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Neue Nationalzeitung · 1909-12-17 · Heft 26 (17.12.1909) · p. Seite 11

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XI (1909)
Issue
Heft 26 (17.12.1909)
Date
1909-12-17
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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Nr. 26 _ „Neue National-Zeitung" Seite 11 mehr die Juden einen Kongreß zu Bukarest einberufen, in dem Vertreter aller jüdischen Gemeinden gegen die neuen Ausnahmsgesetzte protestieren sollen. GSMEIN&5=ünö VSR£kNiNÄlftRit«W Wien Der Frauem\ohltätigkeitsverein „Zuflucht" veranstaltet auch in dieser Saison eine Akademie mit Hall, welche am 0. Jänner 1910 im groUen Musikv ereinssaal stattrinden wird. Diese Veranstaltung erfreut sieh dank der hochherzigen Mitwirkung der k. u. k. Kammersängerin Frl. Selnia Kurz stets zunehmender Wertschätzung. Außerdem haben noch mehrere andere erstklassige Kunstkräfte zugesagt und gelangt das vollständige Programm demnächst in unserem Hlatte zur Veröffentlichung. Es wird gebeten, sich rechtzeitig mit Karten versehen zu wollen, die bei allen Vorstandsdamen sowie im Kartenbureau Guttmann zu haben sind. Wien. Für die große Akademie in den Sophiensälen am 5. Jänner 1910, welche zu Gunsten des Fonds für den Bau des Ka i s e r V v a nz J o s e f - .1 u b i 1 ä u ni s - T e in p e 1 s veranstaltet wird, gibt sich allseits lebhaftes Interesse kund. Ihre Mitwirkung bei dieser Veranstaltung haben definitiv zugesagt: Frau F r a n c i 11 o - K a u fma n n, k. k. Hofopexnsängerin; Fräulein L ia Rose n und Herr Arnold K o r f f vom k. k. llofburgtheater, Fräulein Gisela Marion, Herr Prof. .loisef Sulzer, Herr Prof. Riehard Pallien und Herr Rudolf Oesterreich er. Die noch vorrätigen Karten sind erhältlich in den Kartenbiireaux Gaittwann, 1., k. k. Hofoper, Kehlendorfer. I., Krugerstraße 3, Spitzer, I.. Morzinplatz, ferner bei den Koniiteedamen Frau Karoline llofniann, VI., Worellstraße Nr. 3, 1. Stock, Frau Alice Fischer, V., Strohbachgasse 8 (Telephon 833/VIII) und bei Herrn Alfred Meißner, IX., Perzellangasse 2i (Telephon 21173). Wien, dl i e t z i n g e r israelitischer Franc n- Ve reiii.i Am 1). Dezember 1909 fand im Parkhotel Schönbrunn die ('ha n u k a - F e i e r des Vereines statt, anläßlich welcher Ht> Kinder bekleidet wurden. Es sind dies die verlassenen Kinder, welche seitens einer Knulerschutzbehörue gemeinsam mit der Kulrusgemeiude zumeist bei fremden jüdischen Familien in Pflege gebracht sind. Der Verein übt seit zwei Jahren die Inspektion über diese Kinder aus und beteilt sie aus eigenen Mitteln je nach Hedart' in streng Individueller Weise. Eine Frau erhielt für die außerordentliche Fürsorge, die sie ihrem Pflegekinde angedeihen Hißt, eine Prämie von einem Dukaten. Zur Feier hatten sich als<J;iste des Vereinsvorstandes, an dessen Spitze die Damen Laura K r e n b e r g e r, llermine Kernfeld und Gisela Zimer stehen, u. a. eingefunden: Herr kais. Rat Dr. Lieben, Frau Dr. Helene Scheu-Hiesz, Frau Hofopernsängerin Francillo-Kaufmanu, Herr Hofopernsänger Jos. Schwarz, AmTsleiter Kudolf Kraus und Frau. Nach der P»egrüßung durch die Präsidentin wurden die Ghanuka-Lichter durch den Kantor des Hietzinger Hethuuses angezündet. Sodann hielt Herr Direktor Dr. S. K r e nberger an tlie Kinder eine das Ghanuka-Fest erklärende Ansprache und erhielten die Kinder die Geschenke von den Vorstandsdamen, lt. K. ÄLLBN WeßttilW Eine christliche Spende für eine jüdische Erziehungsanstalt gehört wohl zu den Seltenheiten. Der jüngst in Meran verstorbene Ehrenbürger von Kassel George Andre L e n o i r, der dieser Stadt mehrere Millionen zur Errichtung eines interkonfessionellen Waisenhauses hinterließ, hat auch der Israelitischen Erziehungsanstall zu Ahlem 2000 Kronen vermacht. Herr Lenoir hatte die Anstalt vor längeren Jahren einmal in Augenschein genommen und damals ein solches Interesse für ihre Einrichtungen und Methoden geraßt, daß er sich auch weiterhin über die Entwidmung der Anstalt unterrichten ließ. Auch hat er den Wunsch ausgesprochen, daß seine Institutionen sich die Ahlemer Anstalt zum Muster nehmen sollen. Ueber den derzeitigen Stand der jüdischen Erziehungsanstalt zu Ahlem (bei Hannover) entnehmen wir aus dem letzten Berichte des Kuratoriums folgendes: Im abgelaufenen Jahre sind 13 Gärtner, 2 Bäcker und 1 Schuhmacher als ausgebildete Gehilfen entlassen worden, die, bis auf zwei, die nach Amerika auszuwandern beabsichtigen, sämtlich Stellung gefunden haben. Der vorgelegte Etat für 1910 schließt in Einnahme und Ausgabe mit 119.500 Mark ab. Die Gesamtzahl der Zöglinge beträgt gegenwärtig 4-2 Lehrlinge und 58 Schüler im Knabenhause, 21 Schülerinnen, 14- Haushaltungszöglinge und 6 Teilnehmerinnen am einjährigen Haushaltungskursus im Mädchenhause, zusammen 141. Der letzterwähnte Kursus ist erst seit 3/4 Jahren eingerichtet und für junge Mädchen aus gut bürgerlichen Familien bestimmt. Der Berliner Staatsanwalt gegen die Juden hetzer. Kurz vor Bosch Haschonoh hat auch die Berliner „Staatsbürger-Ztg." im Anschluß an das famose „Guiachten" der beiden Theologie-Professoren der Czernowilzer Universität einen Schmähartikel über das K o 1 - N i d r e veröffentlicht, der in der Bezichtigung gipfelte, daß das Judentum durch diese Formel den Meineid sanktioniere. Die Berliner Staatsanwaltschart hat nun gegen den verantwortlichen Redakteur der „Staalsbürger-Ztg." Buchow wegen Beschimpfung des Judentums Anklage erhoben, die am 18. Jänner 1910 zur Verhandlung gelangen wird. Dagegen hat es der Redakteur des antisemitischen „Bukowinaer Volksblatt", ein Vollblutdeutscher ä la Slransky, mit dem germanischen Namen W y s 1 o u z i 1, vorgezogen, durch eine kniefällige Abbitte einer Anklage, allerdings nicht des k. k. Staatsanwaltes, sondern des Dr. Adolf Fischer, zu entgehen. Das genannte Hetzblatt veröffentlicht folgende „Erklärung: Ich habe die von Herrn Dr. Adolf Fischer, Advokaten in Czernowitz, inkrimierten Artikel der von mir redigierten Zeitung „Bukowinaer Volksblatt" Nr. 50 vom 26. Juli 1908, Nr. 58 vom 13. August 1908, Nr. 101 vom 22. November 1908 und Nr. 107 vom 6. Dezember 1908 vor der Drucklegnng nicht gelesen, ich habe sie also weder verfaßt noch zum Drucke befördert. Hätte ich sie vor der Drucklegung gelesen, so hätte ich deren Veröffentlichung jedenfalls verhindert. Was den Artikel über das K o 1 - N i d r e- Gebet betrifft, erkläre ich, daß ich der hebräischen Sprache nicht mächtig bin, um mir aus eigener Ueberzeugung ein Urleil in dieser Sache bilden zu können. Ich glaube aber nicht daran, daß dieses Gebet die Juden ermächtigt, falsche Eide abzulegen. Mit Bedauern erkläre ich loyalerweise, daß ich keine Ursache habe, in den Kommentar der Juden über dieses Gebet Zweifel zu setzen, nachdem ich mich durch die vom Oberrabbiner Herrn Dr. R o s e n f e 1 d in der Nr. 1987 des „Czernowilzer Tagblatt" vom 1. Oktober 1909 veröffentlichte Aufklärung von der Unrichtigkeit dieser Anwürfe auf das Kol-Nidre überzeugt habe. Czernowitz, am 4. Dezember 1909. Josef Wyslouzil, Redakteur." Hauptmann und — Schofarbläser. In dem unterfränkischen Dorfe H. fungiert ein junger Viehhändler als Bai t'kea, doch mußte derselbe 1901/03 seiner Militärpflicht in Würzburg genügen und die Gemeinde H. befand sich im Jahre 1902 bezüglich des Schofarblasens in großer Verlegenheit. Kurz entschlossen richtete der Ortslehrer A. an den Chef der 5. Kompagnie des 9. Infanterie-Regiments die Bitte : „Es wolle dem Infanteristen Abraham Schild für die Dauer des heurigen jüdischen Neujahrsfestes Urlaub gewährt werden, damit Schild, wie alljährlich, am genannten Feste in seiner Heimat die Posaune blase, da keine andere Person der

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