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Neue Nationalzeitung · 1909-12-17 · Heft 26 (17.12.1909) · p. Seite 8

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XI (1909)
Issue
Heft 26 (17.12.1909)
Date
1909-12-17
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 „Neue National-Zeitung" Nr. 26 gebliebenes Mädchen 1) o 1 a N. Bei dem zweiten Mädchen sind auch .Folgen eingetreten und sie sieht ihrer Entbindung entgegen. Wie entledigte sieh nun die k. k. •Staatsanwaltschaft ihrer Aufgabe"' Sie machte über die Fälle keine Erhebungen nahm nicht die Lokalität in Augenschein und ließ den Brycznwski auf freiem Fuß. wiewohl ihr mitgeteilt wurde, daß Hryi znwski den Eltern uml Verwandten seiner < >j)fer gedroht habe, er werde nach Amerika durchgelu'ii. wenn sie sich nicht in (Jüte mit ihm abfinden werden. Nachdem sich die Sache fast ein Jahr gezogen, wurde das Verbrechen P»r\cxkewskis nach Ansicht der Rzes/.ower Staatsanwalt zu einem Vergehen und dem Einzelriohtor Cz. zur Aburteilung übergeben. Und der Schlußeffekt dieser Verhandlung war. daß Bryczow.ski zu einem Mclnat Arrest und zu einer Entscliiid'gungssuiniine in der Höhe von sage und schreibe 100 Kronen verurteilt wurde." Wir sind aber fest überzeugt, in einem Rechtsstaate zu leben. - L. ftPRRCSPCNDgNZCN Oesterreich-Ungarn. Oeffentliche Sitzung des KuItusvorstanuVs. Wien. Sonntag, 19. Dezember 1909, 10 Uhr vormittags, findet im Sitzungssaale der israelitischen Kultusgemeinde, I., Seitenstettengasse 4, eine öffentliche Plenarsitzung statt. Gegenstand: Festsetzung der Voranschläge der Einnahmen und Ausgaben der israelifischen Kultusgemeinde Wien, sowie sämtlicher unter der Verwaltung der Kultusgemeinde stehender Fonde und Anstalten für das Jahr 1910. Ueber die nicht öffentliche Plenarsitzung des Kultusvorstandes vom 8. Dezember 1909 erhalten wir ein Kommunique, dem wir folgendes entnehmen: Vom alten Friedhof. Der Kustos der Gemeindebibliothek Dr. Bernhard W a c h s t e i n berichtet über verschiedene Restaurierungsarbeiten an den auf dem alten Friedhofe, IX., Seegasse 9, befindlichen G r a b m ä 1 e r n. Es wurden gebrochene Steine und diejenigen, bei denen in absehbarer Zeit ein Stürzen zu befürchten war, ferner die Decken- und Seitenplatten einiger verfallener Grüfte oiner eingehenden Reparatur unterzogen. Um einer Verwitterung namentlich der Sandsteine für die Folge zu begegnen, wurde nach dem Rate der k. k. Zentralkommission für Kunst- und historische Denkmale bei einer Anzahl in Verwitterung sich befindlicher Steine probeweise ein Verfahren angewandt, wodurch eine Verhärtung der Steine und eine Adhäsierung der Bruchflächen untereinander eintritt. Bei anderen Steinen wurde eine kunstgemäße Verkittung der Risse vorgenommen. Endlich wurden die seinerzeit aus Wr.-Neustadt nach Wien gebrachten, aus dem XIII. und XIV. Jahrhundert stammenden und auf dem Friedhofe in der Seegasse aufgestellten Grabsteine, ferner die in Wien und Niederösterreich gefundenen alten Grabsteine in zweckentsprechender Weise untergebracht. Dieser Bericht, sowie die Mitteilung, daß sich für den alten Friedhof auch in nicht jüdischen Kreisen ein lebhaftes Interesse kundgibt, wird mit Befriedigung zur Kenntnis genommen. Dem Kustos Dr. W a c h s t e i n wird für die mühevolle, sachkundige Leistung der erwähnten Arbeiten die Anerkennung ausgesprochen, desgleichen dem Verwalter der Versorgungsanstalt Samuel B r ö s 1 e r und dem Beamten des technischen Amtes der Kultusgemeinde Eugen Z o 11 n e r für die Unterstützung des Herrn Dr. Wachstein bei verschiedenen Arbeiten. Das Vertreterkollegium beantragt den vor einiger Zeit aus Rußland zugereisten W. S. ausnahmsweise und provisorisch bis zu seiner anderweitigen Unterbringung in die Siechenabteilung der Versorgungsanstalt unter gewissen Bedingungen aufzunehmen. Der Genannte, dem beide Beine amputiert wurden, war kurze Zeit in der Versorgungsanstalt in Lainz untergebracht und sollte von dort aus mittelst Schub i2ach Rußland rücktransportiert werden. Um dies zu vermeiden, wurde angesichts des bedauernswerten Zustandes des Genannten zunächst dessen Aufnahme in das Spital der Kultusgemeinde veranlaßt und wird jetzt vom VertreterkoJiegium unter Abstandnahme von den statutarischen Erfordernissen die provisorische Aufnahme des Genannten in die Siechenabteilung der Versorgungsanstalt beantragt. Der Antrag des Vertreterkollegiums wird angenommen. Die jüdische Toynbee-Halle. Wien, 15. Dezember. In der abgelaufenen Woche gab es in der Jüdischen Toynbee-Halle recht viel Freude für Groß und Klein. Im Hinblicke auf die Chanukawoche waren vier Abende speziell der jüdischen Geschichte gewidmet. Samstag, den 11. d. M. nahm Herr Oberkantor Don Fuchs, assistiert von einem Männerchore das feierliche Entzünden der Chanukalichter vor und daran schloß sich ein von demselben arrangierter Konzertabend, welcher das Auditorium, das die Halle bis auf das letzte Plätzchen füllte, zu stürmischen Beifallskundgebungen hinriß. In Arien, Liedern und Duetten kam die herrliche Stimme und die sympathische Sangesweise des Herrn Don Fuchs zu schönster Geltung. Ein junger Bassist, Herr Arthur Wolf, fand in Solo-Vorträgen und im Duett mit Herrn Don Fuchs (Duett aus der Oper „Die Jüdin") Gelegenheit, schöne Stimmittel und gute Schulung zu zeigen. Der Sonntag war der armen Schuljugend des XX. Bezirkes gewidmet. Da gab es in der Toynbee- Halle eine Chanuka-Festjause, mit welcher die Serie der diesjährigen Kinderjausen eröffnet wurde. Diese Feste für die Kleinen gehören zu den schönsten Einrichtungen der Institution. Sie bezwecken, den armen Kindern, die aus den allerärmsten Kreisen stammen und sonst den Sonntag nachmittag auf der Straße zubringen würden, in der Halle angemessene Unterhaltung durch Spiel und Gesang zu bieten, sie zu bewirten und mit Gegenständen zu beschenken, deren sie bedürfen. Bald sind es Kleider und warme Wäsche, bald Bücher und Spielzeug, kurz, jedes der kleinen Gäste erhält sein „Souvenir". 1132 Kinder hatten sich für die Chanukajause angemeldet, doch die Raum Verhältnisse gestatten nur die Teilnahme von 300, so daß die übrigen erst an den folgenden Sonntagen der für sie bereiteten Freuden teilhaftig werden. Beteilt wurden jedoch bereits in der Chanukawoche 500 Kinder, Und wahrlich! Viel Not gibt es da zu lindern. Die Vorräte an Bekleidungsgegenständen können nicht groß genug vorgesehen werden. Das nächstwöchentliche Vortragsprogramm wurde wie folgt festgesetzt: Samstag, den 18. Dezember: Konzert; Sonntag, den 19.: Kustos Dr. B. Wachstein: Jüdische Familiennamen; Montag, den 20.: Dr. M. Reiß: Rechtswissenschaft. Zyklus; Dienstaer. den 21.: Literarischer Abend: Lehrer Josef Weiß; Mittwoch den 22,: Prof. Dr, Edm Jerusalem: Das Zeitalter der Aufklärung (III.); Donnerstag, den 23. Dezember: Dozent Dr. Roth: Körperliche Erziehung; Freitag, den 24. Dezember: Bibelvortrag.

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