zu den gebildetsten und tüchtigsten Elementen der Stadt; der Anteil der Spaniolen an der unblutigen Revolution, ihre Beteiligung an den „Komitees für Einheit und Fortschritt" ist nicht gering anzuschlagen. Die Türkei wird in zehn Jahren nicht bloß christliche, sondern auch jüdische Offiziere haben und damit, wie der Generalissimus Schefket Pascha mit leisem Lächeln bemerkte, moderner als Deutschland werden". Die Rabbiner in Frankreich. Nach zuverlässigen Mitteilungen wird jetzt ein neues Reglement über die Rechte und Pflichten der Rabbiner in Frankreich vorbereifet. Danach kann nur ein volljähriger Franzose, der das hiesige Rabbinerseminar absolviert hat, Rabbiner werden. Jede Kultusgemeinde von mehr als hundert Mitgliedern soll einen Rabbiner haben. Das Zentralkonsistorium bestimmt die Rabbinersitze. Die Verleihung des Oberrabbinertitels ist zu-n Teile von der Zahl der Gemeindemitglieder abhängig. In dieser Hinsicht enthält der neue Entwurf eine wesentliche und nicht gerade sehr zweckmäßige Neuerung. Nach den bisherigen Bestimmungen mußte der Erlangung < ines solchen Titels eine besondere Prüfung vorausgehen. Die Rechte der Rabbiner sind sehr knapp bemessen. Sie beschränken sich auf das Predigen und Vorbeten in den Synagogen, auf die Beanspruchung einer vierwöchigen Ferienzeit in jedem Jahre und auf die Erteilung und Beaufsichtigung des Religionsunterrichts. Andere Funktionen dürfen die Rabbiner ohne besondere Erlaubnis des Zentralkonsistoriums nicht ausüben. Im ganzen stellt das neue Reglement eine nicht unerhebliche Verschlechterung der Lage der Rabbiner in Frankreich dar und es dürfte wohl noch auf große Widerstände s'oßen. Chacham-Basrhi Nahum hat bekanntlich bei der türkischen Regierung b .:i.n tragt, daß für die jüdischen Soldaten ritue'le Kost zubereitet werde. Dieses Gesuch wurde jedoch vom Ministerrat abgelehnt, mit der «merkwürdigen Motivierung, daß auch ii: anderen Staaten auf die jüdischen Ritual- .u-ebräiu-he keine I{üek>icht geunminen werde. Wie man daraus ersieht, scheint es mit dem Liberalismus der jungttirkisclk'.n Machthaber nicht weit her zu «ein. Diese Herren hätten wenigstens bedenken seilen, daß in der österreichischen -Armee, allerdings nicht für die jüdischen, wohl aber Mir die mohammedanischen Soldaten aus Bosnien in Bezug auf die Beköstigung besondere Bestimmungen getroffen wurden. E> wäre daher k«>in Unglück, v enn auch bezüglich der jüdischen Soldaten in der Türkei ähnliche. Rücksichten beobachtet worden würden. Das jüdische Gymnasium in Budapest kommt nicht vom Fleck. Ali) 20. April im Jahre 1892 deponierte der jüdische Großgrundbesitzer A. F r e y s t ii d t 1 :• r de Kövosgör (sein Sohn hat sich schon früher getauft) bei der Staatskasse 2-(X!O.0OO Kronen mit der Bestimmung, daß die Zinsen iiud Zinseszinsen dieses Kapitals zehn Jahre hindurch gehäuft zur Errichtung ein;'r jüdischen Mittelschule dem dazu gleichzeitig bestimmten Kuratorium ausgefolgt, das Kapital al>er seinen Erben zur Verfügung gestellt werde. Indessen haben mit ähnlicher Bestimmung Alexander Wahrmiann HOO.OOw und Salomen Taub WKOOO Kronen der jüdischen (iemoi)nlo hinterlassen. Im Jahre 191)2 haben die Zinsen der Freystädtle.rs.'ben Stiftung zur Gründung einer Schule noch nicht ausgereicht. Vier Jahre hat mau gearbeitet, bis man die juristischen Kleinigkeiten, die d-er Vereinigung der obigen Stiftungen im Wege standen, beseitigen konnte, so daß am 19. Dezember I 9HG der Vertrag zwischen flom Kuratorium und der Gemeinde geschlossen wurde. Nun kam es entweder, daß man das Pichl für wenig hielt, oder das Ministen u«m Soliwiei'gkc'teM machte, oder die Furcht, „was man dazu sauen wird", kurz, es besteht noch hinner kein jüdisches Gymnasium. Am Ende des vorigen Jahres hat die Freystädtlersoho Stiftung schon die Hohe von 1.475.000 Kronen, die Wahrmanusch«' 9iö.37f und die Taubseho 187.i78 Kronen ei reicht. Der Präsident des Kuratoriums n urde inzwischen auch Gemeinden] äses und in seiner Prngra mm rede betonte er. daß nachdem weder materielle Schwierigkeiten im Wege stehen noch «bis Ministerium etwas dagegen habe, die erste Klasse schon im k o m m ■> n d e n S c h u 1 j a h r o eröffnet werden wird. Jetzt hören wir wieder, daß man mit der Eröffnung s: »lange w a rten wolle. Iiis die Schule im dgenen Heim leiriert werden kann? .... TTerr James Simon. Vorsitzender des ..Tlilfsveroines der deutschen Juden" ist. wie wir erfahren, in der vor einigen Tagen stattgehabten Sitzung einstimmig zum Mitglied des V e , w a 1 t u n g s r a t e s d e r J e w i s Ii C o 1 o ti i z a- /. a t i o n A s s o c i a t i o n gewählt worden. Das beweist «ine enge EnteiiU zwischen der ..Allianz" und der ...JPA". Belgische Advokaten gegen d»e Verurteilung Hillersens. Aus Brüssel wird der ,.X. J. K." geschrieben: Das beispiellose Vorgehen des russischen Gerichtes gegen den h'echtsanwalt ff i 1 1 e r s o n. der wegen einer Rede bei einem PogromprozoO. wie berichtet, zu einem Jahre Gefängnis verurteilt wurde, wird von der hiesigen öffentlichen Meinung aufs schärfste mißbilligt. Die meisten Blätter forderten einen ö f f c n t 1 i <• h e n P rötest gegen jenes drakonische Urteil, das eine allgemeine Gefahr für die Freiheit der Verteidignii"- bedeutet. Ein solcher Protest ist nun von der hiesigen A I v o k a t e n k a rn m e r in wirksamster WeNe erhoben worden. An der Versammlung, die im großen Saale de< Kveisgerichtsgeihäudes stattfand, nahm ein zahlreiches Publikum teil. Die Advokaten trugen ihre amtliehe Tracht. Mr. S. G u i d e hielt das über -ono Stunde währende Daupfroforat. in «lern;-r die Ungeheuerlichkeiten und die Haltlosigkeit des ganzen Hillersen-Prozesses mit juristischer fin'indl'ohkoit schilderte. Darauf wurde fügende Resolution einstimmig angenommen: .,Dor B^üss<der Advokatenverband, der erfährt, daß ein Rechtsanwalt am Petersburger Kreisgericht wegen einer vor